Am Wilhelmsplatz

 „Trockenstress“  erschöpft Kastanien

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Kollektives Baumpflanzen für Fotografen auf dem Wilhelmsplatz: Die Stadtverordneten Lucia Gerharz (Grüne, rechts), Ulla Peppler (SPD) und Michael Weiland (CDU, links) packen eher symbolisch zu. Stadtplaner Michael Sperber hält sich bewusst im Hintergrund.

Offenbach - Am Wilhelmsplatz endet die Zeit der liebgewonnenen Kastanien. Gestern halfen Stadtverordnete, die ersten Silberlinden zu pflanzen. Bleibt abzuwarten, ob nun Kritiker verstummen.

Der Wilhelmsplatz, die Stadt und die Kastanien. Es ist eine unendliche Geschichte. Die Offenbacher hängen eben mit Wehmut und Herz am „Willi“. Als im Zuge der vieldiskutierten Umgestaltung sieben Kastanien fallen, kochen die Emotionen hoch, wird der Verwaltungschef gar als „Baum-Schneider“ verunglimpft. Das Thema ist emotional so stark besetzt, dass eine interfraktionelle und fachübergreifende Arbeitsgruppe gegründet wird. Die politischen Vertreter halfen gestern mit beim finalen Akt. Dem Pflanzen der ersten vier von sieben Silberlinden.

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Die Stadtverordneten Ulla Peppler (SPD), Lucia Gerharz (Grüne) und Michael Weiland (CDU) beendeten so vorerst einen langen Diskurs. Die Arbeitsgruppe hatte sich zwei Jahre mit den unterschiedlichen Interessen rund um den Platz auseinandergesetzt und geprüft, durch welche „baulichen und pflegerischen Maßnahmen“ der Zustand der Bäume verbessert werden kann und wie die künftige Entwicklung der Bäume zu bewerten ist. Zunächst wurde untersucht, warum die Kastanien in einem so schlechten Zustand sind. Dabei zeigte sich, dass der Einfluss von Schädlingen wie Miniermotte und Viren zu vernachlässigen ist. Die größten Schäden gehen vom sogenannten Trockenstress aus, „der durch Versiegelung, aber auch durch Bodenverdichtung verstärkt wird“. Heißt: Die Rosskastanie ist für die Innenstadt eher ungeeignet. Als Auengehölz bevorzugt sie feuchte, nährstoffreiche, leicht saure Böden. Die Kastanien haben einen schlechten Verdunstungsschutz, weshalb sie in der Innenstadt „in warmen Sommern auch nachts Wasser verdunsten und sich nicht regenerieren“.

Kastanien auf dem Wilhelmsplatz gefällt

Kastanien auf dem Wilhelmsplatz gefällt

Als Ersatz hat die Arbeitsgruppe Silberlinden empfohlen. Die seien „im Hinblick auf die Standortfaktoren der Rosskastanie vorzuziehen“. Sie vertragen Staub, trockene Böden und trockene Luft besser als die einheimischen Winter- und Sommerlinden. „Der Vorwurf, Silberlinden seien giftig für Bienen, erwies sich als haltlos“, heißt es zudem. Für die Neuanpflanzungen wurde alles bestens vorbereitet: Der ESO hob den Boden bis in 1,50 Meter Tiefe aus und ersetzte ihn durch „wasser- und luftdurchlässiges sowie überbaubares Baumsubstrat“. Das bereits 2002 eingebaute Bewässerungs- und Belüftungssystem wurde erhalten.

Ziel ist es, auch bei Nachpflanzungen diesen großzügigen Bodenaustausch vorzunehmen, so dass für die charakteristischen Baumreihen am Wilhelmsplatz „ausreichend großer und durchgängiger Wurzelraum“ entsteht. Die Anpflanzung der drei fehlenden Bäume an der Westseite des Platzes wird auf eine frostfreie Periode nach Weihnachten verschoben. 

mk

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