Würde eine Sperrung helfen?

Marktbeschicker kommen kaum vom Wilhelmsplatz

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So stehen die Autos korrekt an den Seitenstraßen vom Wilhelmsplatz. Doch parkt einer mal versetzt, kommen Marktbeschicker mit Wagen kaum durch.

Offenbach - Platzprobleme um Offenbachs schönstem Platz: Sind die seitlichen Straßen zugeparkt, können Marktbeschicker mit ihren Anhängern den Platz nur mit viel Mühe wieder verlassen – es ist zu eng, sie kommen kaum um die Kurve. Von Veronika Szeherova

Nach unserer Berichterstattung werden Stimmen laut, die vorschlagen, an Markttagen die beiden Straßen zu sperren und nur noch für Anwohner und Marktbeschicker zu öffnen. Was halten die Betroffenen von so einer Lösung?

Naomi Neumann, Vorsitzende des Vereins der Offenbacher Marktbeschicker, ist skeptisch: „Für uns wäre das auf den ersten Blick zwar toll. Aber die Kunden würden sich hintenangestellt fühlen.“ Für die meisten Marktbesucher sei es wichtig, in der Nähe zu parken, um ihren Einkauf nicht weit schleppen zu müssen. „Spezielle Kurzzeit-Parkplätze zum Be- und Entladen wären hilfreich“, findet Neumann. Das Kleider-Frei-Parkhaus ist für sie keine Alternative: „Für viele Fahrzeuge ist es zu niedrig. Und die Kosten sind nicht gerade gering.“ Sinnvoller sei es, die Parkplätze deutlicher zu markieren und zu beschildern. „Das helle und dunkle Grau kann man nicht unterscheiden, so kommen viele Falschparker zustande.“ Sie fürchtet, dass sich die Situation verschärft, wenn wieder Außengastronomie aufgebaut wird. „Dabei gehen ja auf beiden Seiten Parkplätze verloren, viele Leute parken dann wild.“

Die seitlichen Straßen an Markttagen sperren

An Markttagen stehen auf dem südlichen Drittel des Platzes 48 Parkplätze zur Verfügung (sonst 96), an den seitlichen Straßen 32 Plätze. Dass ab und zu Autos „quer stehen“, bestätigt Giuseppe Morleo, der drei Restaurants auf dem Wilhelmsplatz betreibt. „Wenn jemand falsch parkt, kann kein Gastronom etwas dafür.“ Er betont, dass sich die Außenbestuhlung strikt an städtische Vorgaben hält. „Das ist alles genormt und elektrisch gesichert, da ragt kein Schirm drüber.“ Der Gedanke, die seitlichen Straßen an Markttagen zu sperren, hat für ihn einen gewissen Charme: „Das gäbe den Gästen mehr Freiheitsgefühl.“

Auch Anwohnerin Dorothea Terpitz findet die Idee „grundsätzlich gut“, stellt sich den Wilhelmsplatz so „gemütlicher“ vor. Für Rosen-Apotheker und Anwohner Hans-Rudolf Diefenbach aber ist es „völliger Unfug“: „So ein Vorschlag kann nur von Leuten kommen, die nicht auf geschäftliche Sachverhalte angewiesen sind.“ Das Problem sieht er in „rücksichtslosen Parkern, meist Paketfahrer oder Sprinter. Die sollte die Ordnungspolizei viel mehr kontrollieren“.

„Mit einem isolierten Platz kann man kein Geld machen“

Anwohner Bruno Becker sieht eine Lösung darin, die Einfahrten zum Platz zu verbreitern. „Mit einem Meter wäre den Beschickern schon geholfen.“ Eine Straßensperrung aber bewirke eine Isolation des Platzes. „Mit einem isolierten Platz kann man kein Geld machen.“ Ähnlich sieht es Marktbeschicker Holger Wotke. „Wenn die Kunden mit dem Auto nicht bis zum Markt kommen können, wäre es ein schöner Markt – aber ohne Kunden!“

Kunden, von denen auch die Gastronomen profitieren. Stefan Klemisch von der Brasserie Beau D’Eau spricht von einem guten Verhältnis zu den Marktbeschickern. „Wir stellen immer Blumenkübel auf zum Freihalten der Lieferantenplätze.“ Er findet, die Knöllchen der Ordnungspolizei verbessern die Situation nicht. „Man sollte lieber mit den Leuten reden.“ Den Wilhelmsplatz hält er für ein „intaktes Gebiet“, eine Straßensperrung sei nicht sinnvoll.

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Umsetzbar ist sie laut Stadtsprecher Matthias Müller sowieso nicht. „Wer soll das kontrollieren?“ Man könne dafür niemanden an die Zufahrten stellen. Den Straßensperrungs-Vorschlag, so Müller, „hat es bereits in allen Varianten gegeben“. Als „optimale Lösung“ betrachtet er eine Tiefgarage. „Sie ist ausführlich diskutiert worden, aber wegen der langen Bauzeit gab es die Befürchtung, dass der Markt dann tot ist.“ Am Wilhelmsplatz kämen viele Interessen zusammen, zeigten sich alle Widersprüche einer Großstadt: „Einerseits möchte man einen schönen, freien Platz, andererseits genug Parkmöglichkeiten“. Ein Konflikt, der vorerst ohne Lösung bleibt.

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