Der Strahlung auf der Spur

Wetterdienst überwacht auch Radioaktivität in der Atmosphäre

+
Auch das gibt es beim Wetterdienst an der Frankfurter Straße: Mitarbeiterin Nicole Hermann im Labor, das der Überwachung der Radioaktivität dient.

Offenbach - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist nicht nur fürs Klima da. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wird von Offenbach aus auch die Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag überwacht. Und das seit 60 Jahren schon. Diese Teilaufgabe war deshalb zentrales Thema beim gestrigen Jahresempfang des DWD. Von Matthias Dahmer 

Tschernobyl und Fukushima – zwei Städtenamen, die sich als Synonym für die Gefahren der Atomkraft ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben. Ohne den DWD wären Daten zu den Auswirkungen dieser Katastrophen auf Deutschland nicht denkbar.

Tschernobyl, 26. April, 1986. Der GAU in der Ukraine war so etwas wie die Bewährungprobe für die Strahlendetektive aus Offenbach. Alleine der DWD war in der Lage vorherzusagen, wie viel Radioaktivität der Wind ins mehr als 1000 Kilometer entfernte Deutschland treibt, nur die Überwacher vom Wetterdienst konnten damals eine aktuelle Übersicht über die flächendeckende Belastung der Republik erstellen. In Folge von Tschernobyl wurde das vom DWD betriebene bundesweite Messnetz für Radioaktivität von zwölf auf 48 Stationen ausgeweitet.

Alles zum Wetterdienst lesen Sie auf der Themenseite.

Für Professor Gerhard Adrain, den Präsidenten des DWD, steht unter anderem deshalb fest: „Die Radioaktivitätsüberwachung gehört zu den wichtigsten Vorsorgeeinrichtungen in Deutschland.“ Antrieb für die kontinuierliche Überwachung der Atmosphäre auf Radioaktivität waren die Kernwaffenversuche der Großmächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Aufgabe wurde 1955 dem drei Jahre zuvor gegründeten DWD zugeteilt. Mittlerweile sind insgesamt 68 Mitarbeiter mit der Überwachung beschäftigt: 20 in Offenbach und jeweils einer in den 48 den Mess-Stationen. Die Daten, erläutert Dr. Thomas Steinkopff. der Leiter der Radioaktivitätsüberwachung, gehen zur weiteren Bewertung und Nutzung an die Experten spezialisierter Bundesbehörden. Die Aufgabenteilung ist dabei eine strikte: So darf der DWD die radioaktive Belastung zwar messen. Die Befugnis, sie auch zu bewerten, also zu sagen, ob es für die Bevölkerung gefährlich ist, hat er nicht. Das obliegt dem Bundesamt für Strahlenschutz, dem der DWD täglich die Daten übermittelt.

1,2 Millionen Euro lässt sich die Bundesbehörde die hochtechnisierte Strahlenüberwachung im Jahr kosten. Dabei, erläutert Steinkopff, geht es mittlerweile fast ausschließlich um die natürliche, auf der Erde vorhandene Strahlung. Künstliche, wie in den 60er-Jahren nach den Nukleartests oder später nach den großen Reaktorunfällen, spielt keine Rolle mehr. Und ein deutsches Atomkraftwerk sei bislang nie Grund für erhöhte Messwerte gewesen, versichert der Chef der Überwachung.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

Im Gegensatz zu Tschernobyl hatte der Reaktorunfall 2011 im japanischen Fukushima für Deutschland keine Strahlenbelastung zur Folge. Die Belastung habe nur ein Tausendstel dessen betragen, was nach der Katasstrophe in der Ukraine gemessen worden sei. Und die ohnehin niedrige Nachweisgrenze sei vor vier Jahren kaum überschritten worden.

Die auf der Internetseite des DWD damals veröffentlichten Werte, berichtet, Hans-Joachim Koppert. Leiter der Wettervorhersage, seien insbesondere in Japan dankend genutzt worden. Der dortige Wetterdienst habe sich mit seinen Veröffentlichungen eher zurückgehalten. Weil der Katastrophenfall zum Glück nicht die Regel ist, muss er regelmäßig geprobt werden. Um gerüstet zu sein, so Koppert, simuliere man monatlich Störfälle. Die Daten stehen nach einem Probe- GAU ziemlich schnell zu Verfügung. So habe man etwa nach einem angenommenen Unfall im französischen Kernkraftwerk Cattenom nach 15 bis 20 Minuten alle erforderlichen Informationen auf den Rechnern.

Mehr zum Thema

Kommentare