Mitunter sträflicher Leichtsinn

Weniger Fahrräder in Offenbach geklaut

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Die polizeiliche Statistik zeigt einen rückläufigen Trend. In Offenbach werden weniger Fahrräder geklaut. Oder gar nicht erst angezeigt. Empfehlenswert ist eine Codierung. An der Schumannstraße lagert die Polizei, woran sich Fahrraddiebe vergriffen.

Offenbach - Individuelle Erfahrungen sprechen eine andere Sprache als objektive Zahlen: Denn laut Polizeistatistik sind im vergangenen Jahr in Offenbach „nur“ 601 Fahrräder geklaut worden. 14 weniger als im Jahr zuvor. Als bahnbrechender Erfolg ist das sicher nicht zu werten. Von Martin Kuhn 

Denn im etwas weiteren Bekanntenbkreis hört sich das ganz anders an. Kaum einer, dem nicht schon mal das Velo geklaut wurde. Allerdings folgt nicht immer eine Anzeige. Viele erachten den Wert offenbar als zu gering oder den Aufwand als zu groß.

Der Diebstahl von Fahrrädern ist im wahrsten Sinn ein sehr weites Feld: In Offenbach kristallisiert sich für diese „Deliktgruppe“ weder ein örtlicher (etwa an einem S-Bahn-Halt?), noch ein zeitlicher Schwerpunkt (vorzugsweise abends?) heraus. Bei der Polizei heißt es: „Geklaut wird quer durchs gesamte Stadtgebiet.“ Auch ein typisches Täterprofil lässt sich, sofern der Dieb überhaupt geschnappt wird, nicht erstellen. So steht am Ende eine relativ geringe Aufklärungsquote – für die Stadt liegt sie bei gerade 6,7 Prozent.

Fahrrad-Check für den Frühling und Sommer

Woran liegt’s? In den Vorjahren glänzten die Offenbacher Ermittler immerhin mit 15,5 Prozent (2011) und 16,6 Prozent (2012). „Da konnten gleich mehrere Diebstähle einem Täter zugeordnet werden“, erläutert ein Sprecher des Präsidiums Südosthessen. Solche Sammelverfahren lassen die Aufklärungsquote noch oben schnellen. Weitere Besonderheit, die sich seinerzeit zeigt: In einem Fall wird auf Bestellung geklaut, ist im Hintergrund ein Hehler aktiv gewesen. Experten schätzen, dass Tag für Tag deutschlandweit mehr als 900 Fahrräder gestohlen werden. Ist das Velo einmal weg, bleibt es in den meisten Fällen verschwunden. Vorsorgen ist nach Angaben der Polizei deshalb besonders wichtig. Der Leitende Polizeidirektor Alexander König empfiehlt deshalb eine Codierung, wie sie etwa der lokale ADFC regelmäßig anbietet. Um Dieben die „Arbeit“ zu erschweren, hilft ein auf echte Widerstandsfähigkeit geprüftes Schloss.

„Ein handelsübliches Spiralschloss schützt herzlich wenig“, weiß Profi-Schlossknacker Frank Klopotowski. Bei VdS, Europas führendem Institut für Einbruchschutz, prüft er Schlösser mit allen Tricks der Täter auf ihre Zuverlässigkeit. „Einfache Bügelschlösser öffnen VdS-Prüfer in sechs Sekunden mit einer Büroklammer und einem Schraubenzieher.“ Selbst das dauert vielen zu lange: Billige Schlösser werden üblicherweise sekundenschnell mit einem Mini-Bolzenschneider durchtrennt. „Dieses Werkzeug wird im Jackenärmel versteckt.“ Ob gerade eine Straftat vollzogen geschieht, ist dann schwer zu erkennen.

Rund ums Rad beim Sattelfest (2013)

Rund ums Rad beim Sattelfest

Das firmiert bei der Polizei „unter erschwerenden Umständen“ – das ist im vergangenen Jahr 537 Mal der Fall. Wenn jemand das Rad ungesichert abstellt und hofft, dass es später noch da steht, heißt das „ohne erschwerende Umstände“. 64 solcher Diebstähle meldeten die Offenbacher. Auf Marke, Bauart oder Ausstattung kommt es dann meist nicht an. „Hauptsache, es fährt, um bequem von A nach B zu kommen...“ Eine Liste der von VdS als sicher zertifizierten Schlösser sowie weitere Informationen gibt es auf www.vds-home.de.

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