Wertstofftonnen als Test

Mülltrennung leicht gemacht

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Offenbach - Unzulässige Verhaltensmuster werden legalisiert: Der ESO führt testweise in einigen Stadtteilen die Wertstofftonne ein, in der auch Metall und Kunststoffe ohne Grünen Punkt entsorgt werden dürfen. Von Fabian El Cheikh

Neue Gesetze, Regeln und Bestimmungen – Jahreswechsel bringen üblicherweise so einige Änderungen mit sich. Eine Neuerung steht rund 20.000 Offenbachern bereits ab Januar ins Haus, besser gesagt vorm Haus: die Wertstofftonne. Sie soll Anwohnern in den Stadtteilen Westliche Frankfurter Straße und Bieber-Waldhof das Leben wesentlich erleichtern, verspricht die Dienstleistungsgesellschaft ESO. Und unbekümmerte Lebensgewohnheiten legalisieren, die so mancher in der Vergangenheit ohnehin schon an den Tag gelegt hat.

Es geht, man mag es sich bereits gedacht haben, ums Sortieren des häuslichen Abfalls – eine Leidenschaft, der weltweit keiner mehr verfallen ist als der Deutsche. Mit mehr oder weniger Akribie freilich, ist doch auch der Recycling-Weltmeister bisweilen der Versuchung erlegen, mehr in die bisherige Gelbe Tonne zu kippen als eigentlich zulässig.

Ein Jahr auf Probe

Derlei adaptiertes Verhaltensmuster muss ab dem kommenden Jahr keineswegs über Bord geworfen werden. Ganz im Gegenteil: So dürfen die (unfreiwilligen), bereits informierten Teilnehmer in den genannten Stadtteilen während einer einjährigen Probephase offiziell und legal auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“ in Tonne und Container entsorgen, im Klartext: Kunststoffe und Metalle, die nicht den für die Gelbe Tonne reservierten Grünen Punkt (duales System) tragen.

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ESO-Sprecher Oliver Gaksch erläutert: „Wir haben uns für zwei Stadtteile entschieden mit unterschiedlichen Einwohnerstrukturen, vom Einfamilienhaus bis zu innerstädtischen Hochhausbebauung, so dass wir uns Ergebnisse erhoffen, die für die gesamte Stadt repräsentativ sind.“ Grundlage für den Test ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz, welches im vergangenen Juni in Kraft trat. Der ESO hofft in interkommunaler Zusammenarbeit mit Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden und den Landkreisen Main-Taunus und Hochtaunus Erkenntnisse, wie sich die Abfallmengen entwickeln und zusammensetzen sowie Aufschluss über die Sortier- und Verwertungsfähigkeiten der gesammelten Wertstoffe. Alle Partner werden die gewonnen Erfahrungen miteinander austauschen und arbeiten eng zusammen.

Nicht noch eine weitere Tonne

Wer nun schon stöhnend seinen sorgsam gepflegten Vorgarten unter Mülltonnen begraben sieht, dem sei gesagt: Es bleibt bei der bisherigen Anzahl an Behältern, um, wie ESO-Sprecher Gaksch betont, „den Haushalten nicht noch eine weitere Tonne zuzumuten“. So wird schlicht die Gelbe Tonne zur neuen Wertstofftonne, gekennzeichnet mit einem speziellen Aufkleber, der noch einmal sichtbar darstellt, was alles rein darf. „Unterm Strich gehen wir davon aus, dass es für die Haushalte einfacher wird. Auch ist zu erwarten, dass viele Wertstoffe einer geeigneteren Verwertung zugeführt werden. Vieles ist bisher im Restabfall gelandet. Auch aus ökologischen Gründen ist das also ein Schritt in die richtige Richtung.“

Die bisherige Abfuhr im vierwöchentlichen Rhythmus bleibt ebenfalls unverändert. Bei Bedarf kann jedoch ein größerer oder zusätzlicher, kostenloser Behälter geordert werden. Ob tatsächlich mehr Müll anfällt als bisher, bleibt abzuwarten. Nach der Auswertung aller Ergebnisse wird in einem Jahr entschieden, ob und wie es weitergeht.

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