Wenn sich zum Frost der Pfusch gesellt

Offenbach ‐ Auf der Mainstraße und Teilen der Kaiserstraße ist zum Ärger der Autofahrer der nahtlose Übergang von der Schlagloch- zur Rüttelpiste gelungen - und beim Stadtdienstleister ESO ist man alles andere als glücklich darüber. Von Matthias Dahmer

Schuld daran, dass die dortigen Frostkrater nun bis über ihre Oberkante hinaus verfüllt sind und jetzt kleine Hügel den Asphalt zieren, ist ein neues Verfahren, wie ESO-Sprecher Oliver Gaksch erklärt. Aus Kosten- und Zeitgründen habe man sich für das sogenannte Patching entschieden. Das funktioniert so: Ein mit einer Art Rüssel bestückter Lkw säubert die Schlaglöcher zunächst mit Druckluft und befüllt sie dann mit einem Gemisch aus Teer und Split. Und das alles im Minutentakt. „Wir hatten die Hoffnung, dass es so günstiger und schneller geht“, sagt Gaksch. Die beauftragte Firma ist nun in der Pflicht und beginnt wohl Anfang nächster Woche mit der Nachbesserung. Dann wird man weitersehen und auf anderen sanierungsbedürftigen Straßen unter Umständen weitere Verfahren testen.

Hoffnung auf eine gründliche Sanierung der Mainstraße kann der ESO-Sprecher nicht machen. Unterm Asphalt liegen Pflastersteine; diese rauszureißen und alles komplett zu erneuern, kann sich das klamme Offenbach nicht leisten. Das gilt für alle Straßen, die einst gepflastert und mit einer Teerdecke überzogen wurden, so Gaksch. Die Ansicht, dass Kopfsteinpflaster sich nicht mehr mit einem modernen Stadtbild vereinbaren lässt, reifte nach Angaben von Stadtsprecher Matthias Müller in den 60er-Jahren. „Das war nicht nur in Offenbach der Trend der Zeit. Damals wollte man mit kleinem Geld die Straßen sanieren, was sich heute als finanzieller Fluch erweist.“

Der ESO schätzt den Sanierungsbedarf am 260 Kilometer langen Offenbacher Straßennetz für die nächsten Jahre auf rund 20 Millionen Euro. Eine Summe, bei der Kämmerer Michael Beseler abwinkt. Klar ist aber auch: Die 2,7 Millionen Euro, welche die Stadt Jahr für Jahr zur Straßenunterhaltung an den ESO überweist, werden 2010 nicht genügen. Um die schlimmsten Schäden zu beseitigen, sind derzeit 3,5 bis 4 Millionen Euro im Gespräch, bestätigt Beseler.

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