„Aufrunden bitte“: Mit wenig Wechselgeld viel Gutes tun

Offenbach - Die Idee ist so einfach wie bestechend: Verbraucher verzichten beim Einkauf auf einige Cents Wechselgeld, statt zum Beispiel 3,95 Euro zahlen sie vier Euro. Von Achim Lederle

Beim Stichwort „Aufrunden bitte!“ werden maximal zehn Cents an der Kasse per Tastendruck verbucht und kommen direkt Hilfsprojekten zugute.

Bundesweit beteiligen sich bislang 15 Handelskonzerne an „Deutschland rundet auf“. Auch in Offenbach läuft die Aktion seit Anfang März. Mit dabei ist unter anderem der toom Baumarkt im Ring-Center: Dort wird mit Flyern am Infostand für „Deutschland rundet auf“ geworben. Auch Aufkleber an den Kassen sollen die Kunden animieren, einige Cents zu spenden. Wie Angelika Pank von toom Offenbach unserer Zeitung sagte, ist die Resonanz der Kunden bislang recht gering. „Einige wissen schon davon, aber richtig bekannt ist die Aktion noch nicht“, sagte sie.

Idee zu „Deutschland rundet auf“

Die Idee zu „Deutschland rundet auf“ hatte der 37-jährige Christian Vater. Der gelernte Bankkaufmann studierte Wirtschaftswissenschaften in London, arbeitete dann in der Musikindustrie unter anderem im Management für Popstar Robbie Williams, bevor er 2008 eine Stiftung für HIV-infizierte Straßenkinder in Afrika gründete. Was für Afrika möglich ist, muss auch für deutsche Hilfsprojekte möglich sein, dachte sich Christian Vater und hob 2009 die Stiftung „Deutschland rundet auf“ aus der Taufe. In diesem Jahr ist die Zukunftssicherung von Kindern und Jugendlichen ein Schwerpunkt der Aktion. Erstes gefördertes Projekt ist die „Eltern-AG“, eine Einrichtung, wo Eltern in schwierigen Lebenslagen Unterstützung in Erziehungsfragen finden.

„Unser Ziel ist es, zur nachhaltigen Lösung gesellschaftlicher Probleme in Deutschland beizutragen, denn Themen wie Kinderarmut, Jugendgewalt oder mangelnde Chancengleichheit betreffen uns alle“, so Christian Vater in einer Pressemitteilung. „Mit einem Cent kann man als Einzelner wenig bewegen. Wenn aber jeder von uns nur ein paar Cents gibt, dann können wir gemeinsam viel bewirken.“

Im Fokus der Förderung liege in diesem Jahr neben der Eltern-AG das Projekt „Big Brother Big Sisters Deutschland“, ein Mentoren-Programm zur individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie das Projekt „HIPPY“, ein Hausbesuchsprogramm für sozial benachteiligte Eltern mit Vorschulkindern.

Als „Open-end“-Aktion angelegt

„Deutschland rundet auf“ ist als „Open-end“-Aktion angelegt: Vater will sie dauerhaft etablieren. „Das Spenden an der Einkaufskasse soll zum alltäglichen Normalfall werden“, sagte Vater im Gespräch mit unserer Zeitung. Wo die gespendeten Cents ankommen, werde sorgfältig ausgewählt. Ein Kuratorium, dem unter anderem der Journalist Fritz Pleitgen und die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, angehören, entscheide auf Empfehlung eines Gremiums unabhängiger Experten darüber, welche Engagements gefördert werden.

Vater: „Das unabhängige Analysehaus Phineo nimmt die Qualität der Förderprojekte unter die Lupe.“ Er garantiert zudem, dass 100 Prozent der Spenden auch dort ankommen. „Deutschland rundet auf“ finanziere seine Organisationsstrukturen nicht aus den Aufrundungsbeträgen, sondern aus Mitgliedsbeiträgen der teilnehmenden Partnerfirmen. „Jede Spende soll freiwillig und auf Eigeninitiative erfolgen“, wie die Parfümerie-Kette Douglas erklärt. Das Feedback von Kunden und Angestellten zum Start von „Deutschland rundet auf“ sei sehr positiv gewesen, so Douglas.

Mitte April will Christian Vater ein erstes Fazit ziehen: Ab dann soll auch ein Spenden-Ticker auf der Homepage eingerichtet sein, der zeigt, wie die bestechend einfache Idee ankommt und wo wieviel Geld gesammelt worden ist. Weitere Infos auf www.deutschland-rundet-auf.de.

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