Wissenschaftlich begleitetes Projekt

Wenn Senioren surfen

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Gunthild Matthies (links) und Christel Wiens haben keine Berührungsängste im Umgang mit dem handlichen Kleincomputer. Sie freuen sich über erste Schnappschüsse, die sie damit machen konnten.

Offenbach - Ein Projekt für Senioren geht in Stadt und Kreis Offenbach an den Start. Sein Name: „EVA“ – das bedeutet „eigenständig, vernetzt, aktiv“. Aus Bundesmitteln gefördert, wird es vom ASB als Regionalpartner betreut. Von Harald H. Richter

„Ach, twittern kann ich damit auch?“ Christel Wiens aus Weiskirchen staunt ob der Möglichkeiten, die in dem handlichen Kleincomputer stecken, der in der Tablet-Halterung vor ihr auf dem Tisch steht. Begriffe wie „Skypen“ und „WhatsApp“ sind für die 74-Jährige keine Fremdwörter mehr. Fortan kann sie mit ihren Enkeln mithalten. 40 Senioren aus Offenbach und Umgebung, der älteste kürzlich 87 geworden, haben sich im Gruppenraum des Seniorentreffs des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) an der Pirazzistraße versammelt. In zwei Durchgängen werden sie im Umgang mit dem Sicherheits-Tablet geschult. Sie begeistern sich für ein Modellprojekt, das vom Forschungsinstitut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft an der Evangelischen Hochschule Darmstadt wissenschaftlich begleitet wird.

„EVA“, die drei Buchstaben stehen für „eigenständig, vernetzt, aktiv“ und beschreiben zutreffend, um was es geht. „Die Versorgung älterer Menschen im eigenen Zuhause sicherzustellen und an der Erhaltung ihrer geistigen Vitalität und Lebensqualität mitzuwirken“, nennt Johannes Fellner, zuständiger Fachbereichsleiter Altenhilfe bei den Samaritern, die Kerninhalte. Der ASB Mittelhessen ist Partner in der Modellregion Stadt und Kreis Offenbach, steuert Angebote seiner sozialen Dienstleistungen bei und stellt internetfähige Tablets für die bis Januar 2016 dauernde Projektphase gratis zur Verfügung. An einem der Tische erläutert – frei nach der Devise „Jung hilft Alt“ – Alpay Ergün den Nutznießern die leicht zu bedienende Oberfläche des Geräts. Er verweist auf die integrierte Assistenzruf-Funktion, durch die man jederzeit mit den Samaritern Kontakt aufnehmen kann – beispielsweise bei einem Schwächeanfall oder einem anderen akuten Problem daheim. Auch beim Anlegen einer E-Mail-Adresse ist er behilflich. Der junge Mann leistet seinen Bundesfreiwilligendienst beim ASB in Offenbach und ist jeden Mittwochvormittag bei einem Stammtisch Kontaktperson für die Projektteilnehmer. Inhaltlich gliedert sich „EVA“ in vier Kerngebiete: Sicherheit, Gesundheit, Kommunikation und Unterhaltung. „Sehr praktisch ist beispielsweise, dass man wichtige Vitaldaten, etwa die Blutdruckwerte oder Einzelheiten zur täglichen Medikamenteneinnahme, darauf abspeichern kann“, hebt Daniela Horn einige Vorzüge hervor. Sie ist beim ASB Hauptansprechpartnerin für die Senioren und wird von Sozialpädagogin Andrea Jädike unterstützt.

Spiele zum Gedächtnistraining gehören ebenso wie ein Fotoalbum, ein Online-Telefonbuch und eine Wetter-App zu den Funktionen. „Freilich können weitere Applikationen aufgespielt werden“, stellt Johannes Fellner in Aussicht. Den Bedarf können die Senioren selbst ermitteln. „Wichtig ist, dass die Projektteilnehmer all diese Möglichkeiten der Kommunikation auch zu Hause nutzen, Kontakte zu anderen aufbauen und Verständigungswege beschreiten, auf denen junge Menschen schon seit Langem gehen.“ Gunthild Matthies aus Mühlheim gehört inzwischen auch dazu. Wie ihre Tischnachbarin Christel Wiens hat sich die 78-Jährige, kaum dass sie aus der Offenbach-Post von dem Projekt erfahren hatte, dafür angemeldet. „Wenn man im Alter allein wohnt, ist die Gefahr zu vereinsamen groß“, sagt sie. Darum traf sie den Entschluss mitzumachen.

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Ihre bei Berlin lebende Tochter sieht Gunthild Matties nicht sehr oft. „Ich finde es daher toll, dass ich ihr jetzt online schreiben und auch ein aktuelles Fotos schicken kann“, freut sie sich und deutet auf den Tablet-Bildschirm. Mit dem gerade gemachten Schnappschuss ist sie aber noch nicht zufrieden. Flink drückt sie die Löschen-Taste und bringt sich vor der integrierten Kamera besser in Position.

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