Wenn Kettensägen knattern

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Während der Projektwoche können sich Schüler mal mit etwas ganz anderem beschäftigen: Lehrer Peter Ratti (links) demonstriert den Gebrauch der Kettensäge, Schüler Jonas Gröger tut es ihm nach.

Offenbach - Wenn die Kettensägen angeworfen werden, ist der Lärm ohrenbetäubend: Doch auf diesen Moment haben die jungen Männer gewartet. Jetzt dürfen erste Schnitte an den Baumstämmen ausgeführt werden. +++ Video +++ Von Simone Weil

Drei Tage lang haben die Schüler des beruflichen Gymnasiums Trockenübungen gemacht und sich theoretisch dem gefährlich aussehenden Werkzeug genähert: Sie lernten Aufbau und Funktionsweise der Zwei-Takt-Motorsäge kennen, beschäftigten sich mit Bauteilen und ihrer Wartung, studierten allgemeine Sicherheitsvorschriften, setzten sich mit Arbeitstechniken auseinander und erörterten, mit welchem Kraftstoff die Geräte auch umweltfreundlich betankt werden können.

Für den Grundlehrgang hat Peter Ratti Motorkettensägen aus vier Jahrzehnten mitgebracht. Der Berufsschullehrer, der sich sonst mit Kraftfahrzeugen und Metallverarbeitung beschäftigt, besitzt immerhin 15 der knatternden Instrumente und hat offensichtlich selbst viel Spaß an der lautstarken Vorführung.

Das sind die besten Angebote, wenn Kollegen ihr Hobby zum Gegenstand machen und eigenes Material mitbringen“, sagt Marcus Dengler. Der Lehrer für Metalltechnik und Geschichte hat die Projektwoche an den Gewerblich-technischen-Schulen (GTS) organisiert: Herausgekommen ist ein bunter Strauß von Möglichkeiten, sich an der Schule mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Elektrotechnik und Datenverarbeitung ohne Notendruck einmal mit etwas ganz anderem zu beschäftigen. „Da kann man Schule und Lehrer in einen ganz anderen Zusammenhang bringen“, meint der Organisator.

Außer dem Kettensägenspektakel geht es beispielsweise um Bridge: Es gilt als das interessanteste und variantenreichste aller Kartenspiele. Es nimmt etwa denselben Rang ein wie Schach und ist in manch anderen Ländern festes Unterrichtsfach. Lehrer Klaus Polap konnte den vielfach erfolgreichen Bridgemeister Dirk Schroe der für einen Besuch an der Offenbacher Schule in Mainnähe gewinnen.

Während in einem Klassenraum also gezockt wurde, brachte Dr. Bernd Weil Schülern Kultur und Geschichte Tibets mit Büchern und Fotos näher. Bereits zweimal hat der Pädagoge das Land bereist und findet es besonders interessant „als Gegenstücke zu unserer Lebensweise“.

Neben Fahrten mit dem Mountainbike, Klettern und anderen Sportangeboten standen aber auch Projekte auf dem Programm, die die Unterrichtsinhalte ergänzen. So wurden pneumatische, elektropneumatische und hydraulische Steuerungen im Simulationslabor etwa für eine Maschine benutzt, die fürs Verteilen und Einlagern von Verpackungsgut verwendet werden könnte.

Was sich dem Laien extrem technisch und hochkompliziert darstellt, kann aber auch ganz spielerisch daherkommen: Etwa beim Programmieren von Lego-Robotern mit dem Computerprogramm Java. Unter der Leitung von Nicole Lingnau-König entstand ein Gefährt, das mittels verschiedener Sensoren auf Bälle und eine schwarze Linie reagiert, an diesen Grenzen stoppt und wendet. Der kleine menschenähnliche Roboter bewegte sich fast anmutig zwischen den Stühlen.

Mit einer Kissenschlacht per Computer beschäftigten sich Schüler unter Anleitung von Hans-Ulrich Ostermann. Beim Netzwerkspiel geht es darum, andere möglichst oft mit Kissen abzuwerfen und dabei möglichst selten selbst getroffen zu werden. Was der zentrale Server dabei alles zu berechnen hat, wird per Beamer gezeigt: Es sind riesige Datenmengen, die über die Leinwand rollen.

Ein anderes Projekt ließ die Schüler einen Eindruck vom späteren Arbeitsalltag gewinnen: Die Maschinenbau-Leistungskurse konnten knapp eine Woche beim Druckmaschinenhersteller „manroland“ Erfahrung im Projektmanagement sammeln. Über diese gelungene Zusammarbeit freute sich Schulleiter Klaus-Dieter Zebisch.

Die Schüler spielten einen Auftrag durch, wie er auch in ihrem künftigen Beruf auf sie zukommen kann. Gefragt war die Entwicklung eines Stehpultes. Die Jugendlichen fertigten Skizzen, beschäftigten sich mit der Konstruktion am CAD-System und lernten, Ergebnisse zu präsentieren und ein Projekt abzuschließen. Teamarbeit war gefragt und Kommunikationsaufgaben mussten gelöst werden. Konfrontiert wurden die Schüler auch mit Themen, auf die man nicht sofort kommt: Unterhaltsam war die Schulung in Stil und Etikette. Denn ein verpatztes Abendessen soll schon manche Karriere ruiniert haben.

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