Auftaktfeier der Offenbacher Kreativen

Wichtiger Faktor für Wirtschaft

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Oberbürgermeister Horst Schneider, Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Jürgen Amberger, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, genehmigen sich bei beim Empfang der Offenbacher Kreativwirtschaft ein leckeres Stück „Kreativkonzentrat“.  

Offenbach - Zum vierten Mal lud die Offenbacher Kreativwirtschaft zum Frühjahrsempfang ins Gründerzentrum Ostpol. Gastredner war Hessens neuer Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Der Offenbacher lobte die hiesige Kreativszene als vorbildlich für ganz Hessen. Von Veronika Schade 

Und doch verschwieg er die Probleme der Stadt nicht. Erfolgsmodell Offenbach? Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir setzt das Fragezeichen bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte ganz bewusst: Denn so gern sich die Stadt mit dem Attribut „Kreativstadt“ schmückt, aus wirtschaftlicher Sicht bleibt sie ein Sorgenkind. „Offenbach ist Wachstumsschlusslicht in Hessen, hinkt sogar Kassel hinterher“, gibt er bei der vierten Auftaktveranstaltung der Offenbacher Kreativwirtschaft im Gründerzentrum Ostpol vor zirka 200 Zuhörern aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu bedenken.

Grund ist der umwälzende Strukturwandel der Stadt, der sie zwingt, sich neu zu positionieren. An dieser Stelle kommen die Kreativen ins Spiel. „Offenbach kann aus der Krise eine Chance machen“, so Al-Wazir. „Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Faktor, der mehr ausmacht, als man denkt.“ Er hat Zahlen aus seinem Ministerium mitgebracht: 2013 gab es in Offenbach 1600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Kreativszene, also Kunst, Film, Theater und dergleichen. Mehr als 50 Prozent der Kreativen in Offenbach seien Ein-Mann-Betriebe. Demnach könne von 4000 bis 6000 Beschäftigten ausgegangen werden. „2011 haben die Offenbacher Kreativen einen Umsatz von 292 Millionen Euro erwirtschaftet“, berichtet der Grüne.

Die Stadt hat bereits 2007 bei einer Untersuchung den Nutzen der Kreativwirtschaft erkannt, fördert sie seit 2008 intensiv. Eine wesentliche Anlaufstelle ist neben der Hochschule für Gestaltung das Gründerzentrum Ostpol an der Hermann-Steinhäuser-Straße. Dort treffen kreative Köpfe aufeinander, bilden Netzwerke, entwickeln Ideen. Der sogenannte Mikrokredit für junge Existenzgründer wurde im Ostpol erfunden. „Inzwischen hat das Land Hessen diese Idee von Offenbach übernommen“, freut sich Al-Wazir und stellt dem Publikum eine seiner ersten Amtshandlungen vor: Er schuf im Wirtschaftsministerium ein eigenes Referat für Kreativwirtschaft.

„Wir setzen auf die Zusammenarbeit mit den Kreativen“, erklärt er. „Gemeinsam wollen wir Angebote prüfen oder neu gestalten.“ Ein Thema sei, eine hessenweite Marke für Kreative zu schaffen. Das Ministerium werde Mittel für die lokale Ökonomie einsetzen. „Aber leider kann nicht alles Geld nach Offenbach fließen – auch wenn das Horst gefallen würde“, sagt der Minister, selbst Offenbacher, in Richtung Oberbürgermeister Schneider.

In den vergangenen Jahren habe Offenbach positive Veränderungen durchgemacht, die der Kreativszene zu verdanken seien – und der Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung. „Das kreative Milieu hat sich verdichtet. Man ist schnell bei Entscheidungen“, lobt Al-Wazir. Die HfG sei mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil der Stadt. Im Nordend habe sich viel verändert, sei es am Hafen oder in der Heyne-Fabrik. Auch temporäre Nutzungen brächten gute Impulse mit sich. „Mit Begeisterung habe ich von den Plänen für die ehemalige Zollverwaltung gelesen“, so der Politiker. An den Büros und Ateliers zeigten auch viele Frankfurter Interesse. „Das beste Denken lohnt sich nicht, wenn es an der Stadtgrenze aufhört“, betont Al-Wazir. Die überregionale Vernetzung sei ausschlaggebend für den Erfolg, die Zukunft für Kreative liege in der Zusammenarbeit in der Metropolregion Rhein-Main.

Um dennoch gerade Offenbach stets vor Augen zu behalten, bekommt der Gastredner von den Ausrichtern des Abends ein spezielles, eigens gefertigtes Geschenk überreicht – einen 3D-Plastikdruck, auf dem sich das Offenbacher Wappen mit dem hessischen Löwen vereint. Idee und Umsetzung stammt von Wolfgang Henseler, Chef der an der Ludwigstraße ansässigen Firma Sensory-Minds und ehemaliger HfG-Student – ein Paradebeispiel für Offenbacher Kreativwirtschaft, wie sich die Verantwortlichen noch viel mehr davon wünschen.

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