Weniger Ampeln sorgen im Nordend für mehr Sicherheit

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Ampel ade: Im Nordend werden sie jetzt durch Zebrastreifen ersetzt.

Offenbach (mk) - Der ADAC vertritt eine klare Position: Eine nicht akzeptierte Tempo-30-Zone, die schwächeren Verkehrsteilnehmern falsche Sicherheit vermittelt, ist abzulehnen. Der Automobilclub fordert Kommunen auf, „gegebenenfalls nachzubessern“.

Es wäre interessant, wie der ADAC die Maßnahmen einordnet, welche die Stadt im Nordend vornehmen lässt. Dort erhält die Tempo-30-Zone den Feinschliff. Dabei werden einige Ampeln geschliffen. Das wundert den Laien. Mehr Sicherheit durch weniger Regelung: Wie soll das gehen?.

In einer Mitteilung stellt die Stadt bemerkenswerterweise an den Anfang: „Tempo 30 im Nordend entlastet seit November 2011 die Anwohner vom Verkehrslärm.“ Zur Reduzierung der Geschwindigkeit seien begleitende Maßnahmen notwendig; besonders an der Bettina- und an der Goethestraße, die beide breit ausgebaut sind und von Autofahrern gern als Alternative zum Nordring genutzt werden.

Abgesicherte Fußgängerüberwege

Zwickmühle der Stadt: Die Sicherheit aller hat oberste Priorität. In den Tempo-30-Zonen sind jedoch Fußgängerampeln unzulässig. „Das will der Bundesgesetzgeber so.“ Daher möchte die Stadt im Nordend mit einem kleinen Paket das Fahrtempo „wirksam reduzieren“, erst an der Bettinastraße, nach den Osterferien an Goethe- und Bernardstraße.

Und so will die Stadt vorgehen: „Zum Schutz der Fußgänger, vor allem aber der Schulkinder, werden die Fußgängerampeln an den Kreuzungen Bettina-/Ludwigstraße, Goethe-/ Ludwigstraße sowie Bernard-/Lilistraße durch Zebrastreifen ersetzt. In der Goethestraße und der Bernardstraße werden an diesen Kreuzungen beidseitig Sperrflächen markiert. Sie engen die Fahrbahn ein und helfen so, das Geschwindigkeitsniveau abzusenken. Die Fußgänger haben beim Überqueren kürzere Wege, da sich die Fahrbahnbreite verringert.“

An der Ludwigstraße werden vor der Kreuzung mit der Bettinastraße ebenfalls Sperrflächen markiert. Die Bettinastraße ist relativ breit. Deshalb werden die Fußgängerüberwege mit aufgedübelten Fahrbahnteilern abgesichert. Passanten können so die Fahrbahn gefahrlos in zwei Etappen überqueren. Weitere Maßnahme zur Entschleunigung ist die Einführung der Rechts-vor-links-Regelung an Bettina- und Goethestraße. Damit komme die Stadt einem während Bürgerversammlungen geäußerten Wunsch von Anwohnern nach. Eine Beschilderung soll auf diese „sehr entscheidende Änderung“ hinweisen.

Null-Toleranz gegenüber Unfallrisiken durch Raserei

Ob das alles genügt? Da sind die Grünen jedenfalls skeptisch. Ihre Beobachtung, gestützt auch auf Beobachtung der Anlieger: „Bislang funktioniert Tempo 30 nicht im Nordend. Man kann die Raserei dort jeden Tag erleben. Die Bürger werden zu Recht ungeduldig“, meint Stadtverordneter Edmund Flößer-Zilz. Für den Grünen-Abgeordneten ist mitentscheidend: „Das Durchfahrtsverbot der Bettinastraße für Nicht-Anlieger muss konsequent überwacht werden.“ Zudem spricht er sich für eine intensivere mobile Überwachung aus.

Flößer-Zilz verweist auf das Wahlprogramm und die Koalitionsvereinbarung, die auf eine nachhaltige, vernünftige Verkehrspolitik abzielten: „Null-Toleranz gegenüber Unfallrisiken durch Raserei ist besonders für die Bewegungsfreiheit von Kindern in Wohngebieten wichtig.“ Betroffen sei allerdings nicht allein das Nord, sondern auch andere Stadtteile: „Etwa das Westend, von dort erreichen uns massive Beschwerden.“ Und das wird genutzt, um geradezu genüsslich auf die aktuellen Zuständigkeiten im Magistrat hinzuweisen. „Fatalerweise haben wir politisch keinen direkten Zugriff auf Verkehrsplanung und -überwachung“, bedauert die stellvertretende Fraktionschefin Regina Umbach-Rosenow. Für bauliche Angelegenheiten zeichnet Horst Schneider (SPD) verantwortlich, für ordnungsamtliche Belange Paul-Gerhard Weiß (FDP).

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