„Bin doch nicht der Dumme“

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Räumung auf die lustige Art: Susanne und Sarah Kimpel haben die Schaufeln in die Hand genommen und befreien den Gehweg an der Gauss-Straße von den Schneemassen.

Offenbach ‐ Nichts geht mehr. Drei Worte, die an den Roulettetischen der Republik zum Alltag gehören. Dieser Tage gilt der Zustand aber auch für die hiesigen Straßen. Schneesturm Petra ist schuld. Von Jörn Polzin

Im Schneckentempo ging es für Autofahrer und Fußgänger zuletzt voran – wenn überhaupt. Die Laune ließen sich die Schneegeschädigten aber nicht verderben. Auf der A3, wo die Autofahrer den unfreiwilligen Aufenthalt nutzten, um auf der Überholspur einen Schneemann zu bauen. Die Kinder freuten sich über 15 Zentimeter Neuschnee, der liegen blieb.

Doch des einen Freud ist nun mal des anderen Leid. Und so begann für viele Bürger der gestrige Morgen mit Schneeschippen bei ungemütlichen Minusgraden. Wer sich mit Schippe und Eiskratzer frühzeitig eingedeckt hatte, war dabei klar im Vorteil. In den Geschäften sind jene nützlichen Werkzeuge längst Mangelware.

Solche Probleme kennen die Mitarbeiter der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO nicht. Mit 150 Mitarbeitern und modernen Kehrmaschinen ist der Winterdienst im Einsatz. „Wir sind für alle Verhältnisse gewappnet“, sagt ESO-Pressesprecher Oliver Gaksch, der trotz des „extrem intensiven Winters“ keine „außerordentliche Situation“ feststellen will. Was nicht zuletzt daran liege, dass sich unter dem Pulverschnee bislang keine Eisschicht gebildet hat.

Anderthalb Meter breite Schneise

Nicht immer konfliktfrei bleibt in diesen bitterkalten Tagen allerdings die Frage, wer, wie und wo für die Räumung eines Bereichs zuständig ist. „Da gibt es alle Jahre wieder Diskussionen“, sagt Gaksch und klärt auf: Bei bebauten sowie unbebauten Grundstücken liege die Räumungspflicht stets beim Eigentümer. „Er ist verpflichtet eine anderthalb Meter breite Schneise freizuräumen“, erklärt Gaksch. Die ESO sei für die öffentlichen Wege und zentralen Plätze zuständig. Darunter falle auch der Wilhelmsplatz, wobei die Frage nach der Zuständigkeit dort diffiziler ist.

Gaksch: „Die Verantwortung für den Gehweg am gepflasterten Straßenbereich liegt in den Händen der Anwohner. Zur Wilhelmsplatzseite hin ist die Stadt Anlieger und somit die ESO zuständig.“ Diese Verteilung sei selten, in Offenbach aber kein Einzelfall. Bei städtischen Grundstücken wie Schulen sei je nach Vereinbarung die ESO oder der Hausmeister für die Räumung verantwortlich. Eindeutig geregelt ist der Einsatz der ESO-Kräfte bei Privatleuten. „Da geht es nur um den Zeitpunkt des Auftrages“, versichert Gaksch.

Vier Grad unter dem langjährigen Mittelwert

Wäre also die Frage nach dem Wer und Wo geklärt. Doch wie sieht es mit dem Wie aus? Die ESO streut nur mit Splitt und handelt damit gemäß der Wintersatzung, wonach auf den Gehwegen ein Salzstreuverbot herrscht. Manche Offenbacher Bürger hält dies aber nicht davon ab, das effektivere Pulver weiter auf den Wegen zu verteilen. „Das ist mir doch egal. Wenn dann bei mir einer auf die Fresse fällt, bin ich der Dumme und muss zahlen“, echauffiert sich ein Mann. Er hat sich mit einem neuen 50-Kilo-Sack Salz eingedeckt.

Während der Lerneffekt bei der Salzstreuer-Fraktion noch aussteht, hat er bei vielen Autofahrern bereits eingesetzt. „Die Autofahrer haben sich gut für den Winter gerüstet, auf den Straßen ist es bislang ziemlich ruhig geblieben“, berichtet Polizeisprecher Ingbert Zacharias. Die angekündigten Sanktionen bei Missachtung der Winterreifen-Pflicht hätten ihre Wirkung nicht verfehlt. „Das ist in den Köpfen hängen geblieben.“

Und die weiteren (Wetter)-Aussichten? Laut Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, geht die Tendenz zu milderen Temperaturen. Eine Kälteperiode wie in der ersten Dezemberhälfte habe es bislang alle 20 Jahre gegeben. „Wir befinden uns vier Grad unter dem langjährigen Mittelwert“, sagt der Experte. Nach einer weiteren Schnee-Welle soll bis Heiligabend wieder Ruhe einkehren.

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