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Wie aus zwei Studienkollegen echte Unternehmer wurden

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Von: Julius Fastnacht

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An Offenbach schätzen sie das Netzwerk und die kurzen Wege: Martin Kroll (links) und Martin Morrás Ganskow.
An Offenbach schätzen sie das Netzwerk und die kurzen Wege: Martin Kroll (links) und Martin Morrás Ganskow. © Patrick Scheiber

Das Offenbacher Start-up Gøld’s versorgt fast 400 Barber-Shops mit Haar- und Hautpflege-Produkten. Dabei war der Weg in die Selbstständigkeit der beiden Studienkollegen fast ein Zufall.

Offenbach - Martin Kroll sitzt im schwarzen Friseurstuhl und lehnt sich zurück. Der Barber von Noja in der Bieberer Straße öffnet eine dunkle Ampulle und träufelt sich die Tinktur auf die Fingerspitzen. Dann massiert er sie in Krolls Bart ein. „Wenn ich mir einen längeren Bart stehen lasse, juckt nach einer Weile mein ganzer Hals“, sagt Kroll. Ein Reiz, der ihn und Geschäftspartner Martin Morrás Ganskow so kitzelt, dass die beiden vor acht Jahren die Grund-Mixtur ihres Start-ups zusammenrühren. Das Bartpflege-Öl, das gerade Krolls Gesichtshaare zum Glänzen bringt. Es ist der Markenkern der Offenbacher Firma Gøld’s, die mittlerweile 380 Barber-Shops in ganz Deutschland beliefert und einen Online-Handel aufgebaut hat.

Aus dem Studium direkt in die Selbstständigkeit

Zweimal Glatze, zweimal dunkler Strickpullover, zweimal Bart – Kroll, 34 Jahre, und Morrás, 33 Jahre, kennen sich seit ihrer Kindheit. 2014 studieren die beiden in Aschaffenburg, der eine BWL, der andere Immobilienmanagement. „Damals haben wir unseren Bart wachsen lassen, zum ersten Mal konnten wir das wirklich ausleben“, erzählt Morrás. Dass die borstigen Härchen schnell piksen, stört die beiden, auch ihre Freundinnen. „Wir sind auf die Suche gegangen und haben gemerkt: Eigentlich gibt es nur ein paar Produkte aus den USA, die dagegen helfen. Also dachten wir, wir entwickeln einfach selbst was.“ Die Mutter von Martin Morrás ist Apothekerin, sie gibt Tipps für die Inhaltsstoffe des Pflegemittels, das Feuchtigkeit spenden soll.

Ihr Netzwerk an Barber-Shops haben sich die Männer von Gøld’s vor allem durch persönliche Kontakte aufgebaut.
Ihr Netzwerk an Barber-Shops haben sich die Männer von Gøld’s vor allem durch persönliche Kontakte aufgebaut. © Patrick Scheiber

„Das Ergebnis haben Freunde probiert, wir haben es an der Uni verteilt“. Die Rückmeldung ist so gut, dass sich die beiden denken: Warum nicht gleich ein bisschen größer? „Wir haben 2015 unsere letzten Studentenkröten zusammengekratzt und das Start-up gegründet.“ Nach dem Studium zieht das Duo in eine WG in Offenbach. In der Hassia-Fabrik mietet Gøld’s ein neues Lager an. Bis vergangenen August vertreiben sie von dort ihre Produktpalette, sind aktuell auf der Suche nach einem neuen Standort in Offenbach. Was ihnen an der Stadt so gut gefällt? „Es ist klein, familiär, man hilft sich. Das Netzwerk in Offenbach mag ich so sehr, dass ich es nicht mehr missen möchte“, sagt Morrás. Mittlerweile unterstützen sie andere Jungunternehmer in der Stadt dabei, mit der eigenen Geschäftsidee durchzustarten.

Produkte für alle Männer, die gerne Bart tragen

Neben Morrás und Kroll, die sich selbst als „Muttis für alles“ bezeichnen, hat Gøld’s vier Mitarbeiter angestellt, zuständig für Lager und Versand. Von Bartpflegeprodukten wie Öl, Seife oder Balsam hat die Firma ihr Sortiment über die Jahre erweitert, hin zum umfassenden Angebot für den Barber-Shop. Mittel zum Haarstyling oder eine schützende Glatzencreme ergänzen Trimmer und Rasierer. Auch Messer, Hobel oder Bartscheren finden sich im Produkte-Set – alle selbst konzipiert.

Über die Ausrichtung von Gøld’s sagt Morrás: „Unsere Produkte richten sich grundsätzlich an jeden, der gerne Bart trägt. Vom Marketing her sind wir aber schon so aufgebaut: Auch die härteren Herren sollen sich gerne pflegen, ohne es zuzugeben. Wir wollen auch knackige Rocker als Kunden, die man mit normaler Gesichtscreme vielleicht weniger erreichen würde.“ Ihre Rezepturen entwickeln sie zusammen mit verschiedenen Laboren in Deutschland – Gøld’s liefert die Idee, Experten stellen das technische Wissen und die Produktionskapazitäten. „Teilweise wurschteln wir uns zwei Jahre durch, bis ein Produkt so ist, wie wir es haben wollen“, berichtet Kroll.

Bringt die Gesichtshaare zum Glänzen: Das eigene Bartöl war der Startschuss für die Offenbacher Firma Gøld’s.
Bringt die Gesichtshaare zum Glänzen: Das eigene Bartöl war der Startschuss für die Offenbacher Firma Gøld’s. © Patrick Scheiber

Coronavirus-Pandemie wird zum Problem für das junge Unternehmen

Mittlerweile reicht ihr Kundenstamm an Herrenfriseuren von Berlin bis München. „Um 2015 herum, als wir die Firma gegründet haben, ist dieser Barber-Shop-Trend aufgekommen“, erinnert sich Kroll. „Wir sind damals von Stadt zu Stadt gefahren, um Klinken zu putzen. Der Fokus lag auf dem stationären Handel, den Online-Verkauf haben wir eher stiefmütterlich behandelt. Einfach, weil wir uns auch selber gerne in Barber-Shops aufgehalten haben – wir konnten Spaß und Arbeit verbinden.“

Nummer eins: Mach’ dir einen Plan.

Unternehmer Martin Morrás Ganskow gibt Tipps

Mit Beginn der Pandemie wird das zum Problem. Zwei Jahre lang brummen die Trimmer der Friseure immer leiser. „Unseren Umsatz hatten wir zu 70 Prozent über die Barber-Shops erwirtschaftet, zu 30 Prozent über den Online-Handel. Da mussten wir dann kämpfen“, sagt Morrás. Ärgerlich: Eine von Gøld’s entwickelte Bartpflege-Linie im Internet-Shop von DM stellt die Drogerie während Corona ein. Drei Monate, nachdem die Produkte angelaufen waren. „Nach Corona läuft mehr über unser E-Commerce als über die Friseurhändler“, meint Morrás. „Es wird einen Moment dauern, bis sich das wieder ausbalanciert.“

Diese drei Dinge sollten jungen Unternehmer beachten

Fest steht: In acht Jahren Unternehmertum hat Gøld’s gelernt. „Wir selbst sind da damals so reingestolpert“, sagt Martin Kroll. „Es gab keinen, an den wir uns bei Fragen wenden konnten.“ Wie ihre Top-Tipps für andere Gründer lauten? „Nummer eins: Mach’ dir einen Plan. Nicht unbedingt einen Business-Plan. Einfach überlegen: Wo soll die Reise hingehen? Was will ich eigentlich?“, sagt Morrás. „Zweitens: Eine gute Steuerberatung suchen. Gerade im Bereich E-Commerce kann man sonst ordentlich auf die Schnauze fallen. Und drittens das Netzwerken. Auch wenn andere nicht genau das Gleiche machen wie du, Kontakte und Austausch sind immer gut.“

Offenbacher Start-up Gøld’s versorgt fast 400 Barber-Shops mit Haar- und Hautpflege-Produkten
Offenbacher Start-up Gøld’s versorgt fast 400 Barber-Shops mit Haar- und Hautpflege-Produkten © Patrick Scheiber

Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage: Woher eigentlich der Name Gøld’s? „Im Nachhinein hat er uns ein paar Probleme gemacht, gerade was die Google-Suche betrifft“, sagt Kroll und lacht. Dabei steckt eine dreifache Idee dahinter. Etwas Wertiges wollten die beiden haben – und was ist schon wertvoller als Gold? „Øl“ ist die skandinavische Bezeichnung für Bier, weil die Idee zur Firma in der Studentenkneipe geboren wurde. Und: Das Öl, das Martin Kroll in seinen Bart gerieben bekommen hat, war das Produkt, mit dem alles anfing.

Mit drei Schritten zum perfekten Bart

„Schritt eins ist gleich der wichtigste. Die Haut unter dem Bart trocknet nämlich sehr schnell. Sie braucht tägliche Feuchtigkeitspflege, am besten mit Bartöl. Crème geht nicht unter die dicken Barthaare. Als nächstes muss der Bart gewaschen werden. Kein 0815-Shampoo aus der Drogerie, das enthält Silikone und Parabene. Wir empfehlen zum Beispiel, zwei bis drei Mal pro Woche unsere Bartseife zu nutzen. Als drittes gilt: den Bart in Form halten. Mit einem guten Trimmer oder Rasierer für die Konturen.“

Julius Fastnacht

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