Die Ära Wildhirt endet

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Demnächst hat Felix Schwenke (Mitte) mehr zu stemmen als nur einen Bierkrug. Der 30-Jährige aus Waldhof soll neuer SPD-Chef werden.

Offenbach ‐ Er hat neun Bundesvorsitzende politisch überlebt. Hans-Jochen Vogel war an der SPD-Spitze, als der damals 34-jährige Stephan Wildhirt 1988 zum Offenbacher Ober-Genossen gewählt wurde. Mit 55 Jahren wird er sich aus dieser Position verabschieden. Von Thomas Kirstein

Beim Parteitag im März steht er nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Das Feld für die Zukunft der örtlichen Partei hat Wildhirt bestellt: Am Mittwochabend teilte er dem Vorstand nicht nur offiziell mit, dass er nicht mehr kandidieren werde, sondern schlug auch gleich einen möglichen Nachfolger vor. Der 30-jährige Felix Schwenke, stellvertretender Vorsitzender im Unterbezirk und in der Stadtverordnetenfraktion, soll es machen. Der Vorstand zieht einmütig mit, jetzt haben die Parteitagsdelegierten die Stimme.

Eine Überraschung ist der Generationswechsel nicht. Wildhirt gab in privaten Gesprächen schon früh offen seine Abdankungs-Gedanken preis, auf seine Bitte hin thematisierten es faire Berichterstatter nicht. Der Schritt hat also nichts damit zu tun, dass Parteifreund Horst Schneider als Oberbürgermeister Wildhirts Traum platzen ließ, nach dem Ausscheiden als Direktor des Planungsverbands Rhein-Main Geschäftsführer der Stadtwerke Holding zu werden.

1988 übernahm er zutiefst zerstrittene SPD

Die bevorstehenden Abschieds-Elogen werden in einem übereinstimmen: In mehr als zwei Jahrzehnten hat Stephan Wildhirt außer der örtlichen SPD auch seine Heimatstadt geprägt - immer im engen Verein mit seinem Schulfreund Gerhard Grandke. Ihn selbst brachte das vom persönlichen Referenten von Stadtbaurat Wilfried Kaib und später des Frankfurter Planungsdezernenten Hanskarl Protzmann auf den Stuhl des Offenbacher Bürgermeisters und an die Spitze des Planungsverbands.

1988 übernahm er eine zutiefst zerstrittene SPD, in der die Vorsitzenden fast jährlich wechselten. Dagegen nehmen sich die heutigen Konflikte in der Partei wie freundliche Neckereien aus. Das ist, wie auch Gegner zugeben, dem machtbewussten und vermittelnden Wirken von Wildhirt zu verdanken. „Es ist bemerkenswert und eine große Leistung, dass er in dieser Zeit die Offenbacher SPD nicht nur oft durch schwierige Zeiten geführt und inhaltlich ausgerichtet hat, sondern auch immer wieder erreichen konnte, dass die Partei die führende Kraft in den unterschiedlichsten Koalitionen war und ist“, sagt seine Stellvertreterin, die Landtagsabgeordnete Heike Habermann.

Kommunalpolitisch wird Stephan Wildhirt Offenbach den Rücken kehren, er will sich in die Regionalpolitik einbringen. Auch verrät er, dass er fest zur Lebensgefährtin Ilona Hakert nach Hofheim ziehen werde. Die berufliche Zukunft ist offen, es gebe Angebote von Institutionen und Unternehmen. „Es ist interessant, wer sich alles so mal meldet“, sagt er.

Politisch ordnet er sich als „moderat links“ ein

Schon früh hat Stephan Wildhirt die Strippen gezogen, um seiner Partei vor der Verjüngungskur Diadochenkämpfe zu ersparen. „Ich bin schon seit zwei Jahren mit Stephan darüber im Gespräch gewesen“, gesteht der designierte Nachfolger. Felix Schwenke, seit 2004 Stadtverordneter und seit 2008 SPD-Vize, ist zur Zeit Lehramtsreferendar am Rudolf-Koch-Gymnasium. Französisch und Politik-Wirtschaft hat er studiert. Nach der Disputation am 8. Februar und der Veröffentlichung seiner mit „sehr gut“ bewerteten Promotionsschrift darf er ein Dr. vor seinen Namen setzen.

Politisch ordnet sich Schwenke als „moderat links“ ein, nicht ideologisch, eher pragmatisch geprägt. „Ich will für Leute da sein, die sich nicht selbst helfen können“, sei seine sozialdemokratische Grundüberzeugung. Den Kurs, der in Offenbach verfolgt wird, hält er für grundsätzlich richtig - „die Stadt wieder nach vorne bringen, mit Projekten ohne große Folgekosten“. Ein wenig ändern soll sich der Führungsstil in der SPD: Erst mit den eigenen Leuten reden, bevor etwas an die Öffentlichkeit kommt, nennt er als Devise. Deshalb will er seine Vorstellungen auch noch nicht über die Zeitung bekannt geben...

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