Tag der offenen Tür beim Wetterdienst

+
Meteorologische Messinstrumente jeder Art präsentierten Mitarbeiter und Angestellte in und an der Zentrale des Deutschen Wetterdienstes.

Offenbach - Im Jahr seiner Gründung 1952 hatte wohl niemand damit gerechnet, dass ein „nationaler meteorologischer Dienst der Bundesrepublik Deutschland“ einmal Tausende von Bürgern mobilisieren würde, um sich mit dessen Arbeit vertraut zu machen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Genau das hat der moderne Deutsche Wetterdienst (DWD) 60 Jahre nach seiner Gründung nun bereits zum zweiten Mal geschafft: Rund 2700 Besucher lockt der Tag der offenen Tür am Samstag wieder in die Frankfurter Straße. Damit ist die Resonanz zwar halb so groß wie vor drei Jahren – damals gab es bei der Vorstellung der neuen Zentrale des DWD teilweise kein Durchkommen mehr –, das Interesse ist aber auch dieses Mal wieder riesengroß.

Wer bei den teils halbstündlich angebotenen Führungen dabei sein möchte, muss eine Stunde vor Beginn eine Einlasskarte ergattern. Die Folge: Ab der Mittagszeit bilden sich lange Schlangen vor allen Ausgabeständen. Wer das Meteorologische Rechenzentrum, die Vorhersagezentrale oder den nicht frei zugänglichen Teil der Deutschen Meteorologischen Bibliothek sehen möchte, braucht zunächst einmal Geduld. Neu dabei sind in diesem Jahr auch zwei Kunstführungen – hier sind aufgekaufte Exponate der regelmäßig stattfindenden Kunstausstellungen zu entdecken.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, der besucht die im Halbstundentakt angebotenen Vorträge im Konferenzbereich. Von der Entstehung einer Wettervorhersage über das Warnmanagement bis hin zum Geoinformationsdienst der Bundeswehr hat der Besucher zwischen 14 Themen die Qual der Wahl. Eine kleine Ruheoase im Getümmel findet sich in der Bücherei, eine der größten Fachbibliotheken weltweit.

Bilder vom Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst

Ihr historischer Bestand reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Hier findet der Interessierte originale Schiffstagebücher und handgeschriebene Wetteraufzeichnungen ab 1829 aus dem Seewetteramt Hamburg in Sütterlin-Schrift, „Hundertjährige“ Hauskalender und alte Messinstrumente wie Ballontheodoliten zur Bestimmung von Windrichtung und -geschwindigkeit.

Das Hauptaufgabengebiet des DWD ist damals wie heute gleich geblieben: Warnung vor Unwettern und eine zuverlässige Wetterprognose. Dass Beides im Lauf der Jahre immer zuverlässiger geworden ist, bestätigen nicht nur die Messdaten: „Eure Vorhersagen sind besser geworden!“, ist ein Satz, den Uwe Kirsche, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, häufig zu hören bekommt.

Muss ja auch, denn die vollgestopften 1000 Quadratmeter Rechnerräume brauchen schließlich ihre Daseinsberechtigung. Die Leistungen ihrer Insassen haben den Energieverbrauch einer Kleinstadt, ein Schwungrad und drei große Dieselgeneratoren sorgen bei Stromausfall für reibungslose Weiterarbeit. Ihre Leistung wird in „Floating Point Operations“ (FLOPs) pro Sekunde gemessen und steigerte sich von einer halben Million Multiplikationen im Jahr 1966 auf fast unglaubliche 76 Milliarden in 2011. Kirsche hat eine simple Erklärung für den Datenwust: „Je mehr Zahlen man hat, desto besser kann man in die Zukunft rechnen. Der DWD ist eine Datenkrake, die sich permanent Daten einverleibt.“ Für das menschliche Gehirn nicht mehr fassbar: Fünf Millionen Datensätze aus aller Welt gehen hier täglich ein.

Mehrere Ausstellungen zu den verschiedenen Aufgabenbereichen des DWD zeigen, was man mit diesen Fakten so alles berechnen, darstellen und prognostizieren kann. Wie diese erfasst werden, erklären die Mitarbeiter (120 der 900 vor Ort Beschäftigten sind am Tag der offenen Tür im Einsatz) im Außenbereich in zwei Zelten und einer mobilen Messstation. Messnetze und verschiedene Instrumente wie Radiosonden, die an den berühmten Wetterballonen hängen und drahtlos an die Bodenstation senden, können aus nächster Nähe unter die Lupe genommen werden. Wer diese funktionierend sehen möchte und noch einen Platz ergattern konnte, fährt mit dem stündlich pendelnden NiO-Bus zum Wetterpark.

48 Messstellen allein in Deutschland

Auf großes Interesse, bedingt auch durch das Reaktorunglück von Fukushima, stößt unter anderem der Stand zur Messung von Radioaktivität in der Luft, die der DWD mit Hilfe von 48 Messstellen allein in Deutschland gewährleistet. Ein Geigerzähler piepst und piepst und Gabriele Frank von der Abteilung Technische Infrastruktur demonstriert auf diese Weise, dass „Radioaktivität überall in unserer Umwelt vorkommt“. Für die kleinen Wetterforscher ist diese unsichtbare Strahlung noch weniger greifbar als für Erwachsene. Damit auch sie gut beschäftigt sind, gibt es ein eigenes Kinderprogramm mit Zauberclown Captain Balloon, Basteleien rund ums Wetter und einem im medialen Zeitalter wichtigen Vortrag: „Ist Wettervorhersage ein Computerspiel?“

Zwei Jazzbands sorgen im überdachten Außenbereich für Abwechslung, die Kantine für die nötige Stärkung. Fazit: Auch dieser Tag der offenen Tür ist trotz Regenwetters wieder ein voller Erfolg für die Behörde. Das beweisen neben den Besucherzahlen die zahlreich und meist positiv ausgefüllten Feedback-Bögen, deren Adressaten an der Tombola teilnehmen. Haupttreffer unter 50 Preisen: eine exklusive Führung für zwölf Personen, die sonst nur bestimmten Zielgruppen vorbehalten ist.

Kommentare