Werben um Jungwähler

Podiumsdiskussion an der Theodor-Heuss-Schule

+
Wollen der Jugend die Politik näherbringen; Organisatorin Michaela Makosz, Oliver Stirböck (FDP), Tobias Bluhm (Moderator), Roland Walter (CDU), Celine Polesciuc (Moderatorin), Sven Malsy (Die Linke), Gertrud Marx (SPD), Tobias Dondelinger (Die Grünen).

Offenbach - Politische Diskussionen haben Tradition an der Theodor-Heuss-Schule. Seit 30 Jahren werden vor den Wahlen Kandidaten eingeladen. Gestern warben Vertreter von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP um die Gunst der rund 200 Schüler im Publikum. Von Christian Wachter 

Einige der wenigen Spitzen in Richtung Konkurrenz gibt es gleich bei der Vorstellung. Er sei ein richtiger Offenbacher, sagt Sven Malsy (Linke) und grenzt sich scherzhaft von Gertrud Marx (SPD) ab, die sich als Wahl-Offenbacherin geoutet hatte. CDU-Fraktionsvize Roland Walter (CDU) präsentiert sich als ehemaliger Heuss-Schüler. Tobias Dondelinger (Grüne) gesteht, es habe ihn vor einigen Jahren wegen der günstigen Miete nach Offenbach verschlug. Oliver Stirböck (FDP) kommt, mit dem Versprechen einer Spende, 15 Minuten später. Dass zumindest beim Sprechen niemand zu lange braucht, darauf achten die moderierenden THS-Schüler Tobias Bluhm und Celine Polesciuc. Zu Beginn der Podiumsdiskussion gibt es Gelegenheit zur politischen Standortbestimmung. Es geht um Flüchtlinge und Migration. Integration, so Malsy, könne nur über Mitgestaltung funktionieren. Walter ist ein integrativer Arbeitsmarkt und der Spracherwerb wichtig. Er bekommt Beistand sowohl aus der grünen als auch der gelben Ecke. Gertrud Marx, wiederum erklärt, dass momentan bis 2017 nicht geplant sei, dass Offenbach feste Zuweisungen bekommt.

Auch wenn es da manchmal theoretisch wird - die größtenteils wahlberechtigten Schüler hören gebannt zu, Smartphones werden nur vereinzelt gezückt. Dass ein Thema alle bewegt, hört man am aufgeregten Flüstern: der Zustand der Schulen. „Uns wird schon ewig gesagt, dass hier etwas gemacht werden soll. Nebenan, in der Käthe-Kollwitz-Schule, gibt es aber immer noch Asbestplatten in den Wänden“, konfrontiert Celine Polesciuc die Kandidaten. So richtig zu entgegnen weiß da niemand was. Man müsse sparen, der Sanierungsplan sehe vor, eine Schule nach nach der anderen zu sanieren, heißt es von Seiten der SPD. „Ein großes Problem, aber wir können uns leider kein Geld schnitzen“, sagt der Grüne Dondelinger.

Auf den Einwand, weshalb dann Geld für ein Offenbach-Schild am Marktplatz da sei, bekommen die Regierungsparteien Unterstützung vom Liberalen Stirböck. „Das wurde privat finanziert und bewegt sich in anderen Preisregionen; weshalb man aber Millionen ausgegeben hat, um das Klinikum durchzuschleppen, ist mir ein Rätsel.“ Auch der Umbau der Kaiserstraße und des Marktplatzes koste zu viel, fügt Walter hinzu. Polesciuc gibt sich damit nicht zufrieden: „Warum versuchen sie dann nicht, auch einmal private Spenden für die Schulsanierung zu sammeln?“, möchte sie wissen. Die Politiker nicken.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Bei der anschließenden Diskussion wird klar, dass es auch bei den Schülern unterschiedliche politische Lager gibt. Ob durch die Flüchtlinge wohl die Krankenkassenbeiträge steigen und die Turnhallenbelegung den deutschen Sport leiden lässt? Beiden Fragestellern kann das Podium die Bedenken schnell nehmen. Für mehr Reibung sorgt das Thema Freizeitgestaltung. Die Schüler wollen wissen, ob in der Stadt nicht mehr möglich sein müsste. Die Politiker sind sich einig, dass Schulsportplätze länger geöffnet haben und bestehende Strukturen gefördert werden müssten. Anders sieht es beim Potenzial für neue Projekte aus: Leerstand, etwa in Bürogebäuden, könnte man umfunktionieren, sagt Malsy. Gegenwind kriegt er sofort. „Auch die Linken müssen sich mit dem Schutzschirm auseinandersetzen“, unterbricht Stirböck den Applaus. Gertrud Marx will indes ob der finanziellen Lage keine Versprechungen machen, was Großprojekte angeht. Einig sind sich am Ende dennoch alle. Die Schüler sollen wählen gehen und ihr Kreuz ja nicht bei den Rechten machen, heißt es geschlossen.

Organisatorin Michaela Makosz, Fachgruppenvorsitzende Politik, ist zufrieden. Mit ihren Lehrerkollegen hat sie die Schüler auf die Podiumsdiskussion eingestellt und ihnen das doch nicht einfach Wahlverfahren mit Kumulieren und Panaschieren erklärt. „Die Politiker haben einen sehr guten Draht zu den Schülern gefunden und sind verständlich auf ihre Probleme eingegangen.“ Das, so Makosz, habe man schon ganz anders erlebt.

Kommentare