Mitsprache von Bürgern erwünscht

Masterplan: Wider das schlechte Image

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Offenbach inmitten der Metropolregion Rhein-Main: Wo liegt die Zukunft für die frühere Industriestadt?

Offenbach - Beim Masterplan für Offenbach ist die Mitsprache von Bürgern ausdrücklich erwünscht. Einer, der sich engagiert, ist der Friseurmeister Peter Caligari. Seine Gründe erläutert er im Gespräch. Von Markus Terharn 

Etwa 50 bis 60 Interessenten kamen dieser Tage zu einem Gespräch über den in Vorbereitung befindlichen Masterplan in die ehemalige Hassia-Fabrik. Unter denen, die sich in die Diskussion um Offenbachs Zukunft einbrachten, war auch Peter Caligari. Mit der Resonanz auf das Treffen zeigt sich der Friseurmeister zufrieden, er macht indes eine kleine Einschränkung: „Ich hätte gern Leute gesehen, die sich sonst nicht beteiligen... “

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Zu seiner eigenen Motivation sagt Caligari: „Ich muss mich einmischen! Und ich wünsche mir, dass viel mehr das machen.“ Es gebe in Offenbach grundsätzlich zwei Möglichkeiten: „Entweder man akzeptiert den Ist-Zustand mit allem Drum und Dran und sagt, im Vergleich mit Frankfurt können wir sowieso nichts ausrichten. Oder man sagt: Wir müssen unser ökonomisches und ökologisches Potenzial nutzen!“ Caligari ist überzeugt: „Der Standort verschafft uns eine einzigartige Stellung im Rhein-Main-Gebiet.“ Um diese zu nutzen, ist er Vorstandsmitglied im Verein Offenbach offensiv, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Zukunft der Stadt zu entwickeln.

Zug um Zug umsetzen

Er erlebe es oft, dass sich Fremde über die zahlreichen Ein-Euro-Läden beklagten. Abhilfe sei nur mit Politik und Wirtschaft gemeinsam möglich, ohne Eitelkeiten – und Zug um Zug in vielleicht 15 Jahren umzusetzen. Die Erreichbarkeit der City mit dem Auto hält Caligari dabei für unabdingbar. „Ich bin aber kein Feind von Radwegen und Fußgängerzonen.“ Voraussetzung sei die Aufarbeitung der Vergangenheit. Aus den gewonnenen Erkenntnissen gelte es eine Vision zu entwickeln. Schönreden nütze nichts. „Wir wollen eine andere Richtung“, fordert Caligari und verweist auf Langen, Egelsbach, Mühlheim oder den Kreis, wo es besser laufe. „Da muss Offenbach mitschwimmen.“ Für das Hauptproblem hält Caligari das schlechte Image. „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten bei Menschen, die damit leben können und wollen.“ Für diese müssten Wohnraum und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Da sich die Bevölkerung – oft mit Sozialleistungsbezug oder Migrationshintergrund – nicht ändern lasse, müsse man sie beim Masterplan-Prozess mitnehmen, ist Caligaris Credo. „Wir müssen ein Wir-Gefühl bekommen. Dann hat die Stadt gute Chancen, sich in der Region einen eigenständigen Platz zu schaffen, selbstbewusst zu sein.“

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Dafür kämpfe er auch mit dem Hessischen Rundfunk, versichert Caligari. Und zwar um den Zusatz „am Main“ hinter dem Namen „Offenbach“. Es sei eine kleine Marketing-Facette, die auf keiner Visitenkarte fehlen dürfe. Was Caligari richtig aufregt, ist die Bezeichnung „Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main“. Das sagten nur Offenbacher. Unterwerfung bringe nichts: „Nur als gleichberechtigte Partner kann man etwas erreichen.“

Caligari nimmt für sich in Anspruch, nicht bloß seine Ansicht zu vertreten. „Ich habe ein Allensbach-Institut im Friseursalon“, scherzt er. Viele Kunden sähen die Dinge genauso wie er. Und er habe die Erfahrung gemacht, dass vom Schimpfen nichts besser werde. Optimistisches Schlusswort: „Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer!“

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