Wieder in ruhigen Gewässern

Offenbach -  Die Geschichte gleicht dem Drehbuch für einen schlechten Film. Es geht um blindes Vertrauen, fehlende Kontrolle, böses Erwachen. Immerhin scheint’s ein glückliches Ende zu nehmen - jedoch nicht für alle. „Es ist auch eine menschliche Tragödie“, lautet die bittere Erkenntnis beim Ersten Offenbacher Schwimmclub.

Der EOSC arbeitete in seiner Versammlung die Ära unter dem ehemaligen Vorsitzenden Norbert Baßmann auf.

„Die Versammlung war mit mehr als 120 Stimmberechtigten außergewöhnlich gut besucht“, bilanzierte Dr. Walter Suermann, dem Dieter Levi-Wach als Vorsitzender folgt (wir berichteten). Das Interesse wundert nicht. Bereits im Vorfeld sickerte durch, dass es „erhebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten“ gegeben hat, derentwegen Baßmann vom Verein ausgeschlossen wurde. Die Mitglieder wollten erfahren, was in den vergangenen Jahren alles schief gelaufen ist und wie es um die Zukunft des EOSC in seinem 113. Jahr steht.

Zwangsläufig gab’s ordentlich Knatsch. Zum Eklat kam es beinahe, als die Kassenprüfer Hans Fürst und Alfred Böhm den seit 2008 amtierenden Schatzmeister Hermann Lüning nicht entlasten wollten. Begründung: Das Computer-Programm, mit dem Lüning alles abwickelte, sei nicht akzeptabel. „Das hat es in zwanzig Jahren nicht gegeben“, zeigte Dr. Suermann dafür keinerlei Verständnis, zumal es Lüning gewesen sei, der „gewichtige Unkorrektheiten des ehemaligen Vorsitzenden erkannte, die den Kassenprüfern nie aufgefallen sind.“ Also eine Retourkutsche aufgrund gekränkter Eitelkeiten? Auf jeden Fall folgte trotz gegenteiliger Empfehlung die Entlastung Lünings, der aber noch am Abend von seinem Amt zurücktrat.

Die unbequeme Frage lautete fortan: Warum erkannte niemand diese finanziellen Unregelmäßigkeiten, die 2003 anfingen, und steuerte entgegen? Und dann wurden Zahlen genannt. In der Amtszeit von Norbert Baßmann gab es Barauszahlungen: 200 Euro, 350 Euro, 4000 Euro, einmal sogar 17 600 Euro. Summiert hat sich das in den Jahren auf etwa 100 000 Euro - unbemerkt, unbeanstandet, unbestritten. „Und das ohne einen einzigen Beleg für die Verwendung“, so Walter Buckpesch, ebenso wie Suermann ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt und seit Jahren im EOSC-Vorstand tätig.

Als alles öffentlich wurde, habe sich Baßmann in Widersprüche verstrickt. Auf Nachfragen behauptete er, er habe Geld für eine Wasserball-Spielgemeinschaft mit einem Frankfurter Verein benötigt. Doch diese Spielgemeinschaft gab es zum Zeitpunkt der Auszahlung noch gar nicht.

Wie immer man es werten mag: Baßmann sagte zu, das Geld zurück zu zahlen. Bis vergangenen November habe das auch geklappt. Es fehlen aber noch mehr als 30 000 Euro. Nun wird der EOSC wohl doch gegen seinen ehemaligen Vorsitzenden klagen, „damit unsere berechtigten Ansprüche nicht verjähren“, begründet Dr. Suermann den menschlich schwierigen Schritt.

Auch sonst wurde aufgeräumt. Beispiel: Mündliche Verträge mit Trainern gibt es nicht mehr. Künftig wird schriftlich fixiert, wer Lohnsteuer und Versicherungsbeiträge zu zahlen hat. Von der Rentenversicherung gab’s unerwartet eine Nachforderung von 36  000 Euro. Bei jährlichen Mitgliedsbeiträgen von etwa 180 000 Euro ein dicker Brocken. Also verordnete der Vorstand den Abteilungen einen strikten Sparkurs, „der von allen mitgetragen wird“. Inzwischen sei absehbar, dass alle Verbindlichkeiten der Ära Baßmann 2011 getilgt sind. Öffentliche Mittel sind nach Suermanns Aussage nie angerührt worden. „Der Wirtschaftsbetrieb Schwimmbad, den die Stadt bezuschusst, war nie betroffen.“ Da lasse sich das Rechnungsprüfungsamt jeden Monat die Zahlen vorlegen.

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