Wenn Zündeln mal erlaubt ist

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Geht das Teelicht aus, wenn Lenny bläst, obwohl das Glas davor steht? Diese und andere Fragen beantwortete der Vhs-Kurs „Feuerwerkstatt“. Ein ähnlicher Kurs „Magnetwerkstatt“ findet am 11,. Mai statt.

Offenbach - „Wir werden nichts in die Luft sprengen“. Andrea Finas weiß, dass richtiges Abfackeln den Jungs am liebsten wäre. Von Simone Weil

Ihre Experimente, die unter dem Titel „Feuerwerkstatt“ im Volkshochschulprogramm für hochbegabte und besonders interessierte Sechs- bis Achtjährige angekündigt waren, haben Erwartungen geweckt. „Werden wir das alles verbrennen?“, hatte bereits einer gerufen, der sie mit Utensilien wie Plastikflaschen, Fliesen und Teelichtern auf dem Weg zum Veranstaltungsraum anrücken sah.

Denn Anton, Paulus, Robin, Kenan, Tobias und zwei Lennys wollen dem Feuer auf die Spur kommen. Deswegen sind sie da. Doch was passiert, wenn Jungs in ihrem Alter ein Päckchen Streichhölzer in die Finger kriegen und ein Teelicht anzünden sollen? Sie kokeln rum. Schnell sind die zur Sicherheit mit Wasser gefüllten Marmeladen- und Gurkengläser voller abgebrannter Zündhölzer. Mehrmals muss die Chemieingenieurin die Jungs ermahnen, jetzt mal die Streichhölzer ruhen zu lassen.

Jetzt gibt es erst einmal eine Runde schnell gemachter Namensschilder. Dazu schreibt Andrea Finas die Namen der Teilnehmer auf Kreppklebeband, das sich ganz leicht abreißen und auf den Pullover oder aufs T-Shirt kleben lässt. „Die Veranstaltung ist diesmal sehr jungenlastig“, sagt die Kursleiterin. Das sei nicht immer so, sonst seien häufig auch Mädchen dabei. Dass diese an den naturwissenschaftlichen Experimenten auch ihren Spaß haben, weiß die Fachfrau. Oft ist sie für das Frankfurter Unternehmen „3up“ unterwegs, das sich der kindgerechten Frühförderung und Betreuung widmet. In Grundschulen und Kindergärten in Stadt und Kreis Offenbach ist Andrea Finas derzeit wieder zu Gast, um Kindern ganz spielerisch chemische Vorgänge zu erklären und mit ihnen alltägliche Geheimnisse zu lüften.

Nach ein paar wichtigen Sicherheitsregeln und dem Hinweis auf die gefüllten Wassereimer, die vorne stehen, geht’s los: Teelichter werden entzündet. (Damit der Tisch keinen Schaden nimmt und auch sonst nichts passieren kann, steht das Kerzchen auf einer Keramikfliese). Doch wie wird eine Flamme am besten wieder gelöscht? Den Jungs fällt Auspusten ein, aber auch Wasser oder Sand lässt ein Feuer ersticken. Ein Glas, das dem Flämmchen den Sauerstoff raubt, ist eine weitere Methode, dem flackernden Licht den Garaus zu machen, stellen die Nachwuchs-Wissenschaftler beim Ausprobieren fest.

Ein Plastikteller wird mit rot gefärbtem Wasser gefüllt: Das Teelicht kommt mitten rein. Stülpt man jetzt das Glas über die Flamme, erlischt die irgendwann und das Wasser im Glas steigt. Die Buben zeigen sich beeindruckt. Trotzdem sind weitere Ermahnungen an die Pyromanen nötig: „Könnt ihr zwischendurch mal aufhören, mit den Streichhölzern zu spielen?“. Sie können es nicht. So bleibt es nicht aus, dass sich Lenny mal den Daumen verbrennt und manche der anderen Jungs schon nach kurzer Zeit keine Zündhölzer mehr haben.

„Geht das Teelicht aus, wenn man ein Glas davor stellt und bläst“, will Andrea Finas wissen. Das Kerzchen erlischt tatsächlich, weil die Luft um das Gefäß herumgeleitet wird. Jetzt soll ausprobiert werden, ob und wie das Ganze funktioniert, wenn man durch einen Trichter bläst. Blasen die Junge durch die schmale Öffnung, verpufft die Wirkung der Luft, weil sie zu weiträumig um die Kerze herumgeführt wird. Pustet man aber durch die große Öffnung, wird die Luft durch die schmale Öffnung und dadurch gezielt auf die flackernde Flamme gelenkt, die - wie erwartet - erlischt.

Jetzt wird ein Feuerlöscher gebastelt: Dazu werden einige Löffel Backpulver mit einem Schuss Essig gemischt. In den Plastikflaschen beginnt diese Mischung zu schäumen und zu brodeln. Der über den Flaschenhals gezogene Luftballon beginnt allmählich, sich wie von Zauberhand aufzublasen. Nur nicht bei Anton. Dessen Ballon ist nämlich kaputt. Trotzdem lässt sich auch für ihn das Experiment nachvollziehen. Gespannt beobachtet er, wie das Kohlendioxyd (Kohlensäure) aus der Plastikflasche entweicht, wenn sie zur Seite geneigt wird. Die Kerze geht aus.

Im letzten Versuch endlich schlagen die Flammen höher - und die jungen Herzen tun es ihnen gleich. „Die Schlangen des Pharao“ heißt das Experiment, für das drei Emser Lutschbonbons auf einem Sandhäufchen auf der Fliese platziert, mit Alkohol übergossen und angezündet werden. Das Feuer flackert ordentlich. Die Halstabletten verfärben sich eklig braun und es scheinen dunkle Schlangen aus dem Feuer hervorzukriechen. Doch bei der Deutung der entstehenden Viecher sind die Kursteilnehmer uneins und rufen: „Ich finde, das sieht eher wie ein Käfer aus.“ „Nein, meins sieht wie ein Wurm aus.“

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