Grüne fordern Sanierung des Wiener Hofs

Toiletten als Zumutung

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Betreiber Reinhard Prekel fehlt das Geld für eine Sanierung des Wiener Hofs. Der Stadt auch.

Bieber - Anfang des Jahres gab es für den Wiener Hof den Kulturpreis der Stadt. Dass die Veranstaltungen in der Lokalität etwas Besonderes und von überregionaler Bedeutung sind, daran zweifelt niemand. Alles andere als preisverdächtig ist der bauliche Zustand des städtischen Gebäudes. Von Veronika Schade

 Vor allem die sanitären Anlagen sind völlig veraltet. Nun wollen die Offenbacher Grünen die Stadt in die Pflicht nehmen. Seit mehr als 120 Jahren gibt es den Wiener Hof als Restaurant mit Saal und Biergarten. Für Freunde von Hausmannskost und Liebhaber von Musikveranstaltungen ist die Langener Straße 23 eine feste Adresse. Viele Vereine und Chöre nutzen sie zudem als Treffpunkt und Übungsort. Jede Woche holt Betreiber Reinhard „Blacky“ Prekel diverse Künstler auf die Bühne. Die Musiker schätzen genau wie das Publikum die intime Atmosphäre und gute Akustik. Doch nicht jede Veranstaltung lohnt sich auch finanziell. „In diesen Fällen zahle ich drauf“, sagt Prekel und betont: „Ohne Herzblut geht es nicht.“

Doch so viel Herzblut der Pächter auch in den täglichen Betrieb der sich in städtischer Hand befindlichen Lokalität steckt, kleine Arbeiten und Reparaturen mit seinem Team selbst übernimmt – die großen „Baustellen“ bleiben bestehen. Eine solche sind die sanitären Anlagen im Anbau des Wiener Hofs, um deren Sanierung er sich bereits seit sechs Jahren bei der Stadt bemüht. Sie sind abgenutzt, eng, teilweise defekt. Die Fliesen bröckeln ab, Putz löst sich großflächig von der Wand. „Für die Sauberkeit sind wir zuständig, für den baulichen Zustand die Stadt“, hat Prekel auf einen Zettel geschrieben – ein Versuch, die Gäste ein wenig mit der Situation zu versöhnen.

Eine Zumutung

„Viele sprechen von einer Zumutung, hier auf Toilette müssen“, bedauert der Betreiber. Immer wieder äußerten Vereine, Firmen und Kanzleien Interesse an Feiern, überlegten es sich jedoch angesichts der sanitären Anlagen anders. „Das tut weh, deshalb Aufträge zu verlieren“, sagt Prekel, der zwar regelmäßig seine Pacht zahlt, selbst jedoch keine Zuschüsse für seinen Kulturbetrieb bekommt.

Das erwarte er jedoch auch nicht. „Ich weiß ja um die Geldschwierigkeiten.“ Doch als er erfuhr, dass der Wiener Hof mit dem diesjährigen städtischen Kulturpreis ausgezeichnet wird, habe er neue Hoffnung geschöpft, sein Veranstaltungslokal wieder mehr in den Blickpunkt politischer Entscheidungsträger zu rücken. „Bei der Preisverleihung haben alle darauf gewartet, dass was zu den Toiletten gesagt wird. Es wurde zwar am Rande erwähnt, aber nichts versprochen.“

Immerhin: Vor einem Monat ließ die Stadt eine neue Kanalisation verlegen. „Vorher hatten wir bei starkem Regen Probleme, es gab auf den Toiletten einen Rückstau“, berichtet Prekel. Doch sonst hat sich nichts geändert. „Für die Sanierung des Markthauses am Wilhelmsplatz hat die Stadt eine Million Euro ausgegeben“, so der Pächter. Den Wiener Hof zu renovieren, der etwa doppelt so groß ist, würde laut ihm die Hälfte kosten. „Nicht falsch verstehen, ich gönne es dem Markthaus. Aber ich finde es bedauerlich, dass die Stadt immer nur ins Zentrum investiert, die Peripherie aber außen vor lässt“, sagt Prekel. Es bedürfe politischen Willens, etwas zu erreichen.

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Bling-Bling! Reisebus mit vergoldeter Toilette

Politischen Willen zeigen nun die Offenbacher Grünen in einer Pressemitteilung: „Es ist höchste Zeit, dass die Stadt eine Sanierung der städtischen Liegenschaft Wiener Hof in Angriff nimmt, wenn die mit dem Offenbacher Kulturpreis 2014 ausgezeichnete Institution im Herzen Biebers bestehen bleiben soll.“ Die Stadt könne an dieser Stelle beweisen, wie ernst es ihr mit der Kulturförderung sei. Der Magistrat solle in einem ersten Schritt prüfen, „auf welchem Weg und mit welchem Aufwand zunächst das drängende Problem der sanitären Anlagen gelöst werden kann.“

Die Baumängel umfassen auch die Abnutzung und fehlende Isolierung von Fassade, Dach und Fenstern. Der erhöhte Energieverbrauch verursacht hohe Kosten. Hinzu kommt eine stromfressende Zusatzheizung. „Wir sehen die Stadt als Eigentümerin in der Pflicht, ihre Liegenschaften vor dem Verfall zu bewahren und ihrer Vorbildrolle im Klimaschutz zu entsprechen“, betonen die Grünen.

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