Teilstück des alten MSO-Geländes

Weniger Altlasten als gedacht

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Das rund ein Hektar große Teilstück des alten MSO-Geländes wurde in den vergangenen Tagen auf Altlasten untersucht. Die Stadt will das Areal vermarkten.

Offenbach - Die Schaufel des Baggers gräbt sich zunächst scheinbar mühelos in die feuchte Erde. Doch schon wenige Zentimeter unter dem Grün stoßen die eisernen Zähne auf Bauschutt. „Stopp“, ruft Thomas Buddenbruck. Von Matthias Dahmer

Der Mann vom Kampfmittelräumdienst schaut sich ein Metallrohr näher an, das der Bagger mit ausgehoben hat, und wirft es kurz darauf wieder zurück auf den Erdhaufen. „Das sah aus wie eine Brandbombe, ist aber zum Glück keine“, gibt Buddenbruck Entwarnung.

Odenwaldring, Ecke Waldstraße, gestern Vormittag: Auf der etwas mehr als einen Hektar großen Brache, einst Teil des riesigen MSO-Geländes und seit 1979 in städtischem Eigentum, laufen bei strömendem Regen letzte Altlasten-Untersuchungen. Auf dem Filetstück, für das seit 1982 ein Bebauungsplan existiert, ist eine bis zu sechsgeschossige Gewerbebebauung möglich. Es gebe bereits einige Interessenten, ist aus dem Rathaus zu hören.

An 23 Stellen bis zu drei Meter tief

Im Gegensatz zu Kampfmittelräumer Buddenbruck hat Katharina Kunz richtig viel zu tun. Die Diplom-Geografin vom Ingenieurbüro SakostaCAU aus Dreieich hält akribisch fest, was der Bagger wo zu Tage gefördert hat. An 23 Stellen auf dem Gelände wurde in bis zu drei Meter tief gebuddelt. Das entspricht etwa der Anzahl der Gebäude, die einst dort standen. Um Katharina Kunz und dem Bagger die Orientierung zu erleichtern, hat das Vermessungsamt auf der Grundlage von Werksplänen aus dem Jahre 1952 mit einem Liniengerät, das auch auf Sportplätzen eingesetzt wird, die Grundrisse der ehemaligen Hallen nachgebildet. „Hier stehen wir in der ehemaligen Weißmühle“, sagt Geografin Kunz ziemlich in der Mitte des Geländes und weist den Baggerfahrer ein. Auf ihren alten Plänen sind weitere Gebäude und ihre Nutzung verzeichnet: Betriebsbüros, Scheibendreherei, Scheibenpackraum, Tunnelofenbau, Scheibenmacherei, Wellblechgebäude.

All das ist längst Geschichte. Mit der Abbruchgenehmigung vom Juni 1980 wurden die meisten Gebäude bis zur Oberkante Erdreich abgerissen und die Keller zum größten Teil mit dem Bauschutt verfüllt. Letzte Abrissarbeiten fanden 1986 statt.

Städtisches Umweltamt ist erleichtert

Nichts drin, was nicht erwartet wurde: Helmut Teichmann vom Umweltamt (Mitte), Geografin Katharina Kunz (rechts) und Kampfmittelräumer Thomas Buddenbruck kontrollieren den Aushub.

Helmut Teichmann vom städtischen Umweltamt ist erleichtert: Es seien weniger Verfüllungen gefunden worden als befürchtet, ganz große Überraschungen in Sachen Altlasten habe es nicht gegeben. Lediglich die in den alten Plänen verzeichneten leeren Tanks, die einst Öl oder Lösungsmittel enthielten, hätten etwas mehr Arbeit gemacht. Nicht immer war auf die Pläne Verlass: „Da ist ein Keller eingezeichnet“, deutet Katharina Kunz auf eine Stelle im Plan. Der Bagger habe dort aber nichts außer Erde gefunden.

Unterm Strich hat sich für Teichmann durch die Untersuchungen „kein K.o.-Kriterium für eine Bebauung“ ergeben. So werde wohl lediglich die Entsorgung Mehrkosten verursachen. Details dazu liefern Analysen von Bodenproben, die Katharina Kunz bei jedem Aushub entnommen hat. Ihre Arbeit mündet in ein Gutachten, das der Stadt spätestens Anfang Mai vorgelegt werden soll. Die Kosten für die Altlastenuntersuchung belaufen sich auf etwa 35 000 Euro. Das Land fördert das Projekt zu 90 Prozent.

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