Weniger Ausbildungsbetriebe

München/Offenbach (dapd/ku) - Trotz des befürchteten Fachkräftemangels bilden weniger Betriebe in Deutschland Lehrlinge aus. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Region, wie die Industrie- und Handelskammer Offenbach bestätigte.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, laut einem Entwurf für den Berufsbildungsbericht hätten 2010 nur noch knapp 22,5 Prozent der Firmen mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten Nachwuchs ausgebildet. Ein Jahr zuvor seien es noch 23,5 Prozent gewesen. Das Bundesbildungsministerium beklagt dem Blatt zufolge, in den vergangenen elf Jahren habe es bei den Ausbildungsbetrieben nicht so große prozentuale Rückgänge gegeben wie 2010.

IHK: Verordnung schuld an Entwicklung

Die Zahl der ausbildenden Betriebe in Stadt und Kreis sei zwar rückläufig, gleichzeitig sei das Lehrstellen-Angebot aber ausgeweitet und es seien mehr Verträge abgeschlossen worden, sagte Friedrich Rixecker, bei der IHK Offenbach für Ausbildung zuständig, unserer Zeitung. Die Zahl der bei der Agentur für Arbeit Offenbach gemeldeten Ausbildungsplätze sei von 2010 auf 2011 um 8,8 Prozent gestiegen. In diesem Zeitraum seien bei IHK-Unternehmen zudem drei Prozent mehr Lehrverträge unterzeichnet worden.

Allerdings bildeten im vergangenen Jahr etwa 1070 Betriebe aus, vier Prozent weniger als 2010, berichtete Rixecker. Auch von 2009 auf 2010 habe es einen leichten Rückgang bei den ausbildenden Firmen gegeben. Rixecker führte diese Entwicklung auf die Wiedereinführung der sogenannten Ausbildereignerverordnung im Jahr 2009 zurück. Seitdem müssen die Ausbilder in Firmen zuvor wieder eine Prüfung ablegen. Grundsätzlich sei der Schritt von der IHK begrüßt worden, sagte Rixecker, weil er zu einer Qualitätssteigerung geführt habe. Wegen der Wiedereinführung der Verordnung sei indes die Zahl der Betriebe gesunken, die für Ausbildungs-Angebote in Frage kommen.

Weniger Schulabgänger, mehr Studenten

DGB-Vize Ingrid Sehrbrock warf der Wirtschaft sinkendes Engagement in Sachen Ausbildung vor. Die Zahl der unversorgten Bewerber in Deutschland sei mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der offenen Plätze. Betriebe sollten jetzt denjenigen eine Chance geben, die bisher keine Aussicht auf einen Ausbildungsplatz hatten.

Dagegen sagte der Ausbildungsexperte des Deutsche Industrie- und Handelskammertags, Thilo Pahl, der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Zahl der Schulabgänger sinkt. Zugleich gibt es einen Trend zum Hochschulstudium.“ Wenn deshalb Betriebe keine Lehrlinge mehr fänden, fielen sie auch als Ausbildungsbetriebe aus.

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