„Wie Lego für Große“

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Artur Kirilin bei der Arbeit.

Offenbach - A. Kirilin steht in weißen Lettern auf dem blauen Stoffetikett mitten auf der Latzhose. Es ist der Name eines Auszubildenden der Firma Stahlbau Fischer in Offenbach-Waldhof. Er ist angehender Konstruktionsmechaniker und bereits festes Teammitglied im Betrieb. Von Katharina Skalli

Seit über zwei Jahren ist die blaue Kluft die tägliche Uniform des jungen Mannes aus Groß-Umstadt. Außerdem immer dabei: Der Helm.

Wer die Werkshalle von Stahlbau Fischer betritt, muss seinen Kopf mit einem Helm schützen. Das ist Bedingung und eine der Regeln, die die Auszubildenden lernen, wenn sie das erste Mal die Firma besuchen. Schnell gewöhnen sich die Jugendlichen an die neue Kopfbedeckung. „Ich merke gar nicht mehr, dass ich ihn trage“, sagt Artur Kirilin (19 Jahre) und lächelt. Seinen neuen Kollegen geht es ähnlich, obwohl sie erst seit wenigen Wochen angehende Konstruktionsmechaniker sind. Fünf neue Auszubildende hat die Firma eingestellt. Drei von ihnen stehen in der Werkhalle und haben das gleiche Berufsziel wie Artur.

Seit 1987 gibt es den Ausbildungsberuf des Konstruktionsmechanikers. Unterteilt ist er in die Fachrichtungen Ausrüstungstechnik, Feinblechbau, Schiffbau, Schweißtechnik und Stahl- und Metallbau. In ihrer Klasse sind die drei Neuen, Melvin Jones (18 Jahre), Florian Becker (17) und Abdelaziz Alkadi (20) die einzigen, die aus der Stahlindustrie kommen. „In dem Bereich wird im Moment einfach nicht viel ausgebildet“, vermutet Jens Braumann. Der Produktionsleiter weiß, dass viele Jugendliche mit dem Begriff Konstruktionsmechaniker nichts anfangen können. Früher habe man Bau- oder Stahlbauschlosser gesagt und jeder wusste, was gemeint war. „Dafür klingt Konstruktionsmechaniker für die junge Generation cooler“, ergänzt Braumann und schmunzelt. Auch andere Berufe haben ihre Bezeichnung geändert. Kürzlich erreichte Fischer Stahlbau ein Brief der IHK, der mitteilt, dass der Titel „Technischer Zeichner“ nun durch den Begriff „Technischer Systemplaner“ abgelöst wurde. Julia Christl (17 Jahre) wird seit August zur eben solchen ausgebildet. Sie muss über die Umbenennung grinsen. Die junge Frau weiß noch nicht, ob und welche Änderungen der Namenswechsel zur Folge hat. Sie ist einfach nur froh über eine Ausbildungsstelle in ihrem Traumjob. Schon in der Schule hat sie sich gerne mit technischen Zeichnungen beschäftigt. Ein anschließendes Praktikum bei einem Bauzeichner sorgte dann für Gewissheit. Julia hat keine blaue Latzhose. Und auch ihren Helm trägt sie nicht ständig. Ihr Arbeitsplatz ist ein großer Schreibtisch mit Computer und viel Platz für die großformatigen Ausdrucke, auf denen ihre Entwürfe und Zeichnungen zu sehen sind. Diese landen dann bei Artur und seinen Kollegen in der Werkshalle. „Das ist wie Lego für Große“, sagt Braumann.

Aller Anfang ist schwer

„Am Anfang erkennt man nur Striche und Zahlen“, gibt Melvin zu. Sein Kollege Abdelaziz pflichtet ihm bei: „Es ist nicht einfach, die Zeichnungen zu verstehen. Auch die Umsetzung ist schwierig.“ Aus den Plänen sollen in der großen Halle im Industriegebiet Stahlkonstruktionen werden. Geländer, Fluchttreppen, Dachkonstruktionen, Schächte, Fassaden und einiges mehr entstehen auf dem über 6000 Quadratmeter großem Gelände.

Bis die zukünftigen Konstruktionsmechaniker selbständig die Pläne der Zeichner umsetzen können, dauert es etwa ein Jahr. Solange laufen sie in Kolonnen mit und lernen von den Kollegen die verschiedenen Geräte zu bedienen. In der Berufsschule geht es vor allem um die theoretischen Hintergründe. „Im Betrieb lernt man dann die praktische Umsetzung“, sagt Artur. „Das eine geht nicht ohne das andere.“ Nach dreieinhalb Jahren haben die Jugendlichen ausgelernt. Wer es sich zutraut, verlässt dann die Werkshalle, um auf Dächern die gefertigten Konstruktionen zu montieren. So hat Stahlbau Fischer gemeinsam mit der Partnerfirma Fischer Glasscon beispielsweise drei komplexe Stahl-Glas-Dächer sowie die Eingangsfassade und eine tonnenförmige Dachkonstruktion des Einkaufszentrums Loop 5 in Weiterstadt erstellt. Auch der neue Tower am Flughafen stammt von dem Offenbacher Betrieb.

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