Wenn das KOMM kommt

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In drei Monaten wird das neue Einkaufszentrum KOMM eröffnet. Der Einzelhandel in der Innenstadt verbindet damit die Hoffnung auf eine Belebung der Innenstadt, sieht sich dabei aber auch selbst in der Pflicht.

Offenbach - Hätten Sie es gewusst? „Der Montag ist im Einzelhandel der Tag der Hinterteile. Eine Todsünde fürs Geschäft“, sagt Friedrich Suhr. Und beschreibt anschaulich, wie sich die Situation für den Kunden darstellt, wenn er montags in den Laden kommt, und der Verkäufer - ihm abgewandt - gerade das unterste Regal einräumt. Von Matthias Dahmer

Die Geschichte mit der Kehrseite war amüsantes Detail eines ausführlichen Vortrags, den Stadtmarketing-Experte Suhr am Donnerstagabend bei der IHK hielt. Mehr als 30 Offenbacher Einzelhändler waren der Einladung gefolgt, um zu erfahren, wie sie sich aufs neue Einkaufzentrum KOMM einstellen können.

„Das KOMM kommt, und was habe ich davon ?“ lauteten Motto und zentrale Frage des Abends zugleich. Mit entwaffnender Offenheit bekannte Werbeprofi Suhr gleich zu Beginn, darauf könne es für den Einzelhandel in der City derzeit, drei Monate vor Eröffnung des Einkauftempels, noch keine schlüssigen Antworten geben.

Ziemlich sicher ist er sich indes, dass sowohl die Werbeaktivitäten als auch die Besucherfrequenz in der Innenstadt mindestens bis zum Jahresende hoch gehalten werden. Auch langfristig sieht der Marketingmann gute Chancen, dass sich beide Parameter auf höherem Niveau bewegen als bisher.

Die Einzelhändler müssten im Wind dieser Belebung mitsegeln, Investitionen in die Ladengeschäfte und in die Werbung seien in der jetzigen Phase besonders effizient. „Die 60 Geschäfte im KOMM werden die Erwartungs- und Anspruchshaltung der Kunden verändern. Doch es wäre falsch, im KOMM eine Konkurrenz zu sehen. Prüfen Sie mit den Augen des Kunden ihren Auftritt“, riet der Referent. Dazu gehören für ihn eigentliche Selbstverständlichkeiten wie saubere Fußböden und ausreichende Beleuchtung ebenso wie ein funktionierender Service.

Dessen Bedeutung unterstrich der Marketing-Fachmann mit Zahlen: „Nur acht Prozent der Kunden wechseln den Anbieter wegen des Preises, 60 Prozent gehen weg, weil sie sich gleichgültig behandelt fühlen.“

Wie sieht Offenbachs Einzelhandel den künftigen großen Nachbarn? „Eine einmalige Chance“, schwärmte Stefan Becker, Geschäftsleiter Ein- und Verkauf bei M.Schneider, nach dem IHK-Abend. Das Bekleidungshaus wird einen Shop im KOMM betreiben und hat im Vorgriff auf die zu erwartende Belebung der City das Haupthaus in der Frankfurter modernisiert. Die ganze Innenstadt müsse sich positiv darstellen, meinte Becker.

Auch Wilma Schindler, Chefin von Jeans Express an der Großen Marktstraße, freut sich aufs KOMM. Der übrige Einzelhandel müsse aber zusammen mit der Stadtverwaltung sehen, dass das Umfeld stimme. Genau da liegt für die Geschäftsinhaberin einiges im Argen. „Die Fachgeschäfte verschwinden mitunter in der Flut von Billigläden“, so Wilma Schindler.

Oliver Lotz, Junior-Chef des gleichnamigen Optiker-Geschäfts, sieht den Neubau ebenfalls positiv, hält ihn für eine Chance, etwas zu bewegen. „Hoffentlich gehen die Leute auch ins Umfeld“, sagte er. Und: „Wir lassen uns zur KOMM-Eröffnung etwas einfallen.“

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