Wenn Paten Firmen unter die Arme greifen

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Andreas Fiedler (links) und Gerrit Wiegand lassen sich vom Wirtschaftspaten Helmut Eikelmann (rechts) beraten.

Offenbach ‐ Meist greifen die Wirtschaftspaten ein, wenn Geschäftsführer schon mächtig unter Druck sind. Im Fall des Offenbacher Unternehmens Mainis war das anders. Von Marc Kuhn

Die Chefs der IT-Service GmbH, Andreas Friedel und Gerrit Wiegand, wollten eine wirtschaftlich ruhigere Phase zur Restrukturierung nutzen und wandten sich an die pensionierten Führungskräfte, um sich Rat zu holen. Heute sind sie voll des Lobes. „Solch eine professionelle Arbeit könnten wir uns sonst nicht leisten“, sagt Friedel. Von „hochgradiger Kompetenz“ spricht Wiegand. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Wirtschaftspate Helmut Eikelmann, der das Unternehmen mit seinen vier Chefs und vier Mitarbeitern berät.

Die Ex-Führungskräfte im Unruhestand haben sich auf die Existenzsicherung, Gründungen und Unternehmensnachfolge spezialisiert. Als ihr Brückenkopf in Offenbach sieht sich Eikelmann. In Stadt und Kreis wird er von weiteren Kollegen unterstützt. In Hanau bieten drei Experten ihre Hilfe an. Sie betreuen Firmen mit maximal fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr. Größere Unternehmen setzen ohnehin Berater ein. Die Paten gehören zu 650 Senioren in 14 Vereinen, die in Deutschland in der Arbeitsgemeinschaft Alt hilft Jung organisiert sind.

Mainis vor neun Jahren gegründet

Im Juli seien sie beim Sommerfest der Kreativwirtschaft in Offenbach auf die Wirtschaftspaten gestoßen, berichtet Wiegand. Der 39-Jährige hatte Mainis vor neun Jahren mit Friedel und zwei Freunden gegründet - „aus Spaß an der Sache“. Das Unternehmen habe eine positive Entwicklung gehabt, berichtet Eikelmann. Mit dem Umsatz von etwa 500 000 Euro im Jahr seien sie zufrieden, sagt Wiegand. „Wir arbeiten antizyklisch.“ Die öffentliche Hand sei ein wichtiger Kunde, fügt Friedel hinzu. Es dauere länger, bis sich wirtschaftliche Probleme in den Haushalten niederschlagen würden. „In der Krise ging es uns gut“, erklärt Wiegand.

Einer der Hauptkunden der Offenbacher ist die Feuerwehr Frankfurt. Sie arbeitet mit einem Abrechnungssystem von Mainis. Andere Ämter der Stadt seien auch an der Software interessiert, sagt Friedel. Es werde aber immer schwieriger an Aufträge zu kommen.

Erst einmal Bestandsaufnahme vorgenommen

Für das Gesundheitsamt der Mainmetropole wurde eine Technologie entwickelt, mit der die Verteilung der Patienten auf die städtischen Krankenhäuser geregelt wird, wie Wiegand sagt.

Der Slogan seiner Firma habe bisher gelautet: „Wir machen alles“, sagt Friedel. „Wir haben auf Zuruf gearbeitet, aber ohne Fokus.“ Sie hätten sich auf Mundpropaganda verlassen und auf Marketing verzichtet. Eikelmann hat erst einmal eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Die Stärken und Schwächen des Unternehmens seien analysiert worden, erläutert der Pate. Er kritisiert die Abhängigkeit der IT-Schmiede vom öffentlichen Dienst. Die Firma müsse sich neue Zielgruppen in der Privatwirtschaft suchen. Folglich müsse sie sich in den Bereichen Marketing und Vertrieb engagieren, rät Eikelmann.

Häufig Probleme im Marketing und Vertrieb

Gemeinsam mit 36 weiteren Wirtschaftspaten bietet er Firmen Unterstützung an. Geschäftspläne werden erarbeitet, die Situation der Unternehmen analysiert und Finanzierungen vorbereitet. Die ehrenamtlichen Helfer haben seit der Gründung des Vereins vor acht Jahren etwa 6.000 Betreuungsaufträge bearbeitet und rund 5.500 Jobs geschaffen beziehungsweise gerettet, wie sie erklären. Die Zahl der Anfragen bei den Wirtschaftspaten sei in der Krise rasant gestiegen. Deshalb sucht der Verein Frauen und Männer, die sich engagieren wollen.

Häufig gebe es bei Firmen - wie bei Mainis - Probleme im Marketing und Vertrieb, sagt Eikelmann. Er wolle die Erfahrungen aus seiner Laufbahn weitergeben, berichtet der 65-Jährige über seine Motivation. „Der Nebeneffekt ist: Ich lerne dazu.“ Sein Engagement führt zeitweise zu einer 40-Stunden-Woche.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Wirtschaftspaten.

Eikelmanns Rat war auch bei Gründer Karl-Heinz Sieb gefragt. Der Dachdeckermeister aus Hainburg hatte beispielsweise Schwierigkeiten beim Erstellen eines Geschäftsplans und beim Beantragen der Fördermittel. Eikelmann habe ihm auch bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs geholfen, berichtet Sieb weiter. Er habe ihm „praxisorientierte, zuverlässige und wertvolle Unterstützung in der Aufbauphase“ geboten.

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