Wetterpark-Besucherzentrum ausgezeichnet

Gefährdete Flatterwesen

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Einladende Plakette: Umweltamtschefin Heike Hollerbach und NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler an den Fledermaus-Eingängen im Besucherzentrum.

Offenbach - Als Fledermaus muss man nicht meckern: Für die Unterordnung der Fledertiere hat sich die 1,25-Millionen-Investition von Stadt und Regionalpark GmbH auf dem Buchhügel gelohnt. Von Thomas Kirstein 

Bietet das im Juli eingeweihte Besucherzentrum doch hochmoderne Unterkünfte in fast futuristischer Architektur. Noch zweifelnde Zwerg-, Rauhaut- und Breitflügelfledermäuse, aber auch der Große Abendsegler werden demnächst zudem von einer an der Wand angebrachten Plakette überzeugt, sich in Offenbach anzusiedeln oder wenigstens Station einzulegen: Hier sind sie willkommen, lautet die Botschaft. Die bewusste Vorsorge, von außen erkennbar an rechteckigen Einflugscharten in luftiger Höhe, hat zweibeinige Anerkennung: Der Naturschutzbund (NABU) Hessen verlieh dem Zentrum das bislang 850 Mal verliehene Prädikat „Fledermausfreundliches Haus“.

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Bei der Übergabe gestern Morgen fehlen zwangsläufig die nachtaktiven Profiteure der Einrichtung. In erster Linie sollen die in die Fassade eingelassenen Kästen als Sommerquartier dienen. Der örtliche NABU-Mann Hans Schwarting weiß aber, dass sich die kleinen Säuger im Herbst paaren und durchaus auch auf dem Buchhügel überwintern könnten. NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler betont bei der Verleihung gestern Morgen den Zusammenhang von Klimawandel und Artenvielfalt, dankt der Offenbacher Servicegesellschaft (OSG) und dem Umweltamt für die bereits bei der Planung des Baus bewiesene Fürsorge.

Führung durch den Wetterpark

Fledermäuse gelten als hochgradig gefährdet, sind wegen rapider Bestandsrückgänge durch drastisch verschlechterte Lebensbedingungen strengstens geschützt. Entgegen mancher landläufigen Meinung haben die schnellen Insektenjäger ihren Unterschlupf nicht nur in Türmen, Höhlen, Grüften oder alten Dachböden. Auch Neubauten sind ihnen genehm – wenn sie denn Zugang zu geschützen Ritzen und Spalten finden dürfen. „Jeder kann etwas tun, um die Fledermäuse zu erhalten“, wirbt NABU-Mann Gerhard Eppler.

Wichtig sind Hohlräume, wie Experte Schwarting erläutert, suchen die fast blinden Flatterer gezielt mit ihrem Ultraschall-Sonar nach Quartieren. Solche anzubieten ist sogar bei einem Zinkblech-Bau wie auf dem Buchhügel kein Problem. Das Friedberger Planungsbüro Naturprofil hat das Frankfurter Architektenbüro Meixner-Schlüter-Wendt beraten. Ergebnis sind sechs Röhren in der Fassade – die ist so glatt, dass Katzen oder Marder an die hoch liegenden Eingänge nicht herankommen. Innen können sich die Fledermäuse bestens an Holzbeton festkrallen.

Skurrile Tier-Entdeckungen

Fotos

Lob vom NABU erfahren stellvertretend OSG-Geschäftsführerin Regina Preis und Umweltamtschefin Heike Hollerbach auch für das fledermausfreundliche Umfeld auf dem Buchhügel. Über die „Eingriff-Ausgleich-Bilanzierung“ für die Wetterpark-Bauten ist Wert auf einladende Flora gelegt worden. Eine artenreiche Blumeneinsaat etwa sorgt für Insektenreichtum – und damit für einen reichgedeckten Fledermaustisch. Heike Hollerbach kündigte an, dass ihr Amt begleitend Vortragsveranstaltungen und Exkursionen anbieten werde.

Am Ende des kleinen Verleihungsakts taucht dann doch noch ein Exemplar der Tiere, um die sich alles dreht, auf. Stadtwerke-Pressemann zieht es aus der Jackentasche, und NABU-Projektleiterin Petra Gatz gelingt spontan die Bestimmung der am Aufhänger baumelnden Fledermaus-Gattung: „Mittelhessisches Schlitzohr.“

Wer sein Anwesen fledermausfreundlich umgestalten möchte, findet im Internet Informationen unter www.nabu-hessen.de; Ansprechpartnerin; Ansprechpartnerin: Petra Gatz 06441/6790425

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