Weniger Diebstähle

Eine mühsame Spurensuche

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Das hält kaum ein Fahrradschloss aus... Mit einem Bolzenschneider geht’s durch das flexible Stahlkabel. Im vergangenen Jahr wurden in Offenbach so oder so ähnlich 615 Fahrräder geklaut. 102 Fälle wurden aufgeklärt.

Offenbach - 13. 375 Straftaten in Offenbach hat die Polizei im vergangenen Jahr bearbeitet – vom Mord bis zum Warenbetrug. Ein weites Feld ist der Diebstahl mit 5210 Fällen (Vorjahr 5713). Von Martin Kuhn

Ein Großteil davon verhagelt die ansonsten gute Aufklärungsquote des Präsidiums, die bei 62,2 Prozent liegt.

Während der Laie generell von „dem“ Diebstahl spricht, differenzieren Polizei und Justiz säuberlich: Diebstahl ohne oder unter erschwerenden Umständen. Ein Beispiel: Mal links und rechts über die Schulter geschaut, schwupps den auf dem Schreibtisch liegenden Edelfederhalter in die Tasche gesteckt. Für Polizeisprecher Henry Faltin ein klarer Fall: „Ohne erschwerende Umstände.“ Es sieht anders aus, wenn mehr als die „bloße Wegnahme“ vorliegt, der Dieb etwa beobachtet, wie die Feder im Pult verschlossen wird, und er dieses aufbricht, um ans Schreibgerät zu gelangen.

„Glücksmomente“ eher die Ausnahme

Jene erschwerenden Umstände sind außerdem gegeben, wenn Täter bandenmäßig, vorbereitet, hinterrücks oder hinterlistig vorgehen. 2520 solche Diebstähle (2011: 2951) listet die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres fürs Stadtgebiet auf – unter anderem 454 (371) aus Wohnungen, 239 (229) aus Lager- oder Büroräumen und 422 (778) aus Fahrzeugen. Henry Faltin: „Alle Fälle verbindet: Die Täter sind darauf aus, keine Spuren zu hinterlassen; sie agieren im Verborgenen.“ Im Präsidium wird’s mitunter salopp als „Heimlichtuer-Delikt“ eingestuft.

Entsprechend schwer tun sich die Fach-Kommissariate mit der Aufklärung der sogenannten Massendelikte. Mal sind’s 7,5 Prozent (Taschendiebstahl von unbaren Zahlungsmitteln), mal 18,5 Prozent bei Tageswohnungseinbrüchen. Das alles ist weit entfernt von der weiterhin hundertprozentigen Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag (2012: sechs Fälle) oder den 95,2 Prozent bei Rauschgiftdelikten (673 Fälle). Bei solchen „Bringdelikten“ bilden Tat und Täter meist eine Einheit. Heißt: Der kleine Drogendealer, der mit seinem Stoff in der Hosentasche geschnappt wird.

Beim Diebstahl sind solche „Glücksmomente“ eher die Ausnahme. Zumal die Offenbacher Polizei mit Sorge beobachtet, dass (nicht nur da) zunehmend reisende Straftäter zulangen. So gehen Diebstähle fest eingebauter Navigationsgeräte aus Fahrzeugen wohl überwiegend aufs Konto osteuropäischer Banden. Zu deren breit gefächertem Portfolio zählt auch der Wohnungseinbruch.

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Um dem zu begegnen, kontrollieren die Beamten an den typischen An- und Abfahrtsstrecken – eine davon ist die A 3. Ansonsten gilt die Parole: „Wir finden immer mehr Möglichkeiten, die Diebe und Einbrecher zu überführen und festzunehmen.“ Das ist für den Polizeisprecher allerdings erst der zweite Schritt. Viel wichtiger ist seiner Meinung nach gerade bei den eigenen vier Wänden die Prävention, der passende und wirksame Eigentumsschutz: „Jede Barriere lohnt sich.“

Ein Weg sollte die Bürger unbedingt auf den Stadthof führen. Dort wirbt der Polizeiladen: „Unsere Beratung ist auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten und kostenlos!“ Ein erster Kontakt ist möglich unter Tel.: 069 8098-1230.

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