Ist das Geld knapp, erstattet Sozialamt die Kosten teilweise oder ganz

Wenn die Beerdigung das Budget belastet

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Einäschern ist billiger als beerdigen. Für die Kostenerstattung durch die Sozialämter spielt das aber keine Rolle. Sie unterstützen bedürftige Hinterbliebene, die laut Sozialgesetzbuch einen Anspruch haben.

Offenbach – Eine Bestattung ist teuer. Laut Verbraucherinitiative Aeternitas müssen Hinterbliebene durchschnittlich 4500 Euro zahlen. Bei einer Erdbestattung samt Grab und Grabstein steigt die Rechnung schnell auf 6 000 bis 7 000 Euro. Von Sebastian Schilling

Summen, die schon für normale Haushalte eine Belastung sind, sofern der oder die Verstorbene kein Erbe hinterlassen oder anderweitig vorgesorgt hat – etwa mit einer Sterbegeldversicherung. Für Geringverdiener, Menschen mit niedriger Rente und Bezieher von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld sind solche Beträge oft gar nicht zu stemmen.

Deswegen können Hinterbliebene beim Sozialamt eine Kostenübernahme beantragen. Laut Paragraph 74 Sozialgesetzbuch XII werden die Ausgaben „einer Bestattung übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen.“ Ob die Rechnung ganz oder nur zu Teilen bezahlt wird, richtet sich nach der finanziellen Lage des Hinterbliebenen. Im Jahr 2017 wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge deutschlandweit 20.227 Anträge dieser Art bewilligt. Die Gesamtsumme der ausgezahlten Beihilfen betrug rund 57,3 Millionen Euro.

In Frankfurt werden bis 3 365 Euro für eine Feuerbestattung und 3 957 Euro für eine Erdbestattung übernommen. Zu diesem Zweck hat das Frankfurter Jugend- und Sozialamt zusammen mit Pietäten und dem Grünflächenamt eine Liste der Beträge erstellt, die bei einer Bestattung mindestens anfallen.

Harry Fuchs, Büroleiter der Amtsleitung des Jugend- und Sozialamts, legt aber wert darauf, dass damit nicht nur ein „Begräbnis zweiter Klasse“ möglich sei. Die maximale Höhe der Beihilfe entspräche „ungefähr zwei Drittel von dem, was man normalerweise bei der Pietät lässt“. Die Liste diene auch nicht dazu, Rechnungen auf den letzten Euro zu prüfen. Sie werde aber als Referenz genutzt, wenn jemand den Sachbearbeitern erzähle, dass er diese oder jene Leistung nicht habe billiger bekommen können.

410 Euro sind für einen Sarg aus Kiefernholz vorgesehen, für die Miete der Trauerhalle inklusive Grunddekoration und Musikanlage sind 197 Euro veranschlagt. Die Bestattungsgebühr beträgt in Frankfurt 1436 Euro, 42 Euro gibt es für Blumenschmuck.

Wem das nicht genügt, kann auch mehr Geld ausgeben, die Beihilfe wird dennoch bis zum Maximalbetrag gewährt. „Es spricht nichts dagegen, dass die Verwandtschaft für weiteren Blumenschmuck zusammenlegt“, sagt Fuchs. Für eine Todesanzeige in der Tageszeitung oder den Leichenschmaus muss man ohnehin selbst aufkommen. Das beides nicht übernommen wird, wurde von Gerichten so entschieden.

Wie viele Anträge im Jahr 2017 im Kreis Offenbach genehmigt wurden, kann Ursula Luh, Sprecherin des Kreises, nicht sagen. Lediglich die Gesamtsumme der bewilligten Beihilfen kann Luh beziffern, sie beläuft sich auf 152.116 Euro. Wie viel der Kreis beisteuert, richte sich nach dem Einzelfall. „Es werden die Kosten für eine ortsübliche Bestattung übernommen“, sagt Luh.

Die Bestattungsgebühren variieren in den Gemeinden. Ob die Auslagen für einen Grabstein oder nur für ein Holzkreuz übernommen werden, hänge ebenfalls von örtlichen Gepflogenheiten und der jeweiligen Bestattungsordnung ab. In einer Antwort des Kreises auf eine Anfrage der Linken heißt es, dass eine angemessene Bestattung im Kreis Offenbach durchschnittlich mit 2 500 bis 3 000 Euro zu Buche schlägt.

Symbol-Pflanzen für Beerdigung und Gedenktage

Die Stadt Offenbach hat schon Zahlen für 2018 vorliegen. So sind im vergangenen Jahr 115 Anträge auf Beihilfe genehmigt worden. 230.000 Euro wurden ausgezahlt. Die Stadt übernehme Beträge, „bei denen wir davon ausgehen, dass damit eine einfache aber würdige Bestattung möglich ist“, sagt Dagmar Wiegand, Leiterin des Sozialamts Sozialamts. Die Zahl der Anträge auf Erstattung habe sich nicht erhöht.

„Eine klare Richtung ist für uns als Kreis nicht erkennbar“, sagt auch Frank Walzer, Sprecher des Main-Kinzig-Kreises. 2017 wurden im Kreis 119 Beihilfen bewilligt. Zwar waren es im Jahr davor nur 97, die Zahl der Anträge variierte jedoch über die Jahre. So stiegen die Anträge zwischen 2014 und 2016 von 190 über 235 auf 329. Doch 2017 ging die Zahl wieder auf 288 zurück. Pro Fall hat sich der Main-Kinzig-Kreis im Jahr 2017 mit 1 628 Euro an den Bestattungskosten beteiligt. 193.750 Euro wurden dafür insgesamt aufgewendet.

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