Wieder viel Platz für Lob

+
Rund zwei Jahrzehnte wurde über die Umgestaltung des tristen Ostendplatzes gestritten. Manche wollten alles ändern, viele lieber gar nichts. Der Kompromiss, der nun mit Hilfe der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine (IGBOV), der Bürgerinitiative Ostendplatz, dem Heimatverein, dem Gewerbeverein und anderen zustande gekommen ist, soll für 590000 Euro zu haben sein. Der Kiosk an der Seligenstädter Straße wird abgerissen; wenn sich ein Investor findet, kann ein neues Wasserhäuschen seitlich davon an der Obermühlstraße gebaut werden. Die Buswendeschleife wird zurückgebaut und zwischen Seligenstädter Straße und Platanenreihe gepflastert. Der übrige Platz erhält eine wassergebundene Decke, die Kerb und Vereinsfest sichert.

Bieber ‐ Wenn dieser Tage der Wind an den alten Bäumen in der Mitte Biebers rüttelt, begraben die bunten Blätter nicht nur die Tristesse des Ostendplatzes unter sich, sondern auch einen uralten, oft stürmischen Streit. Von Marcus Reinsch

Seit das Stadtparlament Ende vergangener Woche einmütig beschloss, dem Ostendplatz für 590 000 Euro ein Gesicht zu geben, in das fast jeder Stadtteilbürger gerne schauen dürfte, sind die Beiträge zum Thema spürbar milder geworden. Jeder lobt jeden, sich selbst eingeschlossen.

Die rund 20 Jahre währende, vor allem aber in den vergangenen beiden Jahren mit Macht betriebene Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Ansichten der Stadt und der Stadtteilbürger brachte, zusammengefasst, Folgendes zutage: Der Kiosk an der Seligenstädter Straße wird fallen; ein neuer darf nicht weit entfernt an der Obermühlstraße gebaut werden. Die Buswendeschleife hat ausgedient; zwischen Seligenstädter Straße und Platanen soll Pflaster für Verschönerung sorgen. Die Kerb und das Fest der Vereine, als Festivitäten eine Art Bieberer Nationalheiligtümer, werden künftig auf einer neuen, aber weiterhin unbefestigten Platzoberfläche aufgebaut. Die Senkrecht-Parkplätze entlang der Obermühlstraße bleiben, wie vom Stadtteil stets gefordert, unangetastet. Nördlich des künftig mit Bäumen vom Ostendplatz getrennten EVO-Grundstück soll es statt der beiden Wippen einen Spielplatz geben, der diesen Namen verdient. Um den Platz besser einsehbar zu machen, sind zusätzliche Zugänge von der Obermühlstraße vorgesehen. Lichter und gepflegter soll die Grünanlage in ihrer Gesamtheit wirken, also möglicherweise ohne die Hochbeete im Osten.

Gute Basis für den nächsten Schritt

Für die Offenbacher CDU und ihren Bieberer Stadtverordneten Hans Burkart gelten diese planerischen Eckpfeiler als gute Basis für den nächsten Schritt, die Projektvorlage, in der „mit den Bieberer Interessenvertretern“ alles detaillierter festgeklopft werden solle. Burkart: „Wir fordern den Planungsdezernenten Horst Schneider auf, sich strikt an die Vereinbarungen zu halten. Wir wollen sie auch in der Projektvorlage wiederfinden, ohne eigenwillige Interpretationen und Abweichungen.“ Und mit dem Abriss des Kiosks solle doch bitte „gewartet werden, bis eine konkrete Nachfolgeregelung gefunden wurde“.

Auch für die SPD „haben die beteiligten Institutionen eine gute Lösung für den Ostendplatz gefunden“, wie Jens Walther als Parteichef der Stadtteil-Genossen zu Protokoll gibt. Letztere würden dem demnächst neuen Ostendplatz auch gleich einen neuen Namen verpassen. Walther: „Die Neugestaltung bietet eine Chance, dem Platz einen zeitgemäßen Namen zu geben, denn der Ostendplatz liegt schon lange nicht mehr am östlichen Ende unseres Stadtteils.“

OB Horst Schneider als „Lügner“ bezeichnet

Nicht in der Lage zu uneingeschränkter Freude über den Gestaltungskompromiss sieht sich unterdessen Peter Krieger. Der Sprecher der Initiative Ostendplatz hat keinen neuen Namen für den Ostendplatz, aber einen für Oberbürgermeister Horst Schneider: „Lügner“. Krieger wirft dem Stadt-Chef „undemokratisches Verhalten“ vor, weil der auf Anfrage noch jüngst zweimal behauptet habe, „es gebe nichts Neues“ und die Bürgerinitiative von der jetzigen Entscheidung „komplett ausgeklammert“ habe. So etwas habe eine Gruppe, die dem OB zwischenzeitlich eine Liste mit Forderungen zum Ostendplatz und 2 200 Bürgerunterschriften überreicht hat, nicht verdient. Immerhin werde der Platz nun tatsächlich „im Sinne der Bieberer Bürger verschönert und aufgewertet“.

Kommentare