Wildhirt räumt das Feld

Offenbach ‐ Stephan Wildhirt hat vom Hickhack um Person und Posten genug und will nicht mehr. Von Thomas Kirstein

Gestern Morgen verschickte der Offenbacher SPD-Vorsitzende die persönliche Erklärung seines Rückzugs aus dem Trio der Bewerber um die Stelle des Geschäftsführers der Stadtwerke-Holding: Es gebe keine realistische Chance mehr für ihn, als SOH-Chef „die Stadtentwicklungsziele Offenbachs mit aller Kraft und Kenntnis voranzubringen“.

Für den Streit um die Nachfolge des zum 31. Dezember scheidenden SOH-Chefs Joachim Böger muss sein Verzicht aber kaum die entschärfende Wirkung haben, die sich Wildhirt von seinem Schritt erhofft. Die Grünen, die heute eine Entscheidung wollen, zeigen sich unbeeindruckt. Wildhirt und der SPD-Fraktion schwebt ein Neustart vor. Zunächst müsste mit allen politisch Verantwortlichen geklärt werden, wie die Zukunft der Stadtwerke Holding aussehen solle. Dann könnte ein qualifizierter Chef außerhalb Offenbachs gesucht werden.

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Die Quittung kommt noch

Die Genossen, bislang bemüht, ihren Vorsitzenden Wildhirt nach dessen Amtszeit als Planungsverbandsdirektor auf der einflussreichen Offenbacher Position zu installieren, sind jedenfalls nicht bereit, jetzt dem Oberbürgermeister seinen Willen zu lassen. Keineswegs wollen sie heute, wie von Parteifreund Horst Schneider fest vorgesehen, eine Abstimmung im Magistrat zulassen.

Der OB jedoch möchte unbedingt den Segen für seine Vorlage, nach der sich Dieter Lindauer (kaufmännischer SOH-Geschäftsführer) und Peter Walther (ESO-Chef) die Stadtwerke-Leitung teilen sollen. Sicher hat er die Unterstützung der Grünen.

Am Mittwoch muss eine personelle Entscheidung stattfinden

Deren Fraktionschef Peter Schneider sagte: „Es muss am Mittwoch auf jeden Fall eine personelle Entscheidungsfindung stattfinden.“ Menschen, die „loyal und hervorragend für uns arbeiten“, dürften „nicht beschädigt werden“. Damit meinte er Lindauer und Walther, die von einer neuerlichen Ausschreibung der Stelle betroffen wären. FDP-Kollege Oliver Stirböck sieht dagegen im SPD-Vorschlag einer Vertagung „eine interessante Option“. Falls es keine Lösung gebe, die alle mittragen könnten, dürfe nicht abgestimmt werden.

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Mehr als ein paar Beulen

Wildhirt schmeißt hin

Ich hoffe, ich habe ein Stück den Weg frei gemacht für eine Einigung“, so Wildhirt. „Ich will diese Koalition nicht kaputtmachen, die ich mitgebaut habe.“ Jedoch sei im Dreierpakt eine Menge Vertrauen und Gemeinsamkeit verschwunden. Er hadert aber weniger mit den grünen Koalitionspartnern als mit seinem OB. Der habe ihm vor einem Jahr „als sachlich und fachlich Besten“ zur schnellen Nachfolge von Joachim Böger gedrängt. „Damals habe ich Interesse gezeigt, aber den frühen Zeitpunkt für ungünstig erachtet“, erzählt Wildhirt, der als Bürgermeister an der Seite von Oberbürgermeister Gerhard Grandke zu den Vätern der Stadtwerke Holding gehörte. Dass der „bekannt sprunghafte Herr Schneider“ es sich dann anders überlegt habe, gehöre „zu den Seltsamkeiten dieser Nachfolgebemühungen“.

Verbittert wirkt er aber nicht, der im Taunus wohnende Offenbacher, der nach Ende seiner Amtszeit als Verbandsdirektor finanziell nicht auf den 160 000-Euro-Job in Offenbach angewiesen ist. „Für mich war das keine Zukunftsfrage“, sagte Wildhirt gestern, „aber eine Sache, die mich sehr gereizt hätte.“

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