IHK will Wahl zur Vollversammlung reformieren

Eva Dude

Offenbach - Die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Hessen ringen stets mit einer recht geringen Beteiligung bei den Wahlen zu ihren Vollversammlungen. Auch der Zuspruch in Stadt und Kreis Offenbach war wieder verhalten. Dem will die hiesige Kammer mit Reformen gegensteuern, wie IHK-Hauptgeschäftsführerin Eva Dude im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn sagte.

Wie hoch war die Beteiligung der Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach an der Wahl zur IHK-Vollversammlung?

Die Wahlbeteiligung lag bei etwa elf Prozent. Mehr als Zweidrittel unserer Mitglieder sind kleine Betriebe, oft Einmannbetriebe. Das ist die Gruppe, die uns Sorgen macht. In dieser Gruppe liegt die Beteiligung bei etwa 8,7 Prozent. Ein Drittel unserer Unternehmen ist im Handelsregister eingetragen. Bei ihnen ist die Beteiligung traditionell höher und liegt bei etwa 15,6 Prozent, daher stammt fast die Hälfte der Stimmen. Wir würden uns natürlich eine höhere Beteiligung wünschen.

Hat sich die Beteiligung im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren verändert?

Sie ist minimal gesunken, bewegt sich aber im Rahmen dessen, was bei den Wahlen im Jahr 2000 oder 2004 erreicht wurde. Immer liegen wir zwischen elf und zwölf Prozent. Die Wahlbeteiligung zu halten, ist heute vielleicht auch schon ein kleiner Erfolg. Allerdings ist die Zahl der in der IHK organisierten Unternehmen in dem Zeitraum gestiegen, so dass rein zahlenmäßig die Beteiligung zugelegt hat.

Hat das Wirtschaftsparlament überhaupt eine demokratische Legitimation?

Auf jeden Fall, ja. Eine demokratische Legitimation ist keine Frage der Höhe der Wahlbeteiligung. 57 Unternehmer aus 100 Kandidaten sind in die IHK-Vollversammlung gewählt worden. Der ganze Kammerbezirk ist gut vertreten, alle Regionen und Branchen sind drin. Deshalb hat das Wirtschaftsparlament schon eine Aussagekraft und wird seiner Funktion gerecht.

Nimmt wegen der geringen Wahlbeteiligung nicht das Gewicht der IHK ab, mit dem Sie Ihre Forderungen gegenüber der Politik vertreten können?

Nein. Schließlich sind renommierte Unternehmen in der Vollversammlung vertreten. Ich würde sagen, dass sind die Treibkräfte in der Region. Entscheidend ist, dass wir glaubhaft machen können, dass wir gute Köpfe in der Vollversammlung haben, die das Interesse aller, auch der Nichtwähler, vertreten. Immerhin haben 3 000 Unternehmer das Gremium gewählt. Für eine so kleine Region ist das schon aussagefähig.

Warum ist das Interesse der Unternehmen so gering?

Ich weiß nicht, ob es geringes Interesse ist. Ich glaube eher, dass das Wahlverfahren zu kompliziert ist. Das fängt schon bei den vielen Umschlägen an. Wir werden in Zukunft versuchen, es einfacher zu machen. Eigentlich wollten wir schon dieses Mal elektronisch wählen lassen. Das Wirtschaftsministerium hat uns das aus Datenschutzgründen aber nicht genehmigt. Es gibt Beispiele aus anderen Kammerbezirken in Deutschland, in denen eine elektronische Wahl möglich war. Dort geht die Wahlbeteiligung hoch. Vor allem junge Unternehmer nutzen die Möglichkeit, über den Computer zu wählen. Natürlich gibt es dort Barrieren, etwa mit PIN-Codes. Das ist nach unserer Ansicht der Weg in die Zukunft. Ganz lässt sich das System aber nicht auf die Elektronik umstellen. Kleingewerbetreibende zum Beispiel sind nicht immer über E-Mail zu erreichen. Wir müssen aber auch die Bedeutung der IHK-Vollversammlung stärker kommunizieren.

Streben Sie die elektronische Stimmabgabe bei der nächsten Wahl an?

Auf jeden Fall. Wir werden das Thema sofort wieder aufgreifen und weiter verfolgen.

Mit welchen weiteren Mitteln will die IHK Offenbach die Wahlbeteiligung erhöhen?

Die Unternehmer müssen, sofort nachdem die Unterlagen bei ihnen eingegangen sind, aufgefordert werden, sich zu beteiligen. Wir wollen für diese Aufgabe auch Call-Center einspannen. Das ist aufwendig. Ich glaube aber, dass es sich lohnt. Zudem überlegen wir, ob wir den Kandidaten empfehlen, beim nächsten Mal noch intensiver eigene Wahlwerbung zu machen. Damit könnten sie sich in ihrer Wahlgruppe bekannter machen. Denn unter den häufig sehr heterogenen Dienstleistungsbetrieben kennt meistens einer den anderen nicht gut genug.

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