Geldstrafen drohen

Illegales Taubenfüttern nimmt zu: Stadt greift durch

Illegale Futterstelle am Radweg lockt Ratten an.
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Es ist angerichtet: Auch Ratten bedienen sich am verstreuten Taubenfutter.

Es ist lieb gemeint, hat aber die entgegengesetzte Wirkung. Haufen von Vogelfutter für Tauebn sorgen in Offenbach für Ärger – und für die Ausbreiteung von Ratten.

Offenbach - Wer aufmerksam durch die Stadt geht, dem fallen sie auf: jene kleinen, in Abständen von wenigen Zentimetern ausgestreuten Haufen von Vogelfutter für Tauben. Auf dem Wilhelmsplatz sind sie zu finden, am Mainufer, aber auch entlang der städtischen Radwege. Was aus fehlgeleiteter Tierliebe – im Glauben, die Tauben im Stadtgebiet müssten von Menschenhand zugefüttert werden – da verstreut wird, lockt jedoch nicht nur Vögel an, auch Ratten finden so die Ressourcen, damit sie sich weiter ausbreiten können.

Immer wieder berichten Leser von Rattensichtungen in der Stadt, wer nur kurze Zeit ruhig an einer der Fütterungsstellen verharrt, bekommt sie rasch selbst zu Gesicht. Ebenso sind die Hinterlassenschaften der Tauben, für die das Futter verstreut wurde, nicht nur unappetitlich, sondern auch gesundheitlich bedenklich.

Offenbach: Verstreuen von Futter für Tauben streng verboten

Dabei ist das Verstreuen von Futter für Wildtauben oder verwilderte Tauben streng verboten, wie die Stadt bestätigt. „Dies gilt übrigens, das wissen viele Bürgerinnen und Bürger nicht, auch auf Privatgrundstücken“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh.

Die Stadtpolizei erreichen viele Beschwerden seitens der Bürger, besonders in der Fußgängerzone der Innenstadt, aber auch auf dem Wilhelmsplatz oder dem Mainvorgelände wird das illegale Füttern gemeldet. El Cheikh: „Da die fütternden Personen oft schon weg sind, wenn die Stadtpolizei die Örtlichkeit erreicht, werden insbesondere an den oben genannten Örtlichkeiten zivile Kontrollen, mit in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Ergebnissen, durchgeführt.“

Offenbach: Futteransammlungen für Tauben im Stadtgebiet entdeckt

Allerdings: Seit die Stadtpolizei hauptsächlich mit der Einhaltung der Corona-Regeln beschäftigt ist, fehlt es an Kapazitäten für die Kontrollen – kein Wunder also, dass in den vergangenen Monaten immer öfter Futteransammlungen im Stadtgebiet beobachtet werden konnten. Akuten Meldungen werde aber nachgegangen, auch wenn die Erfolgsaussichten eher mäßig sind. Zumindest beim Füttern auf Privatgrundstücken reicht es dann meist nur für eine mündliche Ermahnung und Androhung der Strafe.

Die kann bis zu 500 Euro betragen, wie es etwa beim Füttern von Wasservögeln in Anlagen und am Mainufer gilt. Überhaupt gibt es für Wasservögel Ausnahmen: Abseits von Anlagen, Parks und Weihern dürfen die gefüttert werden, in den Wintermonaten ist auch eine gezielte Vogelfütterung gestattet. Wer also ein Vogelhäuschen mit Futter bestückt oder „Meisenknödel“ auf seinem Grundstück aufhängt, muss nicht mit Strafe rechnen.

Offenbach: Schädlinge breiten sich durch illegales Füttern aus

Illegales Füttern sorgt aber eben auch dafür, dass Schädlinge wie Ratten Nahrung finden und sich weiter ausbreiten. In den Jahren 2019 und 2020 sind laut Stadt jeweils 93 Rattenbeschwerden eingegangen. 54-mal mussten die Stadtwerke im vergangenen Jahr gegen Ratten vorgehen, dazu haben 43 Grundstückseigentümer Maßnahmen ergreifen müssen.

Die Stadtwerke nutzen Giftköder zur Rattenbekämpfung. Diese werden jedoch nie präventiv, sondern nur nach Hinweisen ausgelegt. In Abstimmung der Abteilungen Entwässerung und Grünwesen der Stadtwerke werden die Köder sowohl ober- wie unterirdisch ausgelegt. Für die oberirdischen Giftköder wird eine Spezialfirma beauftragt, in Kanälen dürfen entsprechend geschulte Mitarbeiter der Stadtwerke selbst tätig werden. Anschließend muss regelmäßig überprüft werden, ob die Köder angenommen wurden, an ihnen Freßspuren zu sehen sind. Ist dies nicht der Fall, werden die Köder entsorgt.

Illegales Taubenfüttern in Offenbach: Ordnungsamt nimmt Hinweise entgegen

Das illegale Taubenfüttern kann sich daher auch noch kontraproduktiv auf die Bekämpfungsmaßnahmen auswirken: Finden die Ratten nämlich auf der Straße oder in den Parks Nahrung, werden die Giftköder nicht gefressen. Ähnlich verhält es sich mit offenen Essensresten in Müllbeuteln oder der Kanalisation. Die Stadt weist daher dringend darauf hin, keine Essensreste in der Toilette herunter zu spülen und die Mülltonnen verschlossen zu halten. Nur so können die Schädlinge effektiv bekämpft werden.

Illegales Taubenfüttern kann der Stadt unter Telefon 069 8065-2123 oder -3195 gemeldet werden. Hinweise auf Rattenbefall nimmt das Ordnungsamt unter Telefon 069 8065-3166 entgegen. (Frank Sommer)

Im März 2021 ist auch die Vogelseuche in Offenbach nachgewiesen worden.

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