Wie SOH-Mitarbeiterin Melanie Brost zur Schäferin wurde

Wie die Jungfrau zum Lämmchen

Die Stadtwerke haben jetzt ihr eigenes Patenschäfchen: Geschäftsführer Peter Walther freut sich mit Hirtin Melanie Brost und Schafdame Tilda.
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Die Stadtwerke haben jetzt ihr eigenes Patenschäfchen: Geschäftsführer Peter Walther freut sich mit Hirtin Melanie Brost und Schafdame Tilda.

Offenbach – Wie auch viele andere Menschen heutzutage hat Melanie Brost zwei Jobs. Der Fall der 27-Jährigen ist jedoch ungewöhnlich: Neben ihrer Vollzeitstelle in der Personalabteilung der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) ist Brost auch die Chefin der Schäferei Mainbogen.

Dabei kam sie zu dieser Aufgabe wie die Jungfrau zum Lämmchen. Brost: „Mich haben eigentlich Kangalhunde fasziniert, und 2016 informierte ich mich bei einer Schäferin über die Haltung von Schafen, damit ich langfristig einem solchen Herdenschutzhund eine Aufgabe bieten kann.“

Dann geschah das Unerwartete: „Vor Ort brach sich ein Lämmchen das Bein und sollte getötet werden. Das konnte ich natürlich nicht zulassen, also kehrte ich mit drei Schafen nach Hause zurück – darunter die kleine Elsa, die einen Gips bekam und bis heute zu meiner Herde gehört.“ Wie sehr diese Erfahrung ihr Leben verändern würde, ahnte Melanie Brost zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Damals dachte ich, ehrlich gesagt, dass Schafe ziemlich langweilig sind.“

Das änderte sich schnell. „Mit der Zeit wurden es immer mehr Tiere“, erinnert sich Brost. „Alte Schafe, die keiner mehr wollte, oder Flaschen-Lämmchen, deren Aufzucht für andere zu aufwändig war. Auch Schlachtlämmer, die eine Freundin bei ebay ersteigert hat, bekommen bei mir ein Gnadenbrot.“ Sie habe gemerkt, dass Schafe zwar nicht die schlauesten Tiere, aber gesellig und friedlich seien. „Sie verhalten sich echt lustig und ganz individuell, manche hören sogar auf ihren Namen. Die Gruppe ist bunt gemischt, daher kann ich sie gut auseinanderhalten.“

In der Herde, die sich gerade auf einer Fläche am Bieberer Berg befindet, leben derzeit 56 Schafe und vier Hirtenhunde. Mittelfristig möchte Melanie Brost weitere 100 Schafe aufnehmen und auch Produkte wie Fleisch und eventuell Milch verkaufen.

Neben den ökologischen Vorteilen ist die Bedeutung der Schafe für die Gesellschaft nicht zu unterschätzen: „Die Menschen in Offenbach begegnen mir mit großer Freundlichkeit“, erzählt die Schäferin. Viele hätten die Anwesenheit ihrer Herde bereits als „Licht in Coronazeiten“ bezeichnet oder leisteten gar Hilfestellung beim Umzug der Tiere, die alle zwei Wochen ein neues Areal beziehen. Die Facebook-Seite der Schäferei Mainbogen verzeichnete innerhalb von zwei Monaten mehr als 1200 Abonnenten. Sogenannte „Schafspaten“ unterstützen die Hirtin zudem ehrenamtlich. „Sie helfen mir etwa beim Aufstellen der Elektrozäune. Das Scheren hat kürzlich ein Fachmann übernommen: Er braucht fünf Minuten für ein Schaf, bei mir dauert es eine Dreiviertelstunde. Insgesamt ist die Resonanz der Menschen sehr positiv. Eltern freuen sich, dass Kinder mit ihnen rausgehen, wenn sie dabei Schafe sehen können. Ältere Menschen erzählen mir abends über den Zaun hinweg, welches Verhalten sie bei den Tieren beobachtet haben.“

Dass all diese Arbeit die Hirtin neben ihrem Vollzeitjob bei der SOH Zeit und Energie kostet, ist klar. Brost: „Meine Freizeit fließt komplett in die Tiere, sie sind einfach meine Leidenschaft. Ich gehe jeweils vor und nach der Arbeit für mindestens eine Stunde zur Herde, abends oft auch länger – tagsüber und nachts sind meine Hunde ihre Leibwächter.“ Andere machten Urlaub, gingen shoppen oder ins Café, aber das brauche sie alles nicht. „Viel lieber picknicke ich mit Freundinnen bei meinen Schafen.“

Das Engagement der jungen Frau beeindruckt auch ihren Arbeitgeber, die SOH. Diese haben Melanie Brost unlängst 3000 Euro gespendet. Mit dieser Summe will die 27-Jährige vor allem das Winterfutter für ihre Tiere bezahlen. „Meine jetzige Winterquartiers-Fläche ist für die wachsende Herde zu klein geworden“, erzählt sie. „Daher habe ich bei der Stadt eine Anfrage auf ein Grundstück gestellt, auf dem wir in der kalten Jahreszeit eine Rundbogenhalle aufstellen können.“  mei

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