Stadt erklärt, wie Radeln gegen die Einbahnstraße funktioniert

Geballte Werbung für Rücksichtnahme

Offenbach - Der Ortstermin beginnt mit dem Vorführeffekt: Eine Radfahrerin biegt von der Mathildenstraße in die für Radler in Gegenrichtung freigegebene Einbahnstraße Austraße ein. Von Matthias Dahmer 

Plakate werben seit gestern für mehr Rücksichtnahme beim Radeln gegen die Einbahnstraßenrichtung.

Ein Lieferwagen blockiert den Radstreifen, ein Auto kommt entgegen, für kurze Zeit geht nichts mehr für die umweltfreundliche Verkehrsteilnehmerin. Dabei wollen städtische Verkehrsplaner, ADFC, Polizei und der Radverkehrsbeauftragte des Regionalverbands gestern Vormittag noch einmal heftig Werbung machen für das, was ohne Zweifel aus umwelt- und verkehrspolitischen Gründen sinnvoll, zumindest an einigen Stellen unter Sicherheitsaspekten aber nicht unumstritten ist: Die Freigabe von Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung. 130 Einbahnstraßen gibt es in Offenbach. Sie machen etwa 20 Prozent des Streckennetzes aus. In 30 davon ist das Radeln in Gegenrichtung laut Gutachtern zu gefährlich, der Rest wird gemäß einem Parlamentsbeschluss von 2012 Zug um Zug mit entsprechenden Markierungen bestückt. Etwa die Hälfte des Programms ist schon geschafft.

Damit es noch besser klappt mit der gegenseitigen Rücksichtnahme kommen gestern Plakate hinzu. Das Motiv mit lächelnder Radlerin macht unter dem Motto „Wir sind entgegenkommend“ darauf aufmerksam, dass die Vorfahrt zu beachten ist, dass man sich in Kurven rechts halten und dass man bei Gegenverkehr auch mal warten soll. „Die Sicherheit steht bei den Planungen an oberster Stelle“, sagt der städtische Radverkehrsplaner Rolf Schmidt. Er weist darauf hin, dass die Straßenverkehrsordnung schon seit dem Jahr 1997 die Möglichkeit eröffnet, Einbahnstraßen freizugeben. Bedenken, dass es aufgrund der Neuregelungen in den mitunter engen Straßen zu Unfällen kommen könnte, sucht er mit dem Verweis auf langjährige Erfahrungen in anderen Städten zu zerstreuen. Dort seien die Unfallzahlen nicht in die Höhe gegangen.

Manfred Schaub, Vize-Chef des 1. Reviers, steht den Neuregelungen grundsätzlich positiv gegenüber. Aus polizeilicher Sicht sei es sinnvoller, die Einbahnstraßen freizugeben statt Radwege entlang der Hauptstraßen anzulegen. Nun müsse man abwarten, wie sich das Ganze entwickle. Für Peter Ambros klingt das zynisch. Es werde wohl erstmal auf Unfälle gewartet, vermutet der Sprecher der Bürgerinitiative Östliche Innenstadt, der zuvor Fotos herumgereicht hat von Gefahrensituationen in den entsprechenden Einbahnstraßen in seinem Viertel. Manfred Schaub weist die Vermutung des Kritikers Ambros jedoch vehement zurück. Was außer Markierungen und Schildern noch an baulichen Maßnahmen für Einbahnstraßenradler getan wird, zeigt Rolf Schmidt an der Kreuzung Berliner Straße/Ludwigstraße. Letztere ist mittlerweile von der Bismarckstraße bis ins Nordend durchgängig in Gegenrichtung befahrbar. An der Kreuzung gibt es eine Ampel extra für die Radler. Der Signalgeber dort ist einer von insgesamt acht, die im Stadtgebiet an viel befahrenen Knotenpunkten stehen.

Autofahrer bilden größtes Ärgernis für Radler

Die Kosten für die Extra-Ampel an der Ludwigstraße sind überschaubar. Sie sei im Zuge der etwa 5 000 Euro teuren Umrüstung der gesamten Kreuzung installiert worden und schlage mit 500 Euro zu Buche, so Schmidt. Nächstes größeres Projekt neben der weiteren Freigabe von Einbahnstraßen sind einheitliche Wegweiser für den Radverkehr. Die insgesamt 975 weißen Schilder mit grüner Schrift sollen zur nächsten Radsaison stehen. 295.000 Euro wird die Wegweisung kosten, 120.000 Euro davon entfallen auf die Schilder, noch einmal der gleiche Betrag muss für bauliche Maßnahmen wie Bordsteinabsenkungen und ähnliches ausgegeben werden, der Rest verteilt sich auf Planungs- und Nebenkosten. „Außerdem werden wir bei sämtlichen Straßenbaumaßnahmen immer den Radverkehr mitdenken“, verspricht Rolf Schmidt.

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