Wichtig ist der Respekt

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Das „Martinsbrot“ der Italienischen Katholischen Gemeinde bereiten jeden Dienstag und Donnerstag freiwillige Helfer vor: Hier kochen (von links) Marij, Giuseppa und Irmgard.

Offenbach - Alles begann an einem Martinstag vor mehr als 15 Jahren. Die Kinder der Italienischen Katholischen Gemeinde stürmten mit ihren Laternen in das Gebäude an der Rathenaustraße und wollten die Geschichte von St. Martin hören. Von Karen Gross

Da kam den Gemeindemitgliedern um Pfarrer Paolo Manfredi eine Idee: Sie forderten die Kinder auf, es dem Heiligen nachzutun und ihren Wohlstand mit den Armen zu teilen. So eilten die Kleinen nach Hause und brachten von dort einige Lebensmittel herbei, damit diese an Bedürftige verteilt werden konnten. Schließlich kamen oft genug Menschen zu Manfredi, die in finanzieller und materieller Not steckten und um Hilfe baten.

Die spontane Initiative entwickelte sich schnell zu einem festen Angebot für Arme und erhielt den Namen „Martinsbrot“. Jeweils fünf der 30 freiwilligen Helfer um Pfarrer Manfredi kochen aus den Lebensmittelspenden eine gesunde Mahlzeit und bewirten zweimal wöchentlich zwischen 50 und 80 Menschen. Von März bis November bekommen sie dienstags und donnerstags ein kostenloses Abendessen im Gemeindesaal an der Rathenaustraße.

Außer der Mahlzeit gibt es auch ein offenes Ohr für Probleme und Raum für Kontakte, denn Armut und Isolation gehen meist Hand in Hand. Zum Teil haben sich schon feste Grüppchen gebildet, die geschlossen zum Essen erscheinen. Die freiwilligen Helfer unterstützen Hilfesuchende aber auch, wenn es um Formalitäten oder einen Gang zum Amt geht.

Ob die Besucher bedürftig sind oder nicht, wird in der Italienischen Katholischen Gemeinde nicht überprüft. Manfredi: „Unsere Tür steht jedem offen. Aber wir haben den Eindruck, dass die meisten auf das Angebot stark angewiesen sind.“

Rahmen für erste Kontakte mit dem Glauben

Das gemeinsame Speisen beginnt traditionell mit einem Gebet. Die Tür zur kleinen Kapelle der Gemeinde steht während des Abendessens offen. Manfredi hat beobachtet, dass einige Besucher den hell erleuchteten Raum betreten und sich umschauen. Manche fragen, was es etwa mit den Palmzweigen auf sich hat, die in der Weihnachtszeit auf dem Altar liegen. Manfredi glaubt: „Manch einer interessiert sich ernsthaft für unsere Religion. Wir bieten deshalb den Rahmen für erste Kontakte mit dem Glauben.“

Schon längst sorgen nicht ausschließlich die Kinder der Gemeinde für die nötigen Zutaten des „Martinsbrots“. Stattdessen spenden verschiedene italienische Händler aus der Region Lebensmittel. Die Bäckerei Ködel aus der Senefelderstraße versorgt die Katholiken mit Backwaren, die übrig geblieben sind.

Für Fernanda Ködel ist das eine Selbstverständlichkeit. Deshalb unterstützt sie auch das so genannte „Donnerstagsfrühstück“ in der Gemeinde St. Paul an der Kaiserstraße. Die Initiative, die ebenfalls von März bis November angeboten wird, wurde vor elf Jahren von Maria Bedel ins Leben gerufen. Einmal wöchentlich decken weitere neun Freiwillige den Frühstückstisch für sozial Schwache.

Respekt und ein Stück Normalität

Wer die beiden Hilfsaktionen unterstützen will, kann mit Geldspenden helfen:

Italienische Katholische Gemeinde, Sparkasse Offenbach, BLZ 50550020, Konto 0002267934, Stichwort „Martinsbrot“.

St. Paul, Empfänger: „Pfarrcaritas“, Frankfurter Volksbank, BLZ 50190000, Konto 4201760254, Stichwort „Donnerstags-Frühstück“.

Wie beim „Martinsbrot“ finden diese dort nicht nur Kaffee, Brot, Brötchen und Plunder vor, sondern auch vor allem Respekt und ein Stück Normalität. Das Angebot wird äußerst dankbar angenommen: Zwischen 40 und 60 Leute kommen jedes Mal nach St. Paul. Darunter sind auch viele, die Bedel zufolge ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und dennoch kaum mit ihrer kleinen Rente auskommen. Über diesen Zustand ist die Initiatorin der Hilfsaktion sichtlich empört: „Die Gesellschaft muss ihre Mitglieder auch im Alter besser absichern.“ Auffällig sei außerdem, dass seit der Einführung von Hartz IV viel mehr Menschen auf karitative Angebote angewiesen seien. „Die soziale Armut hat auf jeden Fall stark zugenommen.“

Mit ihrem Engagement versuchen die Italienische Katholische Gemeinde und St. Paul den Kontakt zu den Menschen zu halten, die während des Winters regelmäßige Tischgäste bei „Essen und Wärme“ sind. Die Ökumenische Initiative Soziale Not in Offenbach lädt die Bedürftigen in Offenbach seit 16 Jahren ein. Denn das warme Mittagessen, das zehn Innenstadtgemeinden in enger Zusammenarbeit organisieren, macht während der Sommermonate Pause. Herzlichkeit, Aufmerksamkeit und Respekt aber braucht der Mensch das ganze Jahr über.

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