Und wieder war’s das Wetter: 28 Nachtflüge genehmigt 

Offenbach - Wird bei den nächtlichen Starts und Landungen auf dem Frankfurter Flughafen die Ausnahme zur Regel? Trotz Nachtflugbeschränkungen fliegen 28 Flugzeuge mit ministeriellem Segen nach 23 Uhr. Von Matthias Dahmer

Nachdem in der vergangenen Woche trotz des ab 23 Uhr geltenden Nachtflugverbots zahlreiche Maschinen nach der richterlich erlaubten Zeitgrenze gestartet sind, machten die Anwohner in den östlich vom Airport gelegenen Anrainerkommunen am Dienstagabend erneut die Erfahrung, dass ein verhängtes Nachtflugverbot nicht unbedingt Ruhe am sternenklaren Himmel bedeutet.

13 Starts habe sie ab 23.30 Uhr gezählt, die letzte Maschine sei kurz nach Mitternacht geflogen, berichtete eine im Heusenstammer Altenheim Dr.-Horst-Schmidt-Haus wohnende Seniorin gestern aufgebracht am Redaktionstelefon.

Genehmigte Ausnahmen

 Was sie und viele andere wieder einmal vom Einschlafen abhielt, hat das Hessische Verkehrsministerium als genehmigte Ausnahmen auf seiner Internetseite mit nackten Zahlen dokumentiert: Insgesamt 28 Flugbewegungen listet das Ministerium für die Zeit von 23 bis 5 Uhr auf. Allein 26 davon waren Starts zwischen 23 Uhr und Mitternacht. Ein Flugzeug ist zur gleichen Zeit in Frankfurt gelandet. Eine weitere Maschine flog in der Nacht mit ministeriellem Segen einen medizinischen Hilfseinsatz.

Als Grund für die jüngsten sondergenehmigten Starts – es handelte sich um doppelt so viele wie jeweils am Mittwoch und Donnerstagabend der Vorwoche – führt das Ministerium wieder das Wetter und damit vom Verbot befreiende Umstände an, welche die Fluggesellschaften nicht zu vertreten haben.

Zum einen sorgte am Dienstagabend wie schon in der vergangenen Woche eine wegen zu starken Rückenwinds nicht benutzbare Startbahn West für einen Abflug-Stau und damit zu verspäteten Starts. Zum anderen habe der Schneefall den Flugplan durcheinandergebracht, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Franz-Stöcker.

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Rechtlich ist man in Wiesbaden auf der sicheren Seite: Haben doch die Ausnahmgenehmigungen nichts mit dem Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 10. Oktober 2011 zu tun. Der VGH hatte darin bekanntlich die geplanten 17 Flugbewegungen in der sogenannten Mediationsnacht zwischen 23 und 5 Uhr – die nun von den Ausnahmen locker übertroffen werden – bis zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ausgesetzt. Bei den Sondergenehmigungen kann sich das Ministerium auf den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Flughafens berufen. Dieser lasse verspätete Starts und Landungen unter bestimmten Voraussetzungen zu, heißt es auf der behördlichen Internetseite. Diese Regelungen seien nicht Gegenstand des VGH-Beschlusses gewesen.

Immerhin: Nicht jeder Flieger wird nach 23 Uhr per Sondegenehmigung weggelassen. Zwei Maschinen der Lufthansa, berichtete Ulrike Franz-Stöcker, sei am Dienstagabend ein verspäteter Start verweigert worden. Die Fluggesellschaft habe technische Probleme und damit einen selbstverschuldeten Grund angeführt.

Rubriklistenbild: © dpa

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