Klo-Konflikt

Unruhe auf Wochenmarkt

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Markt-Rebellen: Petra und Bernhard Heckelmann.

Offenbach - Ein lebendigeres und schöneres Fleckchen als den Wilhelmsplatz an Wochenmarkttagen hat Offenbach kaum zu bieten. Die zufriedenen Kunden kriegen kaum mit, wenn es hinter der harmonisch wirkenden Kulisse brodelt und sich Stadt und Beschicker reiben. Von Thomas Kirstein

Beleidigungen gehören zum Umgangston. Die Rechnungen dafür sind inzwischen sogar förmliche Abmahnungen.

Neulich war es zu berichten: Wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände kochten Seelen, bis im Beisein der Presse die verbale Explosion folgte. Die Auseinandersetzung darf gern als Klobreite-Konflikt in die Markt-Annalen eingehen.

Es ging um als nicht ausreichend erkannte Sitzflächen in der Beschickerinnen-WC des Markthauses. Aufeinander los gingen das Marktfrauen-Gespann Petra Heckelmann/Naomi Neumann und Werner Hinkelbein, Vizechef des Liegenschaftsamts und städtischerseits der Wochenmarkt-Betreuer.

„Störung des Marktfriedens“

Zwar stellten sich behebbare Fehler einer ausführenden Firma als Ursache heraus, doch waren die beim Protest aufgewühlten Wogen (unsere Zeitung schrieb von nicht zitierfähigen Aussagen) erstmal nicht zu glätten. Per Einschreiben ereilte Gärtner Bernhard Heckelmann, dessen Familie seit 1908 auf dem Markt vertreten ist, umgehend eine Drohung: Das ungebührliche Verhalten seiner Ehefrau gegenüber Mitarbeitern der Marktverwaltung werde man nicht mehr tolerieren, sollte sich die „Störung des Marktfriedens wiederholen“ werde man die Gärtner vom Markt ausschließen. Gezeichnet: Werner Hinkelbein.

Heckelmann vermutet dahinter auch eine Quittung für vermeintliches Querulantentum: „Ich war ja schon öfter der böse Bube, hab’ das Maul aufgemacht, wenn sie irgendwas beschlossen haben. Mit uns Beschickern redet ja niemand.“ Da wirkt der Umbau der gesamten Fläche ebenso nach wie ein einengendes Beachvolleyballturnier.

Rustikal - aber bitte im Rahmen

Jürgen Amberger, Chef von Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, nimmt seinen Werner Hinkelbein in Schutz. Er verstehe, dass dem die Galle übergelaufen sei nach dem, wie die beiden Damen über ihn hergefallen seien und was er sich alles habe anhören müssen. Ja, es gehe auf so einem Wochenmarkt durchaus rustikal zu, sagt Amberger, aber es müsse im Rahmen bleiben. Er formuliert es nicht so, lässt aber durchblicken, dass die Grenze vom Rustikalen zur Unflätigkeit überschritten gewesen sein könnte, wenn ein gewiss nicht dünnhäutiger Mensch wie Hinkelbein mit einer Abmahnung reagiere.

Unruhe auf dem Wochenmarkt ist inzwischen auch politisches Thema. Die FDP hat eine offizielle Anfrage gestellt. Es geht um die Entwicklung der Marktstände-Zahl, um Fluktuation, Branchenmix, Angebotsdefizite sowie Zusammenarbeit zwischen Stadt und Beschickern. Und um „Kommunikationsprobleme“, von denen Zeitungsartikel zeugten: „Welche Möglichkeit sieht der Magistrat, die Zufriedenheit langjähriger Marktbeschicker zu steigern, um das Angebot auf dem Markt weiter attraktiv zu halten?“

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