18.683 Menschen

Wieder mehr Hartz-IV-Empfänger

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Symbolbild

Offenbach - In Offenbach leben wieder mehr Hartz-IV-Empfänger. Nachdem sich in den beiden Jahren zuvor ihre Zahl jeweils reduziert hatte, stieg sie 2012 um 733 auf 18.683 Menschen an und liegt damit bei 18,1 Prozent. Von Veronika Schade

„In der ersten Jahreshälfte hat sich der positive Trend noch fortgesetzt, aber in der zweiten Jahreshälfte spiegelt sich die negative regionale Arbeitsmarktentwicklung deutlich wider“, erläutert Dr. Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer der Mainarbeit und Leiter des Amts für Arbeitsförderung, eine der unerfreulichen Realitäten, die der Offenbacher Sozialbericht 2012 zutage bringt.

Dieser Anstieg der „Fallzahlen“ im zweiten Halbjahr ist in Offenbach stärker ausgeprägt als im Durchschnitt Hessens. Schulze-Böing hat eine Erklärung dafür: „In Offenbach sind viele Menschen in Arbeitsmarktsegmenten angesiedelt, die stärker auf Konjunkturschwankungen reagieren.“ Das zeigt sich etwa darin, dass die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten um 5,5 Prozent zugenommen hat. Der Hauptanstieg ist bei der deutschen Bevölkerung festzustellen – von 14,7 auf 15,2 Prozent. Bei den Zugewanderten blieb die Quote der Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II mit 22,9 Prozent gleich. Die stärkste Gruppe sind hier die Türken mit über 33 Prozent.

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

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„Es sind nicht nur Arbeitslose, sondern auch Erwerbstätige, die zusätzliche Leistungen beziehen“, zeigt Offenbachs Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke ein strukturelles Problem auf. Rund 27 Prozent der Offenbacher „Hartzis“ sind sogenannte Ergänzer, die einer Arbeit nachgehen, deren Einkommen aber nicht für den Lebensunterhalt ausreicht. Dies betrifft vor allem Geringqualifizierte. „Der Niedriglohnbereich muss stärker diskutiert werden, auch deshalb, weil er Kommunen wie Offenbach Geld kostet“, so Schwenke. „Nur einen Mindestlohn einzuführen, hilft aber nicht.“

Auf 91,1 Millionen Euro summierten sich 2012 die SGB-II-Leistungen in Offenbach. 47 Prozent davon wurden für Unterkunft und Heizung aufgewendet, der Bund erstattete 15,5 Millionen Euro. Den Rest trug die Stadt.

Besonders traurig: Nach wie vor lebt knapp jedes dritte Kind unter 15 Jahren in Offenbach in einer „Bedarfsgemeinschaft“. Damit bleibt Kinderarmut ein zentrales Thema und laut Schwenke „die größte Herausforderung, die wir haben“. Immerhin nahmen die Offenbacher die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gut an: „Wir erreichten damit 60 Prozent aller berechtigten Kinder, der Durchschnittswert in Hessen liegt bei 48 Prozent“, so der Sozialdezernent.

Die Hartz-IV-Wohnung

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Die meisten beantragen Leistungen für Schulbedarf und Mittagsverpflegung. Insgesamt stellten 10 218 Menschen Ansprüche auf mindestens eine Leistung, darunter 88,3 Prozent nach SGB II. Dafür gab die Stadt 1,8 Millionen Euro aus – Geld, das der Bund erstattet. Neben den Hartz-IV-Beziehern ist auch die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger nach SGB XII wieder angestiegen. 3267 Menschen, in der Regel Ältere ab 65 Jahren, Pflegebedürftige und Behinderte, erhielten diese Leistungen – 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit beziehen 2,6 Prozent der Offenbacher Sozialhilfe, davon sind 36,1 Prozent Ausländer. Grundsicherung hat mit mehr als 2562 Personen den größten Anteil. Auch Altersarmut wird zum Thema: 62 Prozent erhielten Grundsicherung im Alter – ein Anstieg um acht Prozent. Ausgegeben wurden 28,6 Millionen Euro, 45 Prozent trug der Bund.

Am Rande: Das Vorurteil, in Offenbacher Neubauten würden „Hartzis“ ziehen, versucht Schulze-Böing mit einer Tabelle zu widerlegen: „Von 344 Menschen, die hier in den letzten zwei Jahren in Neubauten eingezogen sind, sind null SGB II-Bezieher.“

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