Weihnacht in der Whiskykiste

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Anita Kremer hat Krippen aus Privatbesitz für eine weihnachtliche Ausstellung zusammengetragen.

Offenbach ‐ Keramik, Alabaster, Ebenholz, Stroh: Bereits die Materialvielfalt lässt ahnen, wie unterschiedlich die Darstellungen von Christis Geburt sind, die Anita Kremer für ihre Krippenausstellung zusammengetragen hat, die am Sonntag um 15 Uhr im Haus der Stadtgeschichte eröffnet wird. Von Simone Weil

Wieder einmal hat die ehrenamtliche Ausstellungsmacherin, die vielen auch als Stadt- und Gästeführerin bekannt ist, Bürger um Unterstützung und vor allem um private Leihgaben gebeten: Weihnachtskrippen bleiben meist lange erhalten, überstehen manchmal auch mehrere Generationen und sind häufig mit vielen Anekdoten verbunden, vor allem, wenn sie selbst gemacht sind. Deshalb ranken sich meist Erinnerungen an Kindheit und Jugend um sie. Anita Kremer haben es just diese Geschichten angetan, mit denen sie auch diesmal wieder ihre Führungen im Haus an der Herrnstraße 61 anfüttern wird.

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Mit ihrer Ausbeute ist sie sehr zufrieden. Glücklich und dankbar ist sie vor allem darüber, dass ihr die Offenbacher immer wieder so viel Vertrauen entgegenbringen und sich vorübergehend von lieb gewordenen Stücken trennen, die in diesem Jahr nun nicht unterm Christbaum (wie Kerzenwachs auf einem Scheunendach beweist), sondern im Museum stehen. So gelangte die Ausstellungsmacherin auch an eine Krippe, die ihr Ingrid Sittler zur Verfügung gestellt hat. Die kleine Laubsägearbeit mit Palmen bringt viel Lokalkolorit mit: Die heutige Besitzerin entdeckte die Arbeit bei der Schwiegermutter auf dem Dachboden, rettete sie davor, im Müll zu verschwinden und hält sie seitdem in Ehren.

Inzwischen weiß sie einiges über das gute Stück, das in der früheren Kolonie Deutsch-Ostafrika aus einer Whisky-Kiste entstanden ist. Millie, die Gattin von Theo Ripper, der für die Offenbacher Lederwarenfabrik Oswald Rügner am Victoriasee in Tansania die Versorgung mit Reptilhäuten sicherte, hatte die Krippe im Zweiten Weltkrieg gebastelt. „Sie hat keinen materiellen Wert, aber sie steht sonst jedes Jahr unterm Weihnachtsbaum“, sagt die Leihgeberin.

Pop-up-Karten ebenso zu sehen wie Ebenholzfiguren

Auch andere Objekte der Schau sind sehenswert: etwa die figürliche Darstellung aus Stroh, die sehr reduziert, aber gelungen ist, oder die klitzekleinen Zinnpersonen, die in einer getrockneten Fruchtkapsel liegen und aus Teneriffa mitgebracht wurden. Pop-up-Karten mit Bildern von Maria, Josef, Christuskind und der dazugehörigen Schar sind ebenso zu sehen, wie kostbare Ebenholzfiguren oder ein kleines Alabasterei, das eben nur die Hauptpersonen enthält.

Ganz entzückend ist auch die getöpferte Keramikkrippe mit kugelrunden Figürchen und bunten Farbtupfern. Viele Behausungen sind beleuchtet. Einige sind so groß, dass richtig mit ihnen gespielt werden konnte - auch wenn dabei in die traditionelle Weihnachtsgeschichte mal Indianer eingebaut wurden, wie Anita Kremer im Gespräch erfuhr. Eine erste Führung um 15.30 Uhr schließt sich an die Eröffnung am Sonntag an, eine zweite findet am Sonntag, 13. Dezember, 11 Uhr, statt. Auf Anregung der Ausstellungsinitiatorin ist das Museum am Samstag, 26. Dezember, von 14 bis 18 Uhr, erstmals Station der Krippenwanderung, die von der evangelischen Friedenskirchengemeinde organisiert wird. Zwischen 15 und 16 Uhr spielen Barbara Hentschl und Ehemann Thomas Weihnachtsmelodien.

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