Winterliche Ladenhüter

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Im Toom-Baumarkt verschwinden die Schneeschieber schon so gut wie im Lager. Mitarbeiter Thomas Bussinger und Fachberaterin Susan Probst benötigen Platz für die frühsommerliche Saisonware.

Offenbach - Schneeschaufeln haben Staub angesetzt. Vogelfutter, Frostschutzmittel und Streusalz gehen ganz schlecht, Brennstoffe aller Art sowieso. Da ist der Absatz regelrecht eingebrochen, lautet die Klage. Mangels Schnee zählen auch Rodelschlitten zu den Ladenhütern. Von Harald H. Richter 

Es gibt noch weitere Winterware, die liegt bei den Händlern wie Blei im Regal. Wer kauft Mützen oder Mäntel, wenn man bei bis 14 Grad im T-Shirt umherlaufen kann. Dieser Nicht-Winter, in dem bisher kaum eine Flocke Schnee gefallen ist, trübt die Stimmung beim heimischen Handel zwar ein, aber es gibt einen Lichtblick am Horizont – das Frühlingserwachen.

„Die Menschen stimmen sich noch zeitiger als gewöhnlich auf Sonnenschein ein, das macht sich im Kaufverhalten klar bemerkbar“, bestätigt Sven Schwarz, Leiter des Toom-Baumarkts am Odenwaldring. Die ersten Unerschrockenen fragen bereits nach Grillkohle für den Saisonauftakt auf Balkon und Terrasse und strafen die klassischen Ofenbrennstoffe durch Nichtachtung. Daran stürmen die Kunden derzeit mit Primeltöpfchen in der Hand vorbei. Die Branche kompensiert das ausgefallene Wintergeschäft mit Frühjahrsware, vor allem mit Blumen. „Die Kunden sind derzeit wie verrückt nach allem, was blüht, also brummt der Absatz von Hyazinthen und Narzissen.“ Aber auch Campingartikel gehen überraschend gut. „Die Nachfrage ist merklich höher als in früheren Jahren.“ Dafür werden Schneeschaufeln bis zum nächsten Winter eingelagert.

So negativ, wie angesichts der milden Witterung befürchtet, fällt für Christian Fülbier das Wintergeschäft nicht aus. Der Geschäftsführer der Jack-Wolfskin-Filiale im KOMM-Center hat ausgemacht, dass Outdoor-Bekleidung allemal Abnehmer findet. Das gilt in erster Linie für Markenartikel, die momentan zum halben Preis über den Tresen gehen und helfen, die Regale zu leeren. So dehnt Fülbier in seinem Geschäft den „Sale“ noch bis zum Ende dieser Woche aus und rückt auf der Resterampe reichlich Ware ins Blickfeld der Kunden.

Rabatte bis zu 70 Prozent

Auch im Kaufhaus M. Schneider geht der Schlussverkauf in den Endspurt mit bis zu 50 Prozent Nachlass sogar auf bereits reduzierte Winterartikel, die besonders gekennzeichnet sind. Alexandra Karakatsani, bei Schneider als Einkaufsleiterin für Damenoberbekleidung zuständig; „Die Kundschaft profitiert wie nie zuvor, denn so günstig war Markenware diesen Winter noch nicht. Für Sie und Ihn gibt es jede Menge Schnäppchen. Und da sich die Trendfarben 2014/15 kaum von denen der aktuellen Saison unterscheiden, bleibt modischer Chic lange up to date“, wirft sie einen Blick voraus. Strickwaren sind allemal zeitlos. Sehr zur Freude von Daniela Friedrich, die mit der vierköpfigen Familie auf Schnäppchenjagd geht. „Solche Sachen sind auch nächsten Winter tragbar, also kann man durchaus einiges im Voraus kaufen und von den Preisvorteilen profitieren“, sagt die kühle Rechnerin. Daher kommt ihrer Familie die textilen Sonderangebote gerade recht.

Die Kundschaft kann sich auch bei Galeria Kaufhof über satte Rabatte freuen, denn das Haus möchte mit sauberem Bestand aus der Wintersaison gehen. Geschäftsführerin Christiana Baudach: „Es sind Nachlässe von 50 und je nach Warengruppe sogar 70 Prozent drin.“ Mehr und mehr rückt im Warenhaus an der Frankfurter Straße aber das neue Sortiment in den Vordergrund. Und dafür gibt hier wie anderswo schon starke Nachfrage.

Nachfrage bei Freizeitbekleidung

Werner Scholz präsentiert bei Galeria Kaufhof eine wärmende Winterjacke. Zusätzliche Rabatte sind da garantiert.

„Die Menschen sehnen das Frühjahr herbei, für sie gehören daher ein neues Outfit und besonders die trendig-grellbunten Laufschuhe einfach dazu“, bestätigt Mariusz Wrobel (Schuh- und Sportpalast im KOMM-Center). Dafür hätten es aufgrund des milden Wetters der vergangenen Monate Boots und Winterstiefel schwer gehabt, als Fußbekleidung akzeptiert zu werden. „Daher haben wir etwa Langschaftstiefel in die Aktion gegeben und um 40 Prozent reduziert verkauft“, berichtet der Zweigstellenleiter. Dadurch wurden die Regale freigeräumt für die aktuelle Fitness- und Freizeitbekleidung. „Die geht schon gut übern Ladentisch.“

Nur ein grundlegender Wetterwechsel könnte jetzt noch die vorfristige Frühjahrslaune vermiesen. Der aber ist nicht zu erwarten, denn der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für unsere Breiten durchweg Temperaturen in zweistelliger Höhe. Ohnehin beginnt – meteorologisch gesehen – der Lenz am 1. März, und der ist heute...

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