Rotoren täuschen die Radartechnik

Alarmstufe Rot: Windräder stören den Wetterdienst

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Offenbach - Alarmstufe Rot beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach: Die wachsende Zahl von Windrädern in der Nähe von Wetterradar- Stationen beunruhigen. Das Problem: Rotoren verfälschen Messergebnisse; Unwettervorhersagen könnten ungenauer ausfallen. Ein Urteil sorgt für zusätzliches Unbehagen. Von Peter Schulte-Holtey 

Der geplante Bau hunderter neuer Windkraftanlagen bringt den DWD in eine Zwickmühle: Einerseits wollen die Offenbacher Meteorologen der Energiewende nicht im Wege stehen. Andererseits befürchten sie schlechtere Wetterberichte, denn die Windräder rücken immer näher an die Wetterradaranlagen heran, bringen die Analysen der DWD-Experten durcheinander. Ein Urteil des Trierer Verwaltungsgerichts verstärkt jetzt die Sorgen. Die Richter genehmigen den Bau von drei Windkraftanlagen im Eifelkreis Bitburg-Prüm, obwohl die Anlagen nur zehn Kilometer von der DWD-Radarstation entfernt errichtet werden sollen - und die Möglichkeit besteht, dass die Rotoren Messergebnisse verzerren. Dabei waren die Meteorologen bislang davon ausgegangen, dass die 15-Kilometer-Schutzzone fürs Wetterradar von den Windenergie-Firmen eingehalten wird.

Noch will man sich beim DWD nicht konkret zur Urteilsbegründung äußern, bis Anfang Juni soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Wetterdienst-Sprecher Uwe Kirsche beschreibt aber deutlich, wie ernst das Thema in Offenbach genommen wird. „Die Anlagen besitzen aufgrund ihrer Größe ein sehr hohes Reflexionsvermögen für Radarstrahlen. Die Rotorblätter hingegen erzeugen durch ihre permanente Drehung eine Phasenverschiebung der reflektierten Radarwelle - den sogenannten Doppler-Effekt. Eine Windenergieanlage wird deshalb vom Wetterradar nicht als stationäres und damit filterbares Stör-Echo erkannt“, beschreibt Kirsche das Problem. „Die sich drehenden Rotoren führen dazu, dass das Echo der Anlage fälschlicherweise als sehr ergiebiger Niederschlag interpretiert wird“, ergänzt er.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

Eine weitere Beeinträchtigung der DWD-Technik ergebe sich durch die sogenannte Abschattung der Atmosphäre - vom Radar aus gesehen - hinter einer Windkraftanlage. In Windparks mit vielen Windenergieanlagen oder bei nahe beieinander stehenden Anlagen kann dieser Effekt bis zur völligen Auslöschung von Signalen aus solchen Gebieten führen. Die Folge: Unwetter werden nicht erkannt. Bei ungünstigen Wetterbedingungen kann der DWD diesen Einfluss noch in mehr als 100 Kilometer Entfernung deutlich nachweisen. Eine technische Lösung des Problems gebe es nicht. Kirsche sagt es mit Nachdruck: „Innerhalb der Schutzzonen kann der DWD - solange es keine Lösung für diesen Konflikt gibt - keinen Kompromiss eingehen, der die Warnung der Bevölkerung vor Wettergefahren gefährdet.“

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