Entlastung für die Umwelt

Wind bläst EVO in Richtung Energiewende

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EVO-Räder drehen sich, wo sie in der Öffentlichkeit willkommen sind: Im Mai wurden 23 Anlagen nahe dem Hunsrück-Ort Kirchberg eingeweiht.

Offenbach - Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern, bestehen beste ökologische Aussichten: Rein theoretisch könnte die Energieversorgung Offenbach (EVO) in zwei Jahren alle ihre Privat- und Geschäftskunden mit Strom aus Windkraft versorgen. Von Thomas Kirstein

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Für die Umwelt bedeutet das eine Entlastung um 200.000 Tonnen Kohlendioxid. Das ist eine positive Perspektive, die Heike Heim gestern bei ihrer Premieren-Bilanzpressekonferenz darstellen konnte. Die 42-jährige Wirtschaftsingenieurin ist seit 1. Januar Vorstandschefin der EVO. Mit Technik-Vorstand Dr. Kurt Hunsänger präsentierte sie die Ergebnisse des Geschäftsjahrs, das ihr zu den Stadtwerken Karlsruhe gewechselter Vorgänger Michael Homann zu verantworten hatte.

Die schöne Windkraft-Aussicht eröffnet sich jedoch nur, wenn sich die gegenwärtige Bundesregierung nicht mit ihrer „Strompreisbremse“ durchsetzt, machten Heim und Hunsänger deutlich. Ansonsten stünde das Aus für die von der EVO angestrebte regionale Energiewende bevor, vorgesehene Windkraft-Investitionen von 90 Millionen Euro könnte sich das Unternehmen nicht mehr leisten.

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Im vergangenen Jahr lief die regionale Energiewende nach Plan, wie Hunsänger berichtete. Beim Hunsrück-Ort Kirchberg nahmen die EVO und ihr Partner Juwi-Gruppe im Mai 23 Windanlagen in Betrieb, die Öko-Strom für 100.000 Menschen liefern – eine Investition von 85 Millionen Euro. Im Vogelsberg soll bei Dirlammen demnächst ein drittes Windrad ans Netz gehen. Mit dem Main-Kinzig-Kreis ist der Bau von 18 Anlagen in der Region Flörsbachtal/Jossgrund vereinbart. Die hiesige Kante braucht nicht über EVO-Windräder nachzudenken. „Wir bauen nur dort, wo wir von der Öffentlichkeit willkommen geheißen werden“, sagte Hunsänger.

Ein weiteres alternatives Standbein der EVO ist die Produktion von Holzpellets auf dem ehemaligen Allessa-Gelände. Die werden verkauft oder von der EVO in 44 sogenannten Nahwärme-Anlagen verheizt, lohnen sich aber nicht als Steinkohle-Ersatz im Blockheizkraftwerk an der Andréstraße. 1800 Photovoltaik-Module auf dem Dach des Kickersstadions reichen rein rechnerisch aus, um den Strombedarf der Sportstätte zu decken.

„Energie aus der Region für die Region“

Pressekonferenz-Premiere für die neue EVO-Chefin Heike Heim (hier mit Technik-Vorstand Kurt Hunsänger).

Das Motto der strategischen EVO-Ausrichtung lautet „Energie aus der Region für die Region“. Managerin Heim sagte, sie habe viele gute Ideen, wolle jedoch noch keine Einzelheiten nennen. Grundsätzlich müsse man sich aufs Kerngeschäft konzentrieren und in Zeiten sinkender Erlöse neue, rentable Ansätze finden.

Für 2011/2012 legte Vorstandsvorsitzende Heim einen Abschluss vor, den sie angesichts eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds als „nur noch zufriedenstellend“ bezeichnete. Der Überschuss aus dem operativen Geschäft liegt mit 16,7 Millionen unter dem Vorjahresniveau von 17,1 Millionen. Dazu addieren sich einmalig 6,5 Millionen Euro aus dem Verkauf von Anteilen an den Maintal-Werken. Die Anteilseigner der EVO, Offenbachs Stadtwerke Holding und Mannheims MVV, dürfen sich über Dividenden von je zehn Millionen Euro freuen. Für die Zukunft rechnet Heim mit weiter sinkenden Erträgen.

100 Millionen fließen zurück in Wirtschaftskreislauf

Die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors EVO für die Region dokumentierte Heim mit einer Studie der Unternehmensberatung Eckart & Partner: Demnach fließen jährlich 100 Millionen Euro zurück in den Wirtschaftskreislauf – als Dividende, Konzessionsabgabe, Gewerbe- und Grundsteuer, Löhne und Gehälter von 615 Mitarbeitern, Mieten, Pachten, Investitionen und Aufträge an externe Firmen, wodurch weitere 900 Arbeitsplätze gesichert sind.

Eine im Koalitionsvertrag der Offenbacher Parteien SPD, Grüne und FWG erwogene Rekommunalisierung der EVO will deren Spitze nicht kommentieren. Man sei jedenfalls froh, strategisch denkende Anteilseigner zu haben und keine Finanzinvestoren, sagte Heike Heim.

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