„WHO-Entscheidung beeinflusst“

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Anke Martiny

Offenbach ‐ Mit Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, sprach Peter Schulte-Holtey.

Glauben Sie, dass an Anschuldigungen zur Einflussnahme von Pharmafirmen auf WHO-Voten zum Umgang mit der Schweinegrippe-Pandemie etwas dran ist?

Durch genaues Zeitunglesen musste man zu dem Ergebnis kommen, dass von Anfang an die Entscheidung der WHO von Wirtschaftsinteressen beeinflusst und von Gesundheitserfordernissen nicht gedeckt war. Dazu gab es schon im April letzten Jahres zu viel Kritik von wissenschaftlicher Seite und sehr deutliche Hinweise auf eine interessengeleitete Vorbereitung der WHO-Entscheidung durch die Vogelgrippe/Tamiflu - Ereignisse in den Jahren davor.

Sind Reformen in der WHO und bei der Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut notwendig?

Ja! So weit irgend möglich, müssen in beiden Organisationen Interessenkonflikte offen gelegt werden. Sollten diese bei Entscheidungen Zweifel an der Objektivität der Entscheidung begründen, muss der Entscheidungsgang dokumentiert werden, so dass er wissenschaftlich nachprüfbar wird. Schließlich: Es darf keine Vorschrift geben, dass Sitzungsergebnisse von so folgenschwerer Tragweite der Verschwiegenheit unterliegen.

Das Gesundheitswesen ist ein Haifischbecken. Wo sollte die Politik in Deutschland zuerst ansetzen, um Bürger bzw. Patienten besser zu schützen - aufzuklären über tatsächliche Gefahren?

Drei Dinge: 1. Es geht nicht an, dass über die Arzneimittelpreise die dubiosen Marketingpraktiken der Pharmaindustrie von den Versicherten bezahlt werden. Gäbe es keine Ärztemuster, keine Geschenke an niedergelassene Ärzte, keine Anwendungsbeobachtungen, keine verschwenderischen Kongresse und sogenannten „Fortbildungen“, könnten überflüssige und zu teure Behandlungen unterbleiben und unser Gesundheitssystem wäre weniger teuer und trotzdem leistungsfähig. 2. Die Ärzte und ihre Körperschaften müssen von den für ihre Beaufsichtigung zuständigen Länderministerien dazu ermutigt werden, „schwarze Schafe“ in ihren Reihen zu identifizieren, denn ihr wichtigstes Kapital ist das Vertrauen ihrer Patienten. 3. Es muss zentrale Institutionen geben, von denen alle Versicherten und Patienten wissen und die mittels anonymer Hotline und direkter Telefonauskunft für Beschwerden, Aufklärung und Schutz vor Gefahren erreichbar sind.

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