Die große Unerreichbare

Wieder Klage über Offenbacher Nachlassgericht

Offenbach - Die Nachlass-Abteilung des Offenbacher Amtsgerichts bleibt die große Unerreichbare: Wieder beklagt sich ein Bürger, dass er keinen telefonischen Kontakt zu der Stelle bekommt, die Erbscheine erteilt, Testamente eröffnet und serviceorientierter Ansprechpartner für Hinterbliebene sein soll. Von Thomas Kirstein 

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Im April berichtete unsere Zeitung über mehrere Fälle: Ein Offenbacher Unternehmer wartete vier Monate auf die Übersendung des notwendigen Erbscheins; eine erbberechtigte Leserin, die erst nach drei Monaten über das Ableben eines Verwandten informiert worden war, sprach nach vergeblichen Anrufen persönlich vor und wurde wie ein Störenfried behandelt; eine Mühlheimerin wartete ein halbes Jahr – Telefonieren zwecklos – nach dem Tod ihres Mannes auf den Erbschein.

Zum Teil berührten diese Probleme mit Offenbachs Nachlassgericht existentielle Fragen. Von der aktuellen Klage lässt sich das nicht sagen, sie belegt aber, dass der Service an dieser Stelle weiter nicht existiert.

Der ehemalige Altenpfleger Fred Winter kümmerte sich jahrelang um seine im Heim lebende ehemalige Nachbarin und versorgte sie mit Dingen des täglichen Gebrauchs. Die belegten Auslagen, im Vierteljahr 100 bis 150 Euro, rechnete er stets mit dem amtlichen Betreuer ab. Die alte Dame und ihr verstorbener Gatte haben das, was von ihrem Vermögen übrig bleibt, den SOS-Kinderdörfern vermacht.

Täglich 15 vergeblich Anrufe

Kürzlich ist die Frau verstorben. Bei Winter sind noch 102 Euro offen, die nicht mehr beim Betreuer zu holen, sondern vom Nachlassgericht zu erstatten sind. Seit zwei Wochen versucht der Mühlheimer zu den offiziellen Sprechzeiten jemanden an den Hörer zu bekommen. An nahezu jedem Tag unternimmt er bis zu 15 vergebliche Versuche unter der angebenen Durchwahl. Plus Anrufe bei der Zentrale: Die Nichterreichbarkeit sei normal, so lernt er dort, immerhin habe man den Zuständigen am fraglichen Tag schon mal gesehen – er möge es doch weiter probieren.

„Mir geht’s nicht um die 102 Euro, aber so kann das nicht laufen“, sagt Winter. Inzwischen hat er sein Anliegen per Einschreiben zu Protokoll gegeben. Die Antwort steht aus.Im April hatte Amtsgerichtsgerichtspräsident Stefan Mohr unserer Zeitung von krankheitsbedingten Engpässen im Frühjahr berichtet und um Verständnis gebeten. Offenbar aber besteht das Problem der Nichterreichbarkeit schon länger und unvermindert weiter.

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