Mit wenig Geld klotzen

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Von diesem Kooperationsvertrag profitieren alle. Gestern unterzeichneten (vorne von links): Dirk Eisermann, Birgit von Hellborn und Dr. Ralph Ziegler. Hinten: Winfried Männche und OB Horst Schneider.

Offenbach ‐ Auf Frankfurt im Namen will die Neue Philharmonie nicht verzichten. Obwohl einiges dafür spricht, sich zu ihrer neuen Heimat zu bekennen: Denn Orchester und Leitung sind „mitten in der Stadt angekommen“, wie der künstlerische Leiter Dr. Ralph Ziegler sagt. Von Simone Weil

Gerade wurde der Kooperationsvertrag zwischen dem Klangkörper und der Stadt um weitere fünf Jahre verlängert. Gerade wurde der Kooperationsvertrag zwischen dem Klangkörper und der Stadt um weitere fünf Jahre verlängert. Trotzdem soll die eingeführte Bezeichnung nicht geändert werden. „Das Label und die Marken haben sich gerade entwickelt“, erklärte Manager Dirk Eisermann. International habe man sich unter anderem als Begleiter von Paul Potts, des Geigers David Garrett sowie des Startenors José Carreras bereits einen Namen gemacht. Um dennoch die Verbundenheit mit der kleineren Großstadt auszudrücken, soll auf Prospekten, Plakaten und im Schriftverkehr der Sitz im Capitol Theater Offenbach genannt werden, sagte Ziegler, der auch das städtische Forum Kultur und Sport leitet.

Veranstaltungshaus bietet gute Probemöglichkeiten

Froh sind alle Beteiligten über die Fortsetzung der Partnerschaft: Das Orchester hat nach anfänglichen Wanderjahren eine feste Bleibe im Veranstaltungshaus an der Goethestraße gefunden, das gute Probemöglichkeiten bietet. Dafür profitiert die Stadt von sechs Eigenproduktionen in der viel beachteten Sinfoniekonzertreihe Capitol Classic Lounge, die immer mehr Zuschauer anlockt. Bei 820 Plätzen gibt es inzwischen 350 Abonnements. Die Auslastung der Konzerte liege bei etwa 80 Prozent, sagte Birgit von Hellborn. Die Geschäftsführerin der Event Center Offenbach GmbH erinnerte daran, dass es vor fünf Jahren noch schwer gewesen sei, das Capitol zu vermarkten. Nach dem Musical „Tommy“ war das Haus als Diskothek genutzt worden. „Wir wollten etwas, was das Image verbessert.“ Inzwischen werde die Räumlichkeit von allen DAX-Unternehmen für Firmenveranstaltungen genutzt, sagte sie.

Neue Spender immer willkommen

Dass für Veranstaltungen wie das ambitionierte Konzertprogramm zahlungskräftige Sponsoren an Land zu ziehen sind, weiß Winfried Männche, der jährlich etwa 100.000 Euro für die doppelt so teure Capitol Classic Lounge akquiriert. Ohne die finanzielle Hilfe müssten die Einzelkarten, die zwischen 20 und 30 Euro kosten, mindestens doppelt so teuer sein. Männche kann auf einen festen Unterstützerstamm zurückgreifen. Neue Spender sind immer willkommen - so wie der, der ihm gerade 10.000 Euro zugesagt hat. Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Offenbach (GBO) freut sich: „Der war begeistert, dass man hier so etwas machen kann.“

Kulturelles Angebot wird erweitert

Vom aufpolierten Image der Stadt ist auch der Oberbürgermeister und Kulturdezernent Horst Schneider begeistert. Er lobt die positive Resonanz und ist stolz, dass sich Offenbach auf diese Weise mit Selbstbewusstsein zeigt. Es sei wieder mal gelungen, „aus wenig viel zu machen, wir können eben nicht klotzen.“ Dennoch wird das kulturelle Angebot erweitert: Für dieses Jahr sei ein kleines Kinofestival geplant, kündigte Ziegler an. Das Projekt soll demnächst vorgestellt werden. Darüber hinaus werden Produktionen aus dem Programm von „Ruhr 2010 - Kulturstadt Europas 2010“ übernommen. Um Offenbachs Position im Reigen der Mozart-Stätten zu sichern, wird es einen Wettbewerb geben, bei dem Komposition und Improvisation im Zentrum stehen sollen.

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