Fußgängerzone in Offenbach

Wildes Parken: Abstürzende Verkehrsmoral

+
Dies ist eine Offenbacher Fußgängerzone...

Offenbach - Egal ob Marktplatz, Herrnstraße, Frankfurter Straße oder Aliceplatz: Wer sich in diesen Tagen durch die Innenstadt bewegt, muss erneut feststellen, dass die Bedeutung einer Fußgängerzone nicht von allen verstanden wird. Von Matthias Dahmer

Die CDU sieht sinkende Verkehrsmoral vor allem auf der Platz der Deutschen Einheit. Ein vorweihnachtlicher Stadtbummel sieht anders aus: Auf dem in Richtung Frankfurter Straße mäandernden Weihnachtsmarkt – wir berichteten schon darüber – läuft der Passant Gefahr, zu fast jeder Tageszeit mit anliefernden Kleinlastern zu kollidieren. Am Marktplatz parken aufgemotzte Limousinen ungeniert auf verbotenen, aber größenmäßig sich anbietenden Flächen. Und die Situation am Platz der Deutschen Einheit ist der CDU sogar eine umfangreiche Anfrage an den Magistrat wert.

Fakt sei, dass das Areal zwischen Kaiserstraße, Rathaus und Stadthof, unabhängig von der aktuellen Baustellensituation, seit Jahren mehr einem großen gebührenfreien Parkplatz denn einer Fußgängerzone gleiche, schreibt CDU-Stadtverordneter Sebastian Kurt. Zahllose Pkw würden dort über längere Zeit abgestellt, mangels markierter Flächen in der Regel ungeordnet, oft seien dadurch ausgeschilderte Rettungswege blockiert. Als besonders eifrige Nutzer der Flächen hat Kurt die Mitarbeiter des Staatlichen Schulamts ausgemacht. „Bei ihnen scheint sich diese Abstellgelegenheit größter Beliebtheit zu erfreuen“, stellt er fest.

„Großzügige Duldung“

Grundsätzlich, so Kurt weiter, lägen in fast allen geparkten Fahrzeugen Genehmigungsbescheide, bei manchen entsprächen die darin aufgeführte Kennzeichen jedoch nicht denen des Fahrzeugs. Gebührenpflichtige Verwarnungen, hat er beobachtet, erteile die Stadt offensichtlich nicht. Kurt: „Diese wohl sehr großzügige Duldung steht im Widerspruch zur sonstigen Offenbacher Verkehrspolitik, welche insbesondere Berufstätige zur ÖPNV-Nutzung auffordert.“

Der CDU-Stadtverordnete will deshalb in seiner Anfrage unter anderem wissen, was gegen das wilde Parken unternommen wird und wie die Regelung zu den Ausnahmegenehmigungen aussieht. „Die Anfrage wird uns vier Wochen beschäftigen“, stöhnt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Was er schon sagen kann: In diesem Jahr seien bislang sieben Fahrzeuge auf dem Platz der Deutschen Einheit abgeschleppt worden. Und es gebe eine „große Menge“ an Zufahrtsberechtigungen zur Fußgängerzone. „Dabei handelt es sich um Anwohner oder Inhaber ansässiger Betriebe“, so Weigand.

Parkhaustest in Offenbach

Parkhaustest in Offenbach

Was die Mitarbeiter des Schulamts angeht, verweist der Ordnungsamtschef auf eine „uralte Vereinbarung“, deren Details er nicht kenne, die aber zum Inhalt gehabt habe, dass den Beschäftigten der Behörde ein Parkplatz-Kontingent auf dem Gelände des alten IHK-Gebäudes zustehe. Klar sei jedoch: Wer außerhalb markierter Flächen parke und nicht zum Be- und Entladen auf dem Platz stehe, werde aufgeschrieben. Nicht zuletzt, so Weigand, sei die derzeitige Situation auch den Bauarbeiten auf dem Stadthof geschuldet.

Kommentare