Wilhelm Uhl ist gestorben

Richter und Menschenfreund

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Wilhelm Uhl, bis 2001 Präsident des Amtsgerichts, war in vielen Ehrenämtern aktiv. Jetzt ist er 77-jährig gestorben. So haben die Offenbacher Wilhelm Uhl in Erinnerung.

Offenbach - Wilhelm Uhl, bis 2001 Präsident des Amtsgerichts, war in vielen Ehrenämtern aktiv. Jetzt ist er 77-jährig gestorben. Von Markus Terharn

Ruhestand ist ein Wort, das nicht für Wilhelm Uhl erfunden wurde. Nach der Pensionierung stellte der Jurist seinen Sachverstand in den Dienst einer guten Sache. Seit 2008 engagierte sich Uhl als bestellter Ombudsmann für Hartz-IV-Empfänger. In der zwölften Rathaus-Etage vermittelte er ausgleichend und schlichtend zwischen Leistungsbeziehern und Mainarbeit. Vor knapp drei Jahren feierte Uhl mit seiner Frau Heide, die den Deutsch-Französischen Stammtisch organisiert, goldene Hochzeit. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Tochter Katja Schröder hat das Jura-Gen geerbt, sie arbeitet als Rechtsanwältin und Mediatorin für die Offenbacher Societät Knolle. Sohn Professor Dr. Christian Uhl lehrt Japanologie und Sinologie an der Universität im belgischen Gent. Mit ihnen trauern drei Enkel um Uhl, der in der Nacht zu Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben ist.

In Groß-Umstadt wurde Wilhelm Uhl am 4. Juli 1936 geboren, in Frankfurt studierte er Rechtswissenschaften. Nach Offenbach kam er 1970, nach einer wahren Odyssee durch das Hessenland. Am Amtsgericht war er zunächst Haft-, danach Jugendrichter, schließlich Vorsitzender eines Schöffengerichts. Seine Berufung an die Spitze des Amtsgerichts mit 300 Mitarbeitern, davon 36 Richter, galt als etwas Besonderes. War Uhl doch zeitlebens keiner politischen Partei zugehörig – und stolz darauf. Das neue Justizzentrum, für dessen Bau er sich unermüdlich stark gemacht hatte, konnte erst sein Nachfolger beziehen. Vorher war die Behörde über die Stadt verteilt.

Traueranzeigen und Beileidsbekundungen aus der Region

Schon neben dem Beruf hatte Uhl sich ehrenamtlich eingebracht. Die Arbeiterwohlfahrt führte er als Sanierer seit 1992 aus ihrer tiefsten Krise; die Volkshochschule konnte auf ihn zählen; später leitete er den Evangelischen Kirchengemeindeverband. 2002 gehörte Uhl zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Sicheres Offenbach, dem er ebenfalls vorstand. Die Bewegung gegen den Fluglärm sah ihn an vorderster Front. Uhl hat gern in Offenbach gelebt. Genauer in Waldhof, wo er sich im Arbeitskreis des Stadtteils eingesetzt hat. Seine Wahlheimatstadt zeichnete ihn mit der Bürgermedaille in Silber aus.

Viel Freizeit ließen ihm die Ehrenämter nicht. Es reichte zu jährlich einer größeren Reise mit Gattin und mehreren kleineren. Uhl war als Kind schon Kickersfan, galt als sehr belesen und kulturell interessiert. Die ihn kannten, rühmen ihn als freundlich und zugewandt. Wenn es die Sache wollte, suchte er aber auch den streitbaren Dialog. „Ich habe mein Leben lang den Menschen zugehört“, sagte er unserer Zeitung einmal. So trifft zu, was seine Tochter erzählt: „Menschen waren sein Hobby. Er war ein Menschenfreund.“ Wer Wilhelm Uhl die letzte Ehre erweisen möchte, findet dazu Gelegenheit. Die Trauerfeier beginnt am Mittwoch, 12. März, um 14 Uhr auf dem Friedhof Bieber.

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