Schattenspielsammlung im Ledermuseum wiedereröffnet

Wertvolle Figuren aus getrockneter Eselshaut

Eine chinesische Richterszene Foto: DLM

Offenbach (mad) - Nach einer Umbaupause ist gestern im Deutschen Ledermuseum (DLM) die Schattenspielsammlung, die europaweit größte Kollektion von orientalischen und ostasiatischen Figurinen wiedereröffnet worden.

Zu den Schätzen im DLM zählen die weit über tausend Schattenspielfigurinen des Spielsatzes des Kaisers Qianlong, der zu prunkvollen Aufführungen anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahre 1790 verwendet wurde. Etwas jünger sind die über zweitausend Exponate des mandschurischen Prinzen Zai Ying. Der Sturz der Qin-Dynastie 1911 entzog auch dem Adel und den professionellen Schattenspielerensembles die Lebensgrundlage. So gelangten diese Spielsätze in den Handel und wurden Anfang der 1930er Jahre dem Ledermuseum angeboten - denn sie bestehen aus getrockneter Rohhaut des Esels.

Das DLM nahm die Wiedereröffnung der beliebten Abteilung zum Anlass, einige Bereiche zu ergänzen, die bisher nicht in wünschenswerter Weise präsent waren. Hinzu gekommen sind so unter anderem vier Bildschirme mit künstlerisch anspruchsvollen Figuren aus der chinesischen Provinz Shaanxi, die bislang im Magazin des DLM schlummerten.

Das für die Offenbacher Sammlung wichtige Segment des türkischen Schattentheaters konnte um drei Bildschirme erweitert werden. Die Figurinen sind in der Art einer traditionellen Bühne angeordnet und lassen den üblichen Beginn einer Vorführung erkennen.

Ein besonderes Angebot der Wiedereröffnung ist neben der permanenten Präsentation im zweiten Obergeschoss eine Sonderausstellung mit dem Titel „ Die Sprache der bunten Schatten“. Hier sind Bildschirme ausgewählt, die zuvor schon in einer Wanderausstellung des DLM gezeigt wurden.

Eine große Weltkarte zeigt und kommentiert zudem die Verbreitung und Geschichte des Schattentheaters.

Das asiatische Schattenspieltheater galt als wichtiges Medium der Kommunikation. Zu Zeremonien bei Hochzeiten oder Beisetzungen wurden nächtelang Szenen aus indischen Epen, chinesische Märchen und türkische „Kasperl“-Stücke aufgeführt - Dramen und Liebesgeschichten für Königshöfe oder für die ganze Familie.

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