Weniger Geld für Existenzgründer

Offenbach - Wer als Arbeitsloser ein eigenes Unternehmen gründen will, muss höhere Hürden überwinden: Seit dem 28. Dezember ist das neue „Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt“ in Kraft. Von Achim Lederle

Konsequenz für Existenzgründer: Für sie gibt es eine geringere staatliche Unterstützung. Wie das Beratungsportal www.gruendungszuschuss.de mitteilt, wird das jährliche Budget der Arbeitsagenturen für den Gründerzuschuss von 1,8 Milliarden Euro auf 470 Millionen Euro gekürzt. Zudem sei der Rechtsanspruch auf einen Gründungszuschuss abgeschafft. Der Zuschuss liege jetzt im Ermessen der zuständigen Arbeitsagentur. Auch die Dauer der Förderung werde geändert. Bei der Gründung müsse jetzt noch ein Restanspruch von 150 Tagen auf Arbeitslosengeld I bestehen (bislang 90 Tage), bei der ersten Phase der Gründung werde die Förderung (Arbeitslosengeld I plus 300 Euro Zuschuss zur Sozialversicherung) von neun auf sechs Monate gekürzt. „Die geplanten Maßnahmen können zu einem Rückgang der geförderten Gründungen von etwa 140.000 im Jahr 2011 auf rund 90.000 in 2012 und 50.000 ab 2013 führen“, befürchtet Andreas Lutz von gründungszuschuss.de.

Regina Umbach-Rosenow von der Offenbacher Arbeitsagentur bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung die Kürzungen, unterstrich aber: „Wichtig ist, dass weiter gefördert wird.“ Natürlich sei es für Existenzgründer ein Ärgernis, wenn weniger Zuschüsse gezahlt und die Förderdauer geändert werde. Jedoch stehe bei den Arbeitsagenturen heute die Vermittlung im Vordergrund: „Früher wurden zum Beispiel arbeitslose Berufskraftfahrer, die sich selbstständig machen wollten, gefördert. Heute ist dies schwieriger, da Kraftfahrer auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind und schnell in einen Beruf vermittelt werden können.“ Umbach-Rosenow betonte zudem, dass sich die Arbeitsagenturen aus Beitragsgeldern finanzieren und deshalb verantwortungsvoll mit den geringeren Mitteln umgehen müssen.

„Einschneidende Änderungen“ für Existenzgründer

Markus Weinbrenner, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, sieht in dem neuen Gesetz „einschneidende Änderungen“ für Existenzgründer. Die Frage sei, nach welchen Kriterien die Arbeitsagenturen künftig entscheiden würden. „Gute Vorhaben sollen ja weiter gefördert werden. Die Kunst ist nur, festzustellen, was ein gutes Projekt ist und was nicht.“ Umso wichtiger sei jetzt eine gewissenhafte Vorbereitung der potenziellen Gründer, flankiert durch einen ausgefeilten Businessplan. Hier stehe die IHK mit Rat und Tat zur Seite.

Weinbrenner verwies auf die Gründungswerkstatt Südhessen, ein Projekt der regionalen Kammern, das Existenzgründer und Jungunternehmen bei der Planung und Umsetzung ihrer Gründungsidee kostenlos unterstütze. Bereits 172 Gründer seien dort registriert, 110 würden von Beratern betreut, so Weinbrenner.

„Trotz der Kürzungen bleibt der Gründungszuschuss auch künftig die wichtigste Form der Gründungsförderung“, unterstreicht gründungszuschuss.de. Das Beratungsportal empfiehlt: „Wer die richtige Vorgehensweise wählt, hat auch künftig gute Chancen auf die Förderung. Dabei werden schon im ersten Gespräch mit der Arbeitsagentur die Weichen gestellt. Wir raten allen Gründern dazu, sich vor dem ersten Termin gut zu informieren und mit einem erfahrenen Gründungsberater zu sprechen.“

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