Vertrag über kommunale Werbeflächen

Sichere Planung nun für 14 Jahre

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Gestern bei der Vertragsunterzeichnung im Rathaus: Vorn von links Dirk Geßner (Ströer DSM) und Matthias Müller (OSG), hinten Steffen Decker (Ströer DSM) und Regina Preis (OSG).

Offenbach - Matthias Müller weiß nicht, ob es der wichtigste oder der werthaltigste Vertrag ist, den er in jüngster Zeit unterzeichnet hat. „Aber es ist einer der am intensivsten verhandelten.“ Von Markus Terharn

Anderthalb Jahre dauerte der ganze Vorgang, vier Monate nahmen allein die Verhandlungen in Anspruch. Gestern vereinbarten Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft (OSG) und Ströer Deutsche Städte-Medien (DSM) die Verlängerung ihrer Zusammenarbeit für 14 Jahre. „Der alte Konzessionär ist auch der neue“, fasste OSG-Geschäftsführer Müller zusammen. Das war kein Selbstläufer, wie Kollegin Regina Preis erläuterte. „Vorausgegangen war eine europaweite Ausschreibung.“ Dafür erarbeitete die OSG mit Stadt und Fachämtern (Stadtplanung sowie Bauaufsicht) ein 50 Seiten starkes Pflichtenheft. Extern eingeholt wurde eine Analyse der Potenziale.

240 Werbeflächen sowie 150 Buswartehallen auf kommunalem Grund darf die DSM vermarkten. 20 bisher genutzte Areale fallen weg, was der regen Bautätigkeit geschuldet ist: Parkdeck Berliner Straße und Maindamm nannte Müller als Beispiel. Im Gegenzug kommen 40 Reklameträger hinzu, allein 20 Bushaltestellen. „Da hat die DSM nicht hurra geschrien“, verdeutlichte Müller einen Knackpunkt. Ging es doch teils um wenig attraktive Standorte in Rumpenheim oder Bieber-Waldhof.

Für Installation, Wartung, Reinigung und Reparaturen ist die DSM zuständig. Sie ist verpflichtet, sich in Farbe und Form an die städtischen Designvorgaben zu halten. Das Vorgehen bei Vandalismus ist klar definiert. Müller lobt die kurze Reaktionszeit: „48 Stunden, bei Gefahr im Verzug – Scherben oder offene Stromkabel – sofort!“

Stadt gewinnt an Planungssicherheit

Zudem gewinnt die Stadt Planungssicherheit. „Bisher haben wir immer erst Ende des Jahres erfahren, was wir an Geld bekommen, abhängig vom Betriebsergebnis der DSM“, führt Müller aus. „Künftig haben wir einen fixen Anteil garantiert und partizipieren durch erfolgsabhängige Umsatzpacht zusätzlich am DSM-Gewinn.“ Über die gesamte Laufzeit erwartet die OSG einen „mittleren bis hohen einstelligen Millionenbetrag“.

Für eigene Veranstaltungen können Ämter und Gesellschaften der Stadt auf den DSM-Litfaßsäulen in Offenbach und Umgebung bis zu einem bestimmten Wert kostenlos plakatieren. Vereine und Kulturtreibende dürfen weiter die etwa 150 Dreiecksständer nutzen. Vom Vertrag ausgenommen sind ferner Schulturnhallen und andere Sportstätten. Clubs können sich Sponsoren für die Bandenwerbung nach wie vor selbst aussuchen.

Die lange Laufzeit weiß Müller zu begründen: „Allein die Abschreibung der neuen Buswartehallen dauert zehn Jahre. Bedenkt man, dass im Kaiserlei frühestens in zwei Jahren angefangen werden kann, ist man schnell bei 14 Jahren angelangt.“ Die vorgeschriebene EU-Ausschreibung habe die OSG genutzt, sich bei der Konkurrenz umzusehen. Für die DSM habe gesprochen, dass sie wisse, „wie Kommunen ticken“.

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Dafür hat Geschäftsführer Dirk Geßner eine einleuchtende Erklärung: Bis zur Privatisierung und Übernahme durch Ströer (2004) war die Deutsche Städte-Medien in kommunaler Trägerschaft. Nach eigenen Angaben ist Ströer DSM Marktführer und im Rhein-Main-Gebiet flächendeckend vertreten, mit Ausnahme Wiesbadens.

Und welche Firmen werben auf DSM-Flächen? „Erstens nationale Unternehmen etwa aus der Textilbranche wie C&A oder H&M, Autohersteller oder Telekommunikationsanbieter“, sagt Geßner. „Zweitens Radiosender, Tageszeitungen oder Brauereien aus der Region. Und drittens lokale Kleinstunternehmer, die oft nur eine Fläche mieten oder zum Beispiel ein Jubiläum bewerben.“ Die Investition in Offenbach beziffert er auf eine Million.

Der bisherige Kontrakt von 1999 läuft Ende des Jahres aus. Bis 2028 liegen die städtischen Werberechte bei der OSG, was steuerliche Vorteile hat. Die Stadt hält 50 Prozent an ihrer Tochter, Sparkasse und Stadtwerke je etwa 25.

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